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Riesa

Riesas Altkleidercontainer sind voller Müll

Aber auch anderswo werden die Behälter missbraucht. Dann müssen die Remondis-Mitarbeiter sortieren. Das kostet Zeit, die sie gerade in diesen Tagen nicht haben.

Remondis-Mitarbeiter Heiko Schubert hat den Altkleidercontainer hinterm Lidl im Stadtteil Weida geöffnet. Auch hier entdeckt er jede Menge Müll, der da nicht hinein gehört.
Remondis-Mitarbeiter Heiko Schubert hat den Altkleidercontainer hinterm Lidl im Stadtteil Weida geöffnet. Auch hier entdeckt er jede Menge Müll, der da nicht hinein gehört. © Sebastian Schultz

Riesa. So ein Altkleidercontainer ist eine Offenbarung. Dann sehen die Mitarbeiter von Remondis, in welchen Orten es die Leute nicht so genau mit der Mülltrennung nehmen. In Riesa scheint es wohl mehrere davon zu geben. Denn wirklich überrascht sind die Müllfahrer nicht, wenn sie hier aller zwei Wochen auf Altkleider-Tour gehen und die insgesamt 48 Container im Stadtgebiet öffnen. 

Die SZ ist dabei, als Remondis-Mitarbeiter Heiko Schubert den Behälter hinterm Lidl-Markt in Weida aufschließt. Sofort springt ihm etwas ins Auge, was nicht in die Altkleidersammlung gehört: eine schwarz-gelbe Flagge des BVB Borussia Dortmund. Sie ist vollkommen in Ordnung. Sogar der Holzstab ist noch dran. Doch gerade der hat hier nichts zu suchen. Ebenso wenig wie das Bündel Kaufland-Werbung, das hier jemand entsorgt hat.

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Schubert holt einen Plastiksack nach dem anderen aus dem Container. In jeden schaut er sicherheitshalber hinein. Denn nicht immer sind dort Kleidungsstücke oder Schuhe drin, so wie es eigentlich draußen dran steht. Er öffnet einen weißen Plastebeutel. Darin befindet sich lauter Müll. Das ärgert Schubert und seine Kollegen sehr. 

"Wenn sich alle daran halten würden, was hier hinein darf und was nicht, würden wir unsere Arbeit viel schneller erledigen können", sagt der erfahrene Müllfahrer. In Göhlis habe er mal einen Altkleidercontainer mit 22 Säcken drin vorgefunden. Aber alle waren vorbildlich mit Kleidern gefüllt. Er vermutet, dass sie aus einer Haushaltsauflösung stammten. "Nach sieben Minuten war alles erledigt und ich konnte weiterfahren", erzählt Schubert. Doch wenn er und seine Kollegen erst noch sortieren müssen, dauert es eine halbe Stunde und länger.

Und was sie da alles rausholen! Es ist kaum zu glauben. Radios, kleine Fernseher, Koffer, Fleischklopfer etc. Die Palette der kuriosen Containerinhalte ist lang. Ein verrückter Fund liegt sogar noch auf der Ladefläche. Es ist eine mittelgroße Kühlschranktür. Die hat Schubert zuvor aus dem Altkleidercontainer auf der Bahnhofstraße  herausgeholt.

"Aber was mich am meisten aufregt, sind die gelben Säcke", sagt er. Leute haben ihn schon oft angesprochen, dass sie nichts taugen und leicht zerreißen. Dann entgegnet er immer: "Es ist richtig, dass sie leicht reißen, denn sie sind ja auch nur für den leichten Plastemüll gemacht und nicht für die Altkleidersammlung."

Schmutzige Wäsche will keiner haben

Schuhe sind auch ein Ärgernis. Sie sollen paarweise zusammengeschnürt werden. "Wenn sie es nicht sind, schmeißen wir sie in den Müll", so Schubert. Auch Federbetten sind erlaubt. Aber sie sollten sauber sein. "Verschmutzte Arbeitswäsche will auch keiner haben", sagt Schubert und zeigt eine Plastetüte mit einer roten Arbeitshose. "Das sieht nach Deutscher Bahn aus."  

Bei der Gelegenheit richtet er eine Bitte an die SZ-Leser: "Die Leute sollten sich Mühe geben, die Tüten ordentlich zuzubinden!"   

Normalerweise sind die Behälter halbvoll. Aber wenn Personalmangel herrscht, sei es durch Grippe oder Urlaub, dann haben der Müll und die Biotonne Vorrang. Die Altkleidercontainer werden dann seltener gelehrt. 

In den gerade Kalenderwochen steuern die Remondis-Fahrer die Städte Riesa und Großenhain an. In den ungeraden die Dörfer. Deshalb kann er auch ganz gut das Wegwerfverhalten in beiden Städten vergleichen. "In Großenhain schmeißen die Leute mehr weg als in Riesa", schätzt er ein. Warum das so ist, kann er sich nicht erklären. "Vielleicht sind die Großenhainer reicher", sagt er schmunzelnd. Es könnte aber auch sein, dass sie sozialer eingestellt sind und verwertbare Sachen eher in die Altkleidersammlung geben und erst, wenn sie abgetragen sind. 

Auf dem Remondis-Lkw gibt es extra einen 1.100-Liter-Müllcontainer, wo das Zeug, das nicht in die Altkleidersammlung gehört, hineinkommt. Oft ist er prallvoll. Wie auch dieses Mal.
Auf dem Remondis-Lkw gibt es extra einen 1.100-Liter-Müllcontainer, wo das Zeug, das nicht in die Altkleidersammlung gehört, hineinkommt. Oft ist er prallvoll. Wie auch dieses Mal. © Sebastian Schultz

Und auch bei den Standplätzen für alle Container sei Großenhain der Vorreiter. Erst vor Kurzem wurde ein weiterer Standplatz gepflastert. Weida sei dagegen einer der schlechtesten Standorte für Müllbehälter im gesamten Bearbeitungsgebiet von Remondis Quersa. Die Container stehen auf der Wiese. Wenn es regnet, ist das Entleeren eine Sauerei. Erst recht, wenn die Müllmänner deren Inhalt sortieren müssen.

Erfahrungsgemäß sind etwa ein Viertel des Inhaltes der Altkleidersammlung Müll, der da nicht hinein gehört. In Quersa werden die Tüten noch einmal geöffnet und von Hand sortiert, ehe die verwertbaren Kleider, Betten und Schuhe an den Abnehmer, die Soex Collecting Germany in Wolfen (Sachsen-Anhalt), weitergegeben werden.   

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