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Meißen

Schlägerei im Mietshaus

Ein Haus in Weinböhla gilt als sozialer Brennpunkt. Das erfährt der Geschädigte erst, nachdem er dort eingezogen ist.

Wie in dieser nachgestellten Szene regiert in einem Weinböhlaer Mietshaus das Faustrecht.
Wie in dieser nachgestellten Szene regiert in einem Weinböhlaer Mietshaus das Faustrecht. © Felix Renaud

Meißen. Wer eine Wohnung sucht, sollte nicht nur auf den Mietpreis achten, sondern sich vorher auch mit dem Umfeld ein wenig vertraut machen. 

Ein 41-jähriger Mann hat das wohl nicht getan, als er in Weinböhla in ein Mietshaus einzog. „Zuerst waren alle freundlich. Doch dann wurde es immer schlechter. Hätte ich gewusst, dass dieses Haus ein sozialer Brennpunkt ist, wäre ich dort nie eingezogen“, sagt er. Der Mann trinkt ganz im Gegensatz zu seinen Mitmietern keinen Alkohol. Bei den anderen dagegen fließt der Stoff regelmäßig und wohl auch nicht zu knapp. 

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

So war es auch an jenem Oktoberabend vorigen Jahres, als einer der Mieter an der Tür des Zeugen klingelte. Der öffnete und soll sofort drei Faustschläge mitten ins Gesicht bekommen haben. Der Mann zog sich einen Nasenbeinbruch und eine Schädelprellung zu, war vier Tage im Krankenhaus und zwei Wochen krankgeschrieben.

Der Täter sitzt nun wegen Körperverletzung vor Gericht. „Das stimmt alles vorne und hinten nicht“, sagt der 54-Jährige, nachdem die Anklageschrift verlesen wurde. Er habe den Mitbewohner fragen wollen, warum seine und dessen Freundin, die gemeinsam arbeiten, nicht miteinander auskommen. Der Zeuge habe „raus, raus, raus“ gebrüllt, nachdem er geklopft habe und ihn weggeschubst. „Da habe ich ihm eine gegeben“, sagt er. 

Er sei zuerst angegriffen worden. „Da wehre ich mich eben“, sagt der Mann. Immerhin gibt er zu, dass er mit der Faust geschlagen hat. Als er merkt, dass er nicht durchkommt, wird er bockig. „Es gibt keine Zeugen. Ich könnte auch sagen, dass ich überhaupt nichts gemacht habe“, behauptet er trotzig.

So einfach ist das nicht. Als die Polizei eintrifft, hat der Angeklagte noch Blut an der Hand. Gegenüber den Polizisten hatte er damals schon zugegeben, geschlagen zu haben. Die Polizei macht einen Atemalkoholtest. Der ergibt einen Wert von mehr als zwei Promille.

Da staunen selbst die erfahrenen Polizisten. „Das hat man ihm überhaupt nicht angemerkt. Er kam uns ganz klar vor“, sagt einer. Dies spricht freilich dafür, dass der Angeklagte ein Gewohnheitstrinker ist. Er streitet das ab. „Ich habe kein Alkoholproblem“, behauptet er. Allerdings wurde er schon einmal zu einer Geldstrafe verurteilt. Wegen Trunkenheit im Verkehr.

Es ist aber möglich, dass der Alkoholwert doch nicht so hoch war, wie der Atemalkohol aussagt. Denn dieser ist nicht sehr zuverlässig, deshalb auch nicht vor Gericht verwertbar, sondern nur die Ergebnisse von Blutalkoholkontrollen. Der Grund ist, dass der Alkoholwert im Rachenraum gemessen wird. Kurz nach dem Trinken ist dieser sehr hoch und deshalb manchmal höher als der tatsächliche Blutalkoholwert.

Alle Ausreden des Angeklagten helfen ihm nicht. So behauptet er, dass es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sei. Der Zeuge habe ihn als Trinker und Sozialschmarotzer beleidigt. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, berechtigt das nicht zu Faustschlägen und Verletzungen.

Das kostet ihn nun 1.050 Euro, denn er nimmt den Einspruch gegen den Strafbefehl, den er wegen dieser Tat erhalten hatte, zurück. Bei einer Verurteilung wäre er auch nicht besser gekommen, hätte aber noch die Urteilsgebühr zahlen müssen.

Der Angeklagte und der Geschädigte wohnen immer noch in dem gleichen Haus und gehen sich seitdem aus dem Wege, strafen sich mit gegenseitiger Missachtung.