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Der Riese wird 15

Gunter Spies und das Riesaer Stadtmaskottchen auseinanderzuhalten, fällt vielen schwer. Kein Wunder.

15 Jahre liegen dazwischen: Gunter Spies auf seinem ersten Foto als Riesaer Riese (l.) und heute. Der 54-Jährige arbeitet als Braumeister im Riesaer Hammerbräu – im Riesenhügel.
15 Jahre liegen dazwischen: Gunter Spies auf seinem ersten Foto als Riesaer Riese (l.) und heute. Der 54-Jährige arbeitet als Braumeister im Riesaer Hammerbräu – im Riesenhügel. © Sebastian Schultz

Riesa. Ist das wirklich wahr? Gunter Spies verkörpert erst seit 15 Jahren das Riesaer Stadtmaskottchen? Durch seine öffentliche Präsenz hat man den Eindruck, der Braumeister aus dem Hammerbräu wäre irgendwie schon immer der Riesaer Riese gewesen. Und der gebürtige Sauerländer tut ja auch einiges dafür: 879 Punkte umfasst die Liste seiner Auftritte als Riese aktuell. Der jüngste Eintrag stammt vom Sonntag, da war er samt Perücke, Wildlederanzug, Keule und Stiefeln beim Festumzug zum Tag der Sachsen dabei.

Der vom MDR zwei Stunden lang übertragene Tag-der-Sachsen-Höhepunkt verschaffte dem Maskottchen auch wieder einige zusätzliche Berühmtheit, die Gunter Spies gern in Zahlen fasst. „Ich habe mich gleich nach den Einschaltquoten beim MDR erkundigt: 179 000 Zuschauer hatte der Festumzug im Fernsehen“, sagt der Braumeister. Die Zahl addiert er flink zu den Zuschauern all seiner anderen Auftritte – und kommt damit auf einen Wert von mehr als sieben Millionen Menschen, die in irgendeiner Weise Gunter Spies als Riesaer Stadtmaskottchen wahrgenommen haben. „Exakt sind es 7 908 051 Leute, die von mir Kenntnis genommen haben“, sagt Spies. Ob er bei einem runden Geburtstag auftritt, eine Stadtführung hält oder ein Riesen-Mahl im Hammerbräu ausrichtet: Immer fragt der 54-Jährige nach der Teilnehmerzahl und notiert sie gewissenhaft.

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Und tatsächlich ist es ja auch die Aufgabe eines Maskottchens, Markenzeichen für eine Stadt, ein Produkt oder ein Fest zu sein. Und da stellte sich im Vorfeld des Tags der Sachsen gar nicht erst die Frage, mit welcher Figur Riesa an den Start gehen sollte. Während anderswo Bären, Türme oder Weltkugeln mehr oder unbeholfen durchs Gedränge stapfen, braucht Riesa keine Aushilfskräfte, die sich dicke Kostüme überstülpen. Hier erledigt Gunter Spies den Job. Ehrenamtlich. „Wenn ich zu Auftritten in ganz Sachsen fahre, zahle ich auch das Benzin selbst.“

1999, beim ersten Tag der Sachsen in Riesa, war Gunter Spies noch nicht der Riesaer Riese. Damals warben unter OB Wolfram Köhler die drei Affen für Riesa. Motto: Hören, Sehen, Weitersagen. Da sollte es noch fünf Jahre dauern, bis Gunter Spies seinen ersten Auftritt als Riese hatte. 2004 war es, als es darum ging, ein neues Riesen-Bier im Siphon zu vermarkten. Das Riesenkostüm fand sich von Spies’ Vorgängern im Museum, beim Fotograf Edgar Schröter sollte das Foto entstehen. „Der fragte mich im Atelier, ob ich mich in der Montur auch raus auf die Straße traue“, erinnert sich Spies. Er traute sich. Uns so entstanden im September 2004 die ersten Fotos von ihm als Riesaer Riese, vor dem unverwechselbaren Zunftbaum aufgenommen.

Vergleicht man das Bild, ist auf den ersten Blick kaum ein Unterschied zum Riesen heute zu sehen. Von der Bartfarbe mal abgesehen, die heute deutlich heller ist. „Aber original von damals sind nur noch die Perücke und die obere Hälfte der Keule“, sagt Spies. Die Wildledersachen mussten durch die häufige Nutzung längst erneuert werden. Die untere Hälfte der Riesenkeule fristet wohl ein Dasein in einem Depot im Londoner Flughafen Heathrow – denn dort war die Keule auf dem Weg zu einem Riesen-Auftritt in der Riesaer Partnerstadt Rotherham kaputt- und anschließend eine Hälfte verloren gegangen.

Ohnehin ist Spies weniger ein Mann der Luftfahrt, als einer des Meeres. Jahrelang fuhr er mit der Marine zur See und diente im Flottenkommando, bevor die Bundeswehr nach 1990 zusammengestrichen wurde. Der Ex-Soldat machte eine Umschulung, bildete sich zum Braumeister weiter – und setzte sich bei einer Ausschreibung für die damals noch zu gründende Gasthaus-Brauerei in Riesa durch.

Heute hat Spies, der in einem knappen Dutzend Vereinen aktiv ist, acht Ordner mit Pressemitteilungen über sich gesammelt, zudem unzählige gerahmte Bilder. Der Vater eines erwachsenen Sohnes erforscht die Geschichte des Riesaer Riesen, dessen Figur einst der Riesaer Günter Scheiblich über Jahrzehnte am Leben hielt. Und Spies freut sich, dass die neue Skulptur im Krankenhaus-Kreisel drei Riesen zeigt. „Der Riese beflügelt noch heute die Fantasie“, sagt er. Sein Motto: „Wachse über dich hinaus, dann kannst du was bewirken!“

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