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Jäger pflanzen Hecken fürs Rotwild

In Altenberg ist es zu einer ungewöhnlichen Allianz gekommen. Diese möchte den Lebensraum von Wildtieren und Insekten vergrößern.

Denny Werner vom Forstbezirk, Dr. Sven Irrgang, Chef des Forstbezirkes, Jungjägerin Romy Lehmann, Norman Moucha, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, und Silvio Kästner, Chef der Jagdpächter Altenberg, (v.li.) auf der Wiese, die mit Hecken bepflanzt wurde.
Denny Werner vom Forstbezirk, Dr. Sven Irrgang, Chef des Forstbezirkes, Jungjägerin Romy Lehmann, Norman Moucha, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, und Silvio Kästner, Chef der Jagdpächter Altenberg, (v.li.) auf der Wiese, die mit Hecken bepflanzt wurde. © Karl-Ludwig Oberthuer

Sven Irrgang ist zufrieden. Dem Chef des Forstbezirkes Bärenfels ist etwas Seltenes gelungen. Der promovierte Forstmann konnte eine ungewöhnliche Allianz im Osterzgebirge bilden: Jäger, Naturschützer, Forstleute, Wald- und Wiesenbesitzer haben sich zusammengetan, um den Lebensraum des Rotwilds zu vergrößern. Oft gelinge so eine Kooperation nicht. "Jeder Landnutzer hat seine eigenen Interessensphären und seine Belange, die er vertritt", sagt Irrgang. Diese Interessen können gegensätzlich sein. Im Osterzgebirge sei es gelungen, das Gemeinsame herauszuarbeiten und zu kooperieren. Das Ergebnis stellte er zusammen mit seinen Mitstreitern vor.

Es ist eine 0,2 Hektar große Wiese, die sich zwischen Hirschsprung und dem Geisingberg befindet und auf der 400 Sträucher verschiedener Arten angepflanzt wurden, vom Wacholder über Haselnusssträucher bis zur Schlehe. Geschaffen wurde die Heckenlandschaft von den Mitgliedern der Hegegemeinschaft Osterzgebirge im April und das in mehreren Arbeitseinsätzen, berichtet Norman Moucha. Er steht der Hegegemeinschaft vor, in der sich Jäger und Landeigentümer zusammengeschlossen haben. 

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Mit diesem Vorhaben wollten die Jäger auch das Bild, das viele von ihnen haben, geraderücken. Sie seien nicht nur die, die in den Wald gehen, um Tiere zu erlegen. „Der Jäger hegt und schützt das Wild", sagt Moucha. Dafür habe man auch investiert. Für den Zaun und die Sträucher haben die Jagdpächter rund 1.600 Euro aufgebracht. Den Zaunbau und das Anpflanzen haben die Jäger unentgeltlich erbracht.

In naher Zukunft soll die mit Hecken bepflanzte Fläche Großsäugern wie dem einheimischen Rotwild Nahrung und Schutz bieten. Die Jäger und Forstwirte hoffen, dass die Tiere über diese Heckenlandschaft ungestört auf die Wiesen unterhalb des Geisingberges gelangen können, um dort zu grasen. 

Das würde dem Wald gut tun, der damit nicht mehr die einzige, sichere Nahrungsquelle der Tiere wäre, so Irrgang. Weil man beim Forstbezirk davon ausgeht, dass die Tiere das Angebot annehmen werden, soll schon im nächsten Jahr eine weitere, noch größere Heckenlandschaft geschaffen werden. Diese liegt in Sichtweite der jetzigen Fläche, ist etwa einen halben Hektar groß und führt bis zur Bärensteiner Straße. 

Modell soll Schule machen

Doch nicht nur das Rotwild soll die Heckenlandschaft als Lebensraum nutzen, sondern auch bedrohte Vogelarten wie der Neuntöter, der in den Sträuchern Nester bauen kann. Und da die Gehölze zu unterschiedlichen Zeiten blühen, werden diese für zahlreiche Insekten Nahrung bieten. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Naturschützer an dem Projekt beteiligt haben, erklärt Moucha.

Der Altenberger hat einen Wunsch: "Wir hoffen, dass dieses Projekt in die Fläche gezogen werden kann und dass wir dafür die entsprechende politische und somit finanzielle Unterstützung finden." Das sieht auch Sven Irrgang so. Gern würde er mehr Hecken pflanzen. Das Problem: Der Forst hat nur ganz wenige waldfreie Flächen, da er, wie der Name schon sagt, den Staatswald bewirtet. Deshalb sind Kooperationen mit anderen Flächeneigentümern, wie sie im Osterzgebirge zustande gekommen sind, der richtige Weg. "Das ist ein Modellprojekt. Wir hoffen, dass das Schule macht."

Die Wiese mit dem angepflanzten Gehölzen befindet sich in Sichtweite des Geisingbergs und unweit der Ortschaft Hirschsprung.
Die Wiese mit dem angepflanzten Gehölzen befindet sich in Sichtweite des Geisingbergs und unweit der Ortschaft Hirschsprung. © Karl-Ludwig Oberthuer

Kooperationsprojekt Heckenlandschaft

Das Vorhaben wurde vom Forstbezirk Bärenfels initiiert und fachlich begleitet. Die Flächen stellten der Verein Naturbewahrung Osterzgebirge und der Bergbausanierer LMBV zur Verfügung. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Hegegemeinschaft Osterzgebirge. Weitere Partner waren die Obere Jagdbehörde, die Untere Naturschutzbehörde und der Jagdverband Weißeritzkreis.

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