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Warum Investor Saal doch in Dresden bleibt

Nach einem Gespräch mit dem Baubürgermeister scheint der Bauherr besänftigt zu sein. Den Herzogin Garten will er trotzdem verkaufen.

Anstelle des Glaspavillons an der Ostra-Allee will Investor Reinhard Saal einen Neubau errichten. Doch der Denkmalschutz hat Bedenken.
Anstelle des Glaspavillons an der Ostra-Allee will Investor Reinhard Saal einen Neubau errichten. Doch der Denkmalschutz hat Bedenken. © Sven Ellger, Ronald Bonß, Montage: SZ

Die schmiedeeisernen Tore zu der Herzogin Garten sind fest verschlossen. Dabei scheint der Park an der Ostra-Allee bereit zu sein für die ersten Besucher: Entlang der Wege sind Bänke aufgestellt worden, die Rabatten sind bepflanzt, der Rasen grünt. Noch bevor der Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, könnte er allerdings den Besitzer wechseln. Investor Reinhard Saal will ihn verkaufen, für einen Euro.

Inzwischen gibt es mehrere Interessenten, sagte Saal am Donnerstag der Sächsischen Zeitung. Er wolle sich die Bewerber nun ganz genau anschauen. Immerhin übernehme der Käufer eine große Verantwortung. „Das ist nicht irgendein Park“, so der Investor. 

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Es gehe um 6.500 Quadratmeter. Dort sind rund 100.000 Pflanzen in die Erde gebracht worden. Diese müssten gehegt und gepflegt werden, vor allem in den ersten Jahren, da sie noch sehr klein seien. „Ich werde immer danach gucken.“

Die Kritik von Linke-Stadtrat Tilo Wirtz weist Saal zurück. Wirtz hatte von einem „vergifteten Geschenk gesprochen, sollte die Stadt selbst das Ein-Euro-Angebot annehmen. Der Erwerb der Grünanlage wäre für Dresden kein Vorteil. Denn man übernehme nicht nur den schönen Park zu einem Schnäppchenpreis, sondern auch den Aufwand, ihn zu bewirtschaften.

Die Stadt würde Saal aus seiner Verpflichtung entlassen, die er eingegangen sei, nämlich den Park auf seine Kosten anzulegen, zu unterhalten und tagsüber als öffentliche Grünanlage für die Bevölkerung offen zu halten. Nach der Privatisierung der Gewinne folge die Sozialisierung des Aufwandes, so Wirtz.

Von einem „vergifteten Geschenk“ könne keine Rede sein, entgegnet Saal. Natürlich müssten der Rasen gemäht und das Unkraut gejätet werden. Doch seien die Bodendecker einmal gewachsen, sprieße auch weniger Unkraut.

Vor allem die ersten zwei Jahre seien pflegeintensiv. Saal spricht von einem „fantastischen Park“, der hier entstanden sei, nach dem Vorbild des alten Gartens, der dort im 16. Jahrhundert angelegt wurde und später Teil einer Orangerie August des Starken wurde.

Saal will Dresden nicht verlassen

Zu seinen Verkaufsmotiven hatte sich Saal bereits in den vergangenen Wochen ausführlich geäußert. Er wolle sich aus Dresden zurückziehen, hatte er mehrfach erklärt. Seine Enttäuschung darüber, dass er ein Objekt gegenüber der Herzogin Garten nicht bauen darf, war groß. Anstelle des Glaspavillons an der Ostra-Allee wollte er dort einen viergeschossigen Neubau mit Wohnungen und einem Café im Erdgeschoss errichten.

Doch das Landesamt für Denkmalpflege erklärte, dass dies eine schützenswerte Fläche sei, die nicht so hoch bebaut werden dürfe. Er wolle dahin zurückgehen, wo man sein Engagement schätze, sagte Saal schließlich. In Herzogswalde bei Wilsdruff, wo er neben Wohnhäusern auch einen Golfplatz gebaut hat, wolle er investieren.

Betreten verboten - noch! Bald öffnen sich die Tore im Herzogin Garten.
Betreten verboten - noch! Bald öffnen sich die Tore im Herzogin Garten. © Sven Ellger

Inzwischen hat der Ärger nachgelassen. Am Donnerstag haben sich Saal und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) getroffen, um über die Ecke am Zwingerteich zu sprechen. „Das war ein sehr gutes und konstruktives Gespräch“, so Saal. Er sei sehr zufrieden. Die Stadt habe Verständnis für seinen Ärger gezeigt und Hilfe versprochen, ohne Versprechungen zu machen. Aber man wolle für die Pavillon-Ecke Lösungen prüfen, so Saal. „So stelle ich mir ein partnerschaftliches Verhältnis vor.“

Zwar will Saal den Park weiterhin verkaufen, sagte er am Donnerstag. Die Laubegaster Werft und den modernen Wohnblock hinter der Herzogin Garten hat er bereits veräußert. Und für mehrere Wohnungen und Gewerbeeinheiten in der Orangerie werden noch Käufer gesucht. Preis: ab 495 000 Euro, ist auf einem Werbeschild zu lesen. Allerdings spricht Reinhard Saal mittlerweile nicht mehr davon, Dresden zu verlassen. „Ja, ich hätte mir solch ein Gespräch früher gewünscht.“

Garten wird für alle zugänglich

Für Stadtrat Tilo Wirtz scheint es nicht aus denkmalpflegerischer Sicht zweifelhaft, ob die Pavillon-Ecke später einmal mit einem Wohn- und Geschäftshaus bebaut wird, sondern eher aus planungsrechtlichen Gesichtspunkten. Die Fläche sei derzeit der kulturellen Nutzung vorbehalten und Wohnen nicht etabliert.

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Deshalb könne eine Baugenehmigung, bei der geprüft wird, ob sich der Neubau in Form und Nutzung in die Umgebung einfügt, wahrscheinlich nicht erteilt werden. „Der richtige Weg wäre ein (vorhabenbezogener) Bebauungsplan, bei dessen Erstellung auch Konflikte hinsichtlich der Belange der Denkmalpflege oder auch aus dem Betrieb der Theaterwerkstätten erkannt und bewältigt werden könnten“, so Wirtz.

Der Herzogin Garten soll spätestens Mitte August öffnen, sagt der Investor. Laut Stadtverwaltung wird er von Mai bis September von 8 bis 19 Uhr und von Oktober bis April von 9 bis 17 Uhr begehbar sein.

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