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Rückkehr einer Siegerin

Heike Beier gehörte zu Dresdens besten Volleyballerinnen, hatte große Erfolge im Ausland, jetzt kehrt sie zurück. Und hat große Pläne

Heike Beier hat Sportwissenschaft auf Italienisch studiert. Nun will sie sich um die Problemzonen anderer Menschen kümmern.
Heike Beier hat Sportwissenschaft auf Italienisch studiert. Nun will sie sich um die Problemzonen anderer Menschen kümmern. © dpa/Robert Michael

Der rote Pkw erinnert noch an ihre Wahlheimat und eine schmerzhafte Trennung. Am Wagen von Heike Beier hängen noch die italienischen Nummernschilder. Obwohl die 35-Jährige bereits seit gut sechs Wochen in jener Stadt ist, die sie inniglich „meine Heimat“ nennt. Dabei war sie, bis auf gelegentliche Ausnahmen für Besuche, zwölf Jahre lang nicht in Dresden.

Heike Beier, 229-fache deutsche Volleyball-Nationalspielerin, ist 2008 in die Welt ausgezogen, um als Profi voranzukommen, sich als Mensch weiterzubilden – und sicher auch Geld zu verdienen. Sieben Vereinsstationen in drei Ländern und zahlreiche Erfolge später ist sie wieder daheim – und mithin im normalen Berufsalltag.

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Die Vize-Europameisterin von 2013 hat nach der polnischen Vizemeisterschaft mit Lodz 2017 leise ihre Karriere beendet. Dabei sieht die Ex-Angreiferin noch immer so aus, als könne sie mindestens jedem Bundesligisten weiterhelfen. „Ich fühle mich wie 29. Während meiner aktiven Karriere habe ich immer auf Regenerationsphasen geachtet. Ich war wohl überall diejenige, die am wenigsten zur Physio musste“, sagt sie. Dabei haben ihr 2013 drei Bandscheibenvorfälle schwer zu schaffen gemacht. „Danach habe ich gelernt, damit umzugehen, was Prävention und Regeneration betrifft. Da hat sich das Interesse und mein Berufsbild herauskristallisiert“.

Die 1,84 Meter große Frau ist nun Sportwissenschaftlerin, ihren Bachelor hat sie in Italien gemacht – in italienischer Sprache. „Ich habe mir das eigentlich nie zugetraut“. Bis sie sich ins kalte Wasser stürzte. Dreieinhalb Jahre später „war ich eine der wenigen, die mit einer sehr guten Note abgeschlossen haben“, erklärt sie stolz.

Sie wollte in Italien arbeiten, glücklich sein – mit ihrem langjährigen Lebenspartner Fabio. Fünf Jahre hatte das Paar eine Fernbeziehung geführt, dann nach Beiers Karriere-Ende endlich gemeinsam gewohnt – im wunderbar behaglichen Piemonte. „Ich hatte das Gefühl, es wäre Zeit für Familiengründung“, sagt Beier.

Kein Typ für halbe Sachen

Dann schlich sich dieses seltsame Gefühl ein. „Wir haben erstmals so eng beieinander gewohnt, es gab schöne Momente. Ich habe aber gemerkt, dass ich mich nicht entwickeln kann und wir beide vielleicht nicht gemeinsam in die richtige Richtung gehen“, sagt sie. Die frühere Leistungssportlerin war schon in ihrer Zeit beim DSC von 2001 bis 2007 kein Typ für halbe Sachen. Beier trennte sich von Fabio, kehrte Italien den Rücken. Emotional berührt sie das noch immer. „Jetzt bin ich zurückgekommen in die Stadt, die ich liebe – ich hatte sofort das Gefühl, ich komme nach Hause“. Ihr Hund Itoh ist dabei – doch das Privatleben steht derzeit hintenan.

Beier muss ihren Lebensunterhalt verdienen, obgleich sie während ihrer Profizeit etwas angespart hat und in Italien noch eine Wohnung unterhält, die sie untervermietet hat. Die gebürtige Berlinerin, die im kleinen brandenburgischen Örtchen Hosena aufwuchs, kam mit einem klaren Plan zurück: Sich als Personal Trainerin um die körperlichen Probleme anderer Menschen zu kümmern. „Ich sehe mich nicht so als Personaltrainerin, ich tue eher etwas für die Gesundheit. Aber es gibt keinen passenderen Begriff“, sagt sie.

Aber warum tut man sich diese Hilfe zur Selbsthilfe eigentlich an? Beier muss herzlich lachen. „Meine Passion ist: Ich sehe die Leute und kann analysieren, wie es ihnen geht“, sagt sie. „Nach den 45 Minuten bei mir kann ich das wiederholen und habe die Bestätigung nicht nur wörtlich, sondern auch visuell, dass es dem Körper meines Klienten besser geht. Das ist meine Befriedigung““, sagt sie. Aus Beier sprudeln die wissenschaftlichen Erkenntnisse förmlich heraus. Auch der Autor dieses Textes bekommt sein Fett weg. „Du kaust Kaugummi. Das Kauen produziert Speichel, der wiederum signalisiert dem Magen, dass etwas verdaut werden soll. Das heißt, dein Magen arbeitet, er wartet, dass da etwas nachkommt“. Na toll, so ahnungslos belügt man seinen Körper.

Aus 16 mach eins

Beier ist Perfektionistin. Darauf lässt die ausgeklügelte Suche nach dem idealen Zentrum für ihren Job schließen. Im Internet filterte sie jene Dresdner Hotels heraus, die Fitnessräume anbieten. „Die 16 interessantesten habe ich mir rausgesucht und bin hingegangen“, erzählt sie. Dann verteilte sie Noten für Atmosphäre und Bedingungen. Vier Hotels kamen in die engere Wahl, für das Innside Hotel in der Nähe der Frauenkirche entschied sie sich.

Dort mietete sie sich ein, kann ihre Klienten im kleinen, aber gut aufgestellten Fitnessraum bearbeiten, macht aber auch Hausbesuche. Knapp zehn feste Kunden betreut die Ex-Volleyballerin, Tendenz steigend, ihr Angebot ist aber nicht ganz billig. Beiers Grundanliegen mag da für sich sprechen: „Ich stehe nicht auf größer, breiter, stärker. Sondern auf persönlich, individuell und gesund.“

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