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Was spricht gegen einen Biergarten am Puschkinplatz?

An der größten Grünfläche der Innenstadt suchen Radtouristen vergeblich einen richtigen Freisitz. Die Denkmalschützer wollen nicht.

Verträgt sich das Gartendenkmal Puschkinplatz mit einem Biergarten? Hier ein Blick aus Richtung Elbe. Rechts ist die Puschkintorpassage zu erkennen, vor der ein Wirt gern Freisitze hätte.
Verträgt sich das Gartendenkmal Puschkinplatz mit einem Biergarten? Hier ein Blick aus Richtung Elbe. Rechts ist die Puschkintorpassage zu erkennen, vor der ein Wirt gern Freisitze hätte. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Ja, der Döner am Puschkinplatz hat kleine Tische auf dem Bürgersteig stehen. Aber sonst? Seit die Gaststätte Rumpelkammer zugemacht hat, gibt es keinen Biergarten mehr in Riesas markanter Grünanlage. Dabei hätten gleich mehrere Gastronomen Interesse daran, dort Tische, Stühle und Sonnenschirme aufzubauen.

Einer von ihnen ist Dionysis Biniakou, der in der Puschkintorpassage noch diesen Sommer ein griechisches Restaurant öffnen möchte. Und zum "Platon", da ist sich der Grieche sicher, gehört auch ein Biergarten. Genau gegenüber des Restaurants soll er auf der anderen Straßenseite hin - im Eingangsbereich des Parks, dort wo vor Jahren mit dem Terrazino einer seiner Wirts-Vorgänger auch schon einen Biergarten betrieben hatte.

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Umso mehr war der Gastronom verwundert, dass von der Stadt ablehnende Signale kamen - wegen möglicher Probleme bei der Verkehrssicherheit beim Überqueren der Straße oder wegen der Parkplätze, die sich am Fahrbahnrand befinden. Und auch das Landratsamt habe, so die Antwort aus dem Rathaus, noch ein Wort mitzureden.

Das Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises könnte mit einem Biergarten leben, für dessen Kellner eine Fahrbahn überqueren müssen. Nötig seien dann "einfache Maßnahmen, um nachteilige Beeinflussungen der Speisen zu verhindern". Da dürfte wohl ein umgedrehter Teller als Abdeckung auf dem Gyros reichen. "Der Grad der 'Beeinflussung' ist dabei lebensmittelhygienisch nicht höher oder ungünstiger im Vergleich zum Transport durch einen sehr großen und mit Gästen voll besetzten Biergarten", so die Behörde.

Wird diese Visualisierung je Wirklichkeit? Das im Bau befindliche Restaurant "Platon" in der Puschkintorpassage möchte genau gegenüber so einen Biergarten eröffnen.
Wird diese Visualisierung je Wirklichkeit? Das im Bau befindliche Restaurant "Platon" in der Puschkintorpassage möchte genau gegenüber so einen Biergarten eröffnen. © WIP

Kritischer sieht es dagegen die ebenfalls beim Landkreis angesiedelte Denkmalschutzbehörde. Sie verweist darauf, dass der Puschkinplatz als Gartendenkmal in der Denkmalliste steht. "Aufgrund der historischen und symmetrischen Parkgestaltung mit betonten Mittelachsen würden zusätzliche Elemente diese Gestaltung erheblich stören", so die Behörde.

Aber warum gab es dann früher dort Biergärten? Sowohl an der Puschkintorpassage als auch genau gegenüber an der Seite Richtung Goethestraße  existierten jeweils mehrere Jahre lang Biergärten. Bei der Unteren Denkmalschutzbehörde ist nur ein Vorgang von 2007 bekannt: Damals sei ein nachträglich eingereichter Antrag auf Errichtung eines Biergartens abgelehnt worden, man habe die bereits angelegte Anlage lediglich "zeitlich begrenzt geduldet". Anderweitige offizielle Anfragen nach Biergärten habe es nicht gegeben. 

Das Landratsamt macht da auch wenig Hoffnung: "Die Haltung der Denkmalschutzbehörde ist seit diesem Zeitpunkt unverändert." Beim Komplex aus Döner und WC am Rand des Gartendenkmals sei die Sache anders: Die Anlage hat Bestandsschutz und man müsste lediglich Veränderungen beantragen.

Womit die Denkmalschützer leben könnten, wäre ein Biergarten auf den Fußwegen entlang der Fahrbahn - wenn dies die städtischen Vorschriften zulassen. Das Gartendenkmal selbst sei allerdings tabu.

Alternative im Innenhof

Daran ist offenbar auch ein Interessent gescheitert, der nach SZ-Informationen nach der Schließung der "Rumpelkammer" gern deren Biergarten auf dem Puschkinplatz weiter betrieben hätte. Und auch Heike Beutler vom Café Beutler am oberen Ende des Puschkinplatzes hätte gern Freisitze in der Grünanlage eingerichtet. "Ich habe schon vor 20 Jahren dazu vergeblich einen Antrag eingereicht", sagt die Unternehmerin. Damals habe sie einen anderen Grund für die Absage genannt bekommen: Wegen der Fördergelder, die für die Umgestaltung des Puschkinplatzes geflossen seien, sei keine Bewirtschaftung möglich.

Weil trotzdem Tag für Tag Radtouristen nach Freisitzen gefragt hätten, hat man sich beim Café Beutler selbst geholfen - und im Innenhof im Garten 30 Sitzplätze angelegt. Die sind vom Puschkinplatz aus allerdings nicht zu sehen, so dass sie mit einem Schild dafür werben muss.

Ein neuer Biergarten auf dem Puschkinplatz ist also noch nicht abzusehen. Und ein Bier auf der Parkbank kommt erst recht nicht infrage: Seit wenigen Tagen gilt dort wieder die Polizeiverordnung, die ein Alkoholverbot vorschreibt.

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