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Neue Technik brennt Tumore weg

Der Riesaer Chefarzt Oliver Stöltzing setzt jetzt Mikrowellentechnik am Elblandklinikum ein. Davon profitiert man auch in Meißen.

Prof. Dr. med. Oliver Stöltzing (Bildmitte) und sein Team bei der Operation an einer Bauchspeicheldrüse. In Riesa geht das jetzt mit neuartigen Methoden, die nur kleine Narben zurücklassen.
Prof. Dr. med. Oliver Stöltzing (Bildmitte) und sein Team bei der Operation an einer Bauchspeicheldrüse. In Riesa geht das jetzt mit neuartigen Methoden, die nur kleine Narben zurücklassen. © Sebastian Schultz

Riesa. Nicht mal so groß wie eine Ein-Euro-Münze ist das Loch im Bauch des Patienten, in das Prof. Dr. Oliver Stöltzing gerade einen fingerdicken schwarzen Stab einführt. Mit den Augen auf einem Monitor oberhalb des OP-Tisches sucht er den direkten Weg zur Bauchspeicheldrüse des Mannes. Der bekommt unter Narkose nicht mit, wie der Riesaer Chefarzt seinem Tumor zu Leibe rückt. "Mit unserer neuen Ultraschallsonde können wir punktgenau die Stelle finden, wo der Tumor steckt", sagt Stöltzing.

Die Sonde liefert exakte Bilder aus dem Körperinneren, ohne dass man dazu erst den Bauch der Patienten aufschneiden muss. Und dann kommt das zweite Gerät hinzu, das seit Kurzem im Elblandklinikum Riesa im Einsatz ist: die Mikrowellensonde. Sie ist noch einmal ein Stück dünner als die Ultraschallsonde. Anders als diese, dient die Mikrowellensonde nicht zur Untersuchung, sondern zur Behandlung. "Sie erlaubt eine millimetergenaue Tumorchirurgie", sagt der Chefarzt.

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Nicht nur für Darmkrebs

Ist der Tumor untersucht, seine Größe und Lage exakt festgestellt, lässt er sich mit Mikrowellentechnik "verkochen", also mit Hitze zerstören. Ähnlich wie bei der heimischen Mikrowelle gilt es, genau Wattzahl und Dauer einzustellen, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Nur, dass es hier nicht um Speisen und Getränke geht, sondern um Tumore an Bauchspeicheldrüsen, Nieren und vor allem Lebern.

"Die Technik erlaubt es, möglichst viel gesundes Gewebe übrig zu lassen", sagt der 51-Jährige. Sonst galt es oft, große Stücke der Leber herausnehmen zu müssen, um ein weiteres Wachstum des Tumors sicher zu verhindern. Doch das ist bei Patienten, die ohnehin eine schlechte Leberfunktion haben - etwa durch eine Leberzirrhose - kaum möglich. Da ist die Tumorbekämpfung per Mikrowelle die bessere Variante. "Natürlich ist auch hier eine regelmäßige Nachkontrolle der Patienten per Computertomographie wichtig."

Das Riesaer Elblandklinikum - der OP-Saal befindet sich im neunten Stock des Hochhauses, die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Haus 5 (im Bild links neben dem Hochhaus).
Das Riesaer Elblandklinikum - der OP-Saal befindet sich im neunten Stock des Hochhauses, die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Haus 5 (im Bild links neben dem Hochhaus). © Eric Weser
Der Eingang zum OP-Trakt im Riesaer Hochhaus. Das Stockwerk ganz oben bietet einen großartigen Ausblick über das Umland - wenn man als Patient nicht gerade in Narkose ist.
Der Eingang zum OP-Trakt im Riesaer Hochhaus. Das Stockwerk ganz oben bietet einen großartigen Ausblick über das Umland - wenn man als Patient nicht gerade in Narkose ist. © Sebastian Schultz
Mit der Mikrowellensonde (links) lässt sich millimetergenau ein Tumor "verkochen", die Ultraschallsonde (rechts) liefert exakte Bilder aus dem Inneren des Patienten. Beide Geräte zusammen kosten 120.000 Euro.
Mit der Mikrowellensonde (links) lässt sich millimetergenau ein Tumor "verkochen", die Ultraschallsonde (rechts) liefert exakte Bilder aus dem Inneren des Patienten. Beide Geräte zusammen kosten 120.000 Euro. © Sebastian Schultz

Auch die Risiken der neuen Technologie sind geringer als bei ihrem Vorgänger: Bei der sogenannten Radiofrequenzablation wurde Gewebe mit großer Hitze zerstört. "Da flossen hohe Ströme durch den Patienten", erklärt der Chefarzt.

 "Das gab ein Risiko von Verbrennungen an den Haut-Elektroden. Und bei Patienten mit Herzschrittmachern ging das ohnehin nicht." Darum freut sich der Chefarzt des Zentrums für Allgemein- und Viszeralchirurgie darüber, mit der neuen Technik im Gesamtwert von rund 120.000 Euro seine Operationsmöglichkeiten vergrößern zu können.

Im Einsatz ist sie vorrangig am Standort Riesa der Elblandkliniken. Allerdings lässt sich die Technik in stabilen Transportkoffern per Lkw auch nach Meißen fahren, wo Stöltzing ebenfalls operiert. Geeignet ist sie für Tumore an Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere. Dabei ist doch Riesa vor allem als Darmzentrum bekannt - wie passt das zusammen?  

"Etwa ein Viertel der Darmkrebspatienten entwickeln auch Lebermetastasen", erklärt der Chefarzt. Umgekehrt haben die meisten Lebertumore ihren Ursprung im Magen-Darm-Trakt. Deshalb habe man in dem Gebiet die Behandlungsmethoden verbessern wollen. Damit sei man nicht nur für die Behandlung von Darmkrebs gut aufgestellt, sondern auch für damit zusammenhängende Tumore.

Prof. Dr. Oliver Stöltzing ist Chefarzt des Zentrums für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Elblandkliniken und operiert in Riesa und Meißen.
Prof. Dr. Oliver Stöltzing ist Chefarzt des Zentrums für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Elblandkliniken und operiert in Riesa und Meißen. © Elblandkliniken

Bislang sind die nächsten zertifizierten Darmzentren nur in den Großstädten Dresden, Leipzig, Chemnitz. Schon länger bereite sich nun auch Riesa auf eine Zertifizierung bei der Deutschen Krebsgesellschaft vor. Seit zwei Jahren erfülle man die Anforderungen, etwa was die Zahl der Operationen, Chemotherapien, Endoskopien angehe - nun steht noch die eigentliche Zertifizierung aus.

Der Bedarf sei jedenfalls da. "Wir operieren Darmkrebs-Patienten aus dem ganzen Landkreis und Südbrandenburg." Die OP-Zahlen stiegen - einerseits wegen der älter werdenden Bevölkerung, andererseits wegen besserer Diagnostikmöglichkeiten und der guten Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und onkologischen Schwerpunktpraxen. "Die Hausärzte haben Vertrauen zu uns und überweisen mehr", sagt Stöltzing.

Die Krebs-Operationen liefen auch während der Covid-19-Pandemie weiter: Während sich der Standort Meißen auf die Corona-Patienten konzentrierte, wurden notwendige onkologische Behandlungen nach Riesa verlegt, das habe gut geklappt. Mittlerweile habe sich die Situation wieder eingespielt. Der Patient mit der Bauchspeicheldrüse auf dem OP-Tisch dürfte davon wenig mitbekommen. Er wird aber merken, dass von der OP nur sehr kleine Narben übrig bleiben.

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