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Zittau

Einfamilienhäuser begehrt und teuer wie nie

Niedrigzinsen und der Zuwachs junger Familien befeuern den Bauboom in Löbau und Zittau - aber wo Grundstücke fehlen, ist auch Altbewährtes wieder schwer gefragt.

Weil Bauland rar ist, sind auch alte DDR-Einfamilienhäuser stark gefragt, weiß die Löbauer Immobilienmaklerin Elvira Juhl.
Weil Bauland rar ist, sind auch alte DDR-Einfamilienhäuser stark gefragt, weiß die Löbauer Immobilienmaklerin Elvira Juhl. © Rafael Sampedro/SZ Montage

Der Traum vom Wohnen im Eigenheim hat für viele Menschen immer noch den gleichen Namen wie zu ihrer Elterngeneration: "EW 65 B". Neun auf 8,50 Meter Grundfläche, 115 Quadratmeter Wohnraum - so ging individuelles Wohnen in der DDR. Während Großplatten allerorten rückgebaut werden, hat der Eigenheimtyp "EW 65 B" die DDR nicht nur um Jahrzehnte überdauert - sondern ist gefragt wie nie. Und überhaupt: Einfamilienhäuser sind für Eigentümer und Makler im Südkreis derzeit wahrer Goldstaub.

Für viele ihrer Kunden hat die Löbauer Immobilienmaklerin Elvira Juhl von der Volksbanktochter "Juhl Immobilien" oft nur die Antwort: "Leider nein." Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern kann sie kaum bedienen. "Wir haben kaum etwas im Angebot", beschreibt sie die Folgen eines seit mehreren Jahren anhaltenden Trends. "Menschen mit Kindern suchen etwas ein bisschen im Grünen, mit Garten", sagt sie. Zinstief und Baukindergeld würden diese Tendenz noch befeuern. Viele wollen sich ein eigenes Haus bauen - doch Baugrund ist rar.

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Unzufrieden mit der Baubehörde

"Es gibt quasi überhaupt kein Bauland", sagt Elvira Juhl. Und wenn, gebe es oft Probleme mit dem Landratsamt. "Bei Bauvoranfragen gibt's lange Bearbeitungszeiten und oft eine Ablehnung, obwohl die jeweiligen Gemeinden ein Bauvorhaben begrüßen würden", schildert sie und ist sauer auf die Behörde. "Wenn es Menschen gibt, die hierbleiben und hier bauen wollen, warum unterstützt man das nicht?", fragt sie. In dieser Situation suchen viele junge Menschen eben nach einer Bestandsimmobilie - etwa jenem "EW 65 B". "Es gibt viele davon, aber kaum welche auf dem Markt", sagt Juhl. Und diese Häuschen haben sich als lohnende Investition erwiesen. "Damals nach der Wende kostete so ein Haus 50.000 Mark, heute mindestens 50.000 Euro - unmodernisiert", weiß die Maklerin. Wenn in den letzten Jahren mal Fenster oder Heizung erneuert worden seien, läge der Mindestpreis sogar eher bei 100.000 Euro. Doch das schreckt niemanden - Hauptsache bezugsfertig. "Elternpaare, die sich ein Haus leisten können, sind meistens beide berufstätig und wollen nach der Arbeit nicht noch an ihrem Haus bauen", sagt Elvira Juhl. Früher in der DDR sei es dagegen völlig normal gewesen, drei Jahre lang an seinem Haus zu bauen.

Genau diesen Trend bestätigt hat auch Christine Runge, Geschäftsführerin der Zittauer Firma "Dr. Thomas Immobilien". "Viele Kunden kommen und sagen: ,Wir würden gerne ein Haus kaufen, an dem wir nicht mehr viel machen müssen'", erzählt sie. Und gerade dieser Wunsch erschwert es natürlich noch zusätzlich, überhaupt ein Einfamilienhaus zu finden. Der Markt sei leer gefegt, die Nachfrage übertreffe bei weitem das Angebot. "Wir verkaufen mehr, als wir wieder als Angebote hereinbekommen", sagt Runge. Zum einen begünstige die Niedrigzinsphase den Eigenheimerwerb. Als einen der Hauptgründe für diese Situation sieht sie eine sich langsam umkehrende Bevölkerungsentwicklung. "Früher in den 90er- und 2000er-Jahren sind hier Häuser verkauft worden, weil die Eigentümer weggezogen sind oder ältere Eigentümer niemanden gefunden haben, der die Immobilie übernehmen wollte", sagt Christine Runge. Das habe sich nun geändert. "Es gibt Rückkehrer und auch Menschen, die hierherkommen, weil es so schön ist. Dafür sind die Oberlausitzer manchmal etwas betriebsblind", so die Maklerin.

Geringes Angebot treibt die Preise

Diese Entwicklung ist freilich auch ein Preistreiber. "Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis", sagt Christine Runge. Der Preis für Einfamilienhäuser sei in den letzten Jahren um gut 50 Prozent gestiegen. Auf dem Niveau mancher Regionen Westdeutschlands sei man hier aber noch nicht im entferntesten angekommen. "Neulich hatte ich einen Kunden, der gesagt hat: ,Ich biete für ein Einfamilienhaus hier einen Preis, zu dem ich in Nürnberg nicht einmal eine Garage bauen könnte,.'" erzählt sie. In einigen Zittauer Lagen seien trotz großer Nachfrage - und eventuell der Bereitschaft, entsprechend dafür zu zahlen - quasi keine Immobilien zu bekommen. "Wo ich jahrelang kein Haus zum Verkauf gesehen habe, ist etwa die Weinau oder das Westparkviertel", sagt Runge.

Neue Einfamilienhäuser in wenigstens einer dieser begehrten Lagen hat der Leipziger Unternehmer Patrick Urban zu bieten. Mit seiner Firma "Immo-Manufaktur" baut er auf dem gut 7.500 Quadratmeter großen Areal an der Weststraße/Ecke Peschekstraße zwölf bis 15 Häuser nach Kundenwunsch. Einige der 560 bis 1.000 Quadratmeter großen Parzellen seien noch zu haben, sagt er und bezeichnet die Lage für Interessenten als "Lottogewinn": "Hier hat man mit dem Westpark Naherholung und kommt leicht fußläufig oder mit dem Fahrrad in die Stadt", sagt er. Schlüsselfertig stehe ein Haus dort dann für durchschnittlich 250.000 bis 300.000 Euro - je nach den Ansprüchen des Kunden könnte es aber auch teurer werden. Trotz hoher Preise spreche viel für den Kauf eines Eigenheims. "Mit den Löhnen sind hier auch die Mieten gestiegen. Dann fangen die Menschen einfach an zu rechnen, ab wann es sich lohnt, Eigentum zu erwerben - auch als Alterssicherung", sagt Urban. Ansonsten seien in Zittau derzeit kaum Bauplätze zu bekommen. "Die Nachfrage ist gestiegen, das Bauland aber begrenzt"", weiß Urban. Das zeige auch die Preisentwicklung. Vor zehn Jahren habe der Quadratmeter Bauland in Zittau noch 35 Euro gekostet, mittlerweile seien es 50 bis 100 Euro.

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