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Warum will die Feuerwehr kleine Schläuche?

Die Kameraden der Feuerwehr Freitelsdorf haben eine Spendenaktion gestartet, um besondere C-Schläuche kaufen zu können. Zu welchem Zweck?

Bei den Löschangriff-Kreismeisterschaften in Strauch saßen alle Handgriffe der Freitelsdorfer Kameraden.
Bei den Löschangriff-Kreismeisterschaften in Strauch saßen alle Handgriffe der Freitelsdorfer Kameraden. © FFW Freitelsdorf

Freitelsdorf. Es gibt ein Wettrüsten in den Feuerwehren, von dem Außenstehende nichts bemerken. Damit sind nicht die Gerätehäuser und Einsatzfahrzeuge gemeint, die dank des Wahlkampfgeschenks der CDU-SPD-Landesregierung für jährlich 40 Millionen Euro sachsenweit gebaut bzw. angeschafft werden können. Nein, dieses Wettrüsten ist viel subtiler. Genauer gesagt ist es ein Wettkampfrüsten, das sich mehrere sportliche Feuerwehren des Landkreises Meißen seit längerem liefern.

Sie treffen sich einmal im Jahr zur Kreismeisterschaft im Löschangriff, die der Kreisfeuerwehrverband Meißen auf die Beine stellt. Zuletzt am 16. Juni im Großenhainer Ortsteil Strauch.

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Dort trat auch die Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Freitelsdorf an. Mit einer durchaus beachtlichen Zeit von 39,26 Sekunden wurde das Team um Mannschaftsleiter André Schöne immerhin Neunter. „Das ist die beste Zeit, die wir jemals gelaufen sind“, sagt er stolz. Doch er weiß, dass die schnellsten Feuerwehren im Landkreis nur 28 Sekunden dazu brauchen. „Aber wir sind auf Schlagdistanz zu ihnen“, so Schöne.

Zehn der 17 aktiven Freitelsdorfer Kameraden engagieren sich zusätzlich zu den Ausbildungs- und Einsatzstunden im Feuerwehrsport. „Da beim Löschangriff eine Mannschaft aus sieben Kameraden besteht, ist diese Anzahl schon eine Herausforderung für sich, zu den Wettkämpfen überhaupt eine Truppe stellen zu können“, sagt Schöne.

Doch die Freitelsdorfer tun es trotzdem. „Gerade für die jüngeren Kameraden ist der Löschangriff etwas Besonderes“, so Schöne. Das hat die kleine Ortsfeuerwehr im 230-Seelen-Dorf erkannt und tritt deshalb seit ein paar Jahren wieder zu den Kreismeisterschaften an. 

Aber bald schon mussten sie feststellen, dass Schnelligkeit und Fitness allein nicht ausreichen, um mit den Besten der Besten mithalten zu können. Dazu bedarf es auch der richtigen Geräte, wie zum Beispiel Wettkampfstrahlrohren. Sie sind nur für den Feuerwehrsport konstruiert worden, erzeugen einen schmalen Wasserstrahl, mit dem man besser in die golfballgroßen Löcher der Zielbehälter spritzen kann.

Vor ihrem Lauf stellten sich die Freitelsdorfer Kameraden noch mal zum Mannschaftsfoto auf. Am Ende konnten sie sich über ihre persönliche Bestzeit freuen.
Vor ihrem Lauf stellten sich die Freitelsdorfer Kameraden noch mal zum Mannschaftsfoto auf. Am Ende konnten sie sich über ihre persönliche Bestzeit freuen. © FFW Freitelsdorf

Im vergangenen Jahr haben sich die Freitelsdorfer deshalb zwei dieser Spezialstrahlrohre angeschafft. Und außerdem noch einen Wettkampfsaugkorb, der an die Saugschläuche angekuppelt wird. Sie seien dadurch gut zehn Sekunden schneller gewesen als zuvor, sagt Schöne. „Wir machen jedes Mal einen Schritt nach vorn. Das motiviert.“

Nun sollen auch neue Wettkampfschläuche angeschafft werden. Sie haben einen Durchmesser von 42 Millimeter und sind damit zehn Millimeter schmaler als herkömmliche Feuerwehr-C-Schläuche. Der Effekt ist simple. Durch engere Schläuche fließt das Wasser schneller. Das heißt, es ist schneller von der Pumpe bis zum Strahlrohr. Immerhin vier Sekunden könnten sie dadurch einsparen und den Medaillenrängen bei der nächsten Kreismeisterschaft näher kommen.

Die Strahlrohre und den Saugkorb haben die Freitelsdorfer mit Hilfe privater Spenden finanziert. Mehr als 500 Euro sind damals zusammengekommen. Um sich die schmalen Wettkampfschläuche leisten zu können, ist wieder eine Spendenaktion gestartet worden. Diesmal im Internet. Die Kameraden bedienen sich dabei der Growdfunding-Plattform Leetchi. Sie macht Spendenaktion über regionale Grenzen hinweg bekannt. Dadurch können die Freitelsdorfer viel mehr Leute erreichen als in ihrem unmittelbaren Umfeld.

Als Spendenziel sind 350 Euro anvisiert. Davon könnten sich die Kameraden vier Wettkampfschläuche kaufen. Für hundert Euro weniger würden es vier neue Standardschläuche sein. „Auch damit wären wir wahnsinnig zufrieden“, sagt der Mannschaftsleiter und verspricht: „Der gesamte Betrag, egal welche Summe zusammenkommt, wird zu 100 Prozent in den Feuerwehrsport unserer Ortsfeuerwehr investiert.“

Bisher haben zehn Leute einen Betrag von zehn bis 20 Euro gespendet. Insgesamt sind 126,20 Euro zusammengekommen. Die Spendenaktion läuft noch knapp einen Monat. Beim Löschangriff-Wettbewerb im September in Ebersbach könnten die neuen Schläuche erstmals zum Einsatz kommen. Mal sehen, ob die Freitelsdorfer dann eine neue persönliche Bestzeit schaffen.

www.leetchi.com/c/wettkampfschlaeuche-fuer-feuerwehr-freitelsdorf

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