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Riesenantenne sendet kurz Radio Moldau

Das tschechische Programm wurde über eine andere Anlage abgestrahlt. Da sind sich Wilsdruffer Radioexperten sicher.

Radio Moldau wurde offenbar von einer 20-KW-Flächenantenne gesendet.
Radio Moldau wurde offenbar von einer 20-KW-Flächenantenne gesendet. © Freund/Arthur-Kühne-Verein

Die Zukunft der Wilsdruffer Riesenantenne und des früheren Dresdner Funkamtes beschäftigt auch Hajo Böhme. Der ehemalige Leiter des Funkamtes Wilsdruff ist wie so viele Wilsdruffer und Dresdner für deren Erhalt. Böhme beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Geschichte der Sendeanlage und arbeitet an einer umfangreichen Dokumentation zum Standort Wilsdruff, die er noch in diesem Jahr herausbringen möchte. „In diesem Zusammenhang habe ich umfangreiche Recherchen angestellt und historische Dokumente und Fotos beschafft, Zeitzeugen befragt und vor Ort Aufnahmen gemacht“, so Böhme. Er hat sich auch mit der Geschichte von Radio Vltava, zu deutsch Radio Moldau, befasst.

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Nicht jeder möchte den Erhalt der Riesenantenne. Die Gründe dafür liegen mitunter in der Vergangenheit.

Auch Wolfgang Lill, Mitarbeiter der Internetplattform radiomuseum.org, hat dazu geforscht. Radio Moldau wurde 1968 von der SED-Führung gegründet, um die Gegenkräfte der tschechischen Reformbewegung 1968/1969 zu unterstützen. Das Programm wurde zwischen August 1968 und Februar 1969 aber nur für eine sehr kurze Zeit über die Riesenantenne gesendet, sagt Lill mit Hinweis auf einen SZ-Artikel vom 17. Mai. Abgestrahlt wurde dieses Programm vielmehr auf 1 430 Kilohertz über die Frequenz von „Radio Berlin international“. Dazu wurde die 20 KW starke Flächenantenne genutzt, die es nach Meinung von Experten nicht mehr gibt. Über die Riesenantenne wurde auf 1 043 Kilohertz mit 250 KW das Programm „Radio DDR 1“ gesendet. Nur kurzzeitig musste es Radio Moldau weichen. Vielleicht waren es zwei Stunden, sagt Lill. „Vermutlich wurde die eigenmächtige Entscheidung von einem Übereifrigen getroffen.“ Jedenfalls sei das Programm schnell wieder auf 1 430 Kilohertz zurückgeführt worden, genaueres müsste noch nachgeprüft werden. „Ich kann mir auch vorstellen, das Radio DDR 1 auf 1 430 Kilohertz nicht gewünscht war, weil daneben die Sender Saarbrücken mit dem Programm Europawelle Saar und Radio Luxemburg sendeten und damit schnell mal von Radio DDR auf die Sender gerutscht werden konnte“, so Lill.

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