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Schönbrunn kämpft um Trinkwasser

Im kleinen Großhennersdorfer Ortsteil sind die Hausbrunnen oft leer und im Wasser immer wieder Keime. Überraschend winkt nun ein Ende der Misere.

Trinkwasser aus der Leitung ist für die Schönbrunner oft nicht selbstverständlich. Seit Jahren gibt es Probleme und sie müssen Wasser zukaufen.
Trinkwasser aus der Leitung ist für die Schönbrunner oft nicht selbstverständlich. Seit Jahren gibt es Probleme und sie müssen Wasser zukaufen. © Rafael Sampedro

Marlies Hilsberg möchte so gern zu Hause den Wasserhahn aufdrehen und sich keine Sorgen machen müssen. Keine Sorgen um Coli-Bakterien im Trinkwasser, die immer wieder bei Proben nachgewiesen werden. Und auch keine Sorgen darum, ob überhaupt noch genug Wasser da ist. Momentan sind das nämlich entscheidende Fragen der Schönbrunnerin und ihres Mannes Uwe. "Man muss sich genau überlegen, ob und wann man duschen kann", schildert sie. So wie ihr geht es den meisten Bewohnern der 13 Häuser in dem kleinen Teil von Großhennersdorf am Fuße des Berges. Eine Wasserleitung hat diese abgelegene Siedlung nicht, die Anwohner versorgen sich - wie früher auch - über ihre hauseigenen Brunnen.

Doch das System wankt und wackelt seit Jahren und im vergangenen, trockenen Sommer wurde die Lage bei einigen Anwohnern dann prekär. Es reichte hinten und vorn nicht, die Schönbrunner kümmerten sich privat über einen Wasserwagen oder mit Kanistern, gaben ihre Wäsche zu Verwandten und Bekannten. Auch in den vergangenen Wochen war es schon wieder soweit: "Wir müssen uns für unseren Kaffee und zum Kochen momentan das Wasser wieder kaufen", sagt Frau Hilsberg. Dabei ist die Familie schon erfinderisch und speist die Klospülung mit Regenwasser. Doch auch das hat Nachteile: "Das Regenwasser ist nicht immer ganz klar, das hinterlässt auch Spuren", sagt sie.

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Als das Thema vor einem Jahr akut wurde, gab es für die Schönbrunner so recht noch keinen Ausweg aus der Misere: Der große Wasserversorger Sowag sah bislang wenig Grund und noch weniger Wirtschaftlichkeit für den Bau einer so langen Leitung für so wenige Abnehmer. Nun hat sich die Situation aber entscheidend verändert: Zum einen, weil es seit 2. April dieses Jahres ein Förderprogramm des Freistaates gibt, das den Leitungsbau genau für solche Fälle finanziell abfedert. Zum anderen hat die Stadt Herrnhut eine Umfrage unter den Schönbrunnern gemacht: "Es hat sich eine deutliche Mehrheit für einen Anschluss an das Trinkwassernetz ausgesprochen", bestätigt Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) auf Nachfrage.

Nun gelte es, die letzten, aus dem Jahr 2007 stammenden Planungen für eine solche Leitung zu überarbeiten und die Investitions- und Betriebskosten zu klären, denn die Anwohner werden sich beteiligen müssen. "Das wollen wir Ende August in einer Anwohnerversammlung dann nochmals genau besprechen", sagt der Bürgermeister. Dass es aber überhaupt noch einmal einen Vorstoß gibt, liege für ihn vor allem am deutlichen Ergebnis der Einwohnerbefragung, denn in den 1990er Jahren hatten die Schönbrunner den Leitungsbau abgelehnt.

Genau dieses Argument aus der Nachwendezeit kann Jasmin Gruse-Häntsch nicht mehr hören: "Hier wohnen doch nicht mehr die Leute von damals", sagt die Schönbrunnerin, in deren Augen die Sache schon längst hätte angegangen werden müssen. Damals sei auch die Situation eine andere gewesen. Die Anwohner hatten Angst vor steigenden Wasserkosten. Andere Schönbrunner berichteten gegenüber der SZ, man habe damals auf diese Weise wohl auch eine ungeliebte Großinvestition im Ortsteil verhindern wollen. "Was damals war, interessiert mich nicht, das Problem besteht schon seit Jahren und wir warten sehnlichst auf eine Wasserleitung", sagt Frau Gruse-Häntsch. Sie hofft, dass nun auch bei der Stadt und beim Bürgermeister der Verweis auf die 1990er Jahre endlich zu den Akten gelegt wird.

Dass auf die Anwohner nun stete Kosten zukommen werden, ist allen klar. Matthias Keyßner sieht das pragmatisch: "Wir müssen jetzt auch in unsere Anlagen investieren und regelmäßig Wasserproben bezahlen", sagt er und denkt dabei zudem an Pumpen, Druckbehälter oder Filter, die repariert oder ersetzt werden müssen - oder gar eine Vertiefung der Brunnen, was sehr teuer werden kann. Keyßner, der sich ebenfalls für einen Anschluss an das Trinkwassernetz ausgesprochen hat, schätzt deshalb, dass sich die Kosten dann eben anders verteilen als bislang. Abgesehen von einer Beteiligung am Bau und den Anschlussgebühren braucht der Wasserversorger Sowag künftig auch eine Mindestabnahme. "Sonst müssen wir ständig die Leitung spülen, um die Qualität zu sichern und das wird teuer", erklärt Sowag-Geschäftsführer Michael Kuba. Diese Kosten gehen dann nicht nur zulasten der Schönbrunner, die zahlen dann alle Sowag-Kunden mit. "Es ist eine Solidargemeinschaft", macht Kuba deutlich. 

Deshalb ist für den Sowag-Chef die Zusicherung der Schönbrunner wichtig, ihr Wasser wirklich aus der neuen Leitung zu nehmen und nicht nur dann, wenn die eigenen Brunnen nichts Brauchbares hergeben. "Dass aus den Brunnen weiterhin die Gärten gewässert werden, das ist aber weiter möglich", sagt er. Die Probleme bei den privaten  Brunnen wundern Michael Kuba übrigens nicht: "Diese Brunnen sind vor Keimen und Schadstoffen nicht so stark geschützt wie unsere in den Trinkwassergebieten und reagieren viel schneller auf die klimatischen Veränderungen", sagt er.

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Darauf wollen es auch Ute und Norbert Posselt künftig nicht immer wieder ankommen lassen. Auch sie kämpfen für einen Trinkwasseranschluss. Denn abgesehen von den eigenen Bedürfnissen könne man Feriengästen oder gar den eigenen Kindern kaum vermitteln, dass sie nicht so lange den Wasserhahn laufen lassen dürfen oder gerade nicht duschen können. "Wir hoffen wirklich sehr, dass es klappt", sagt Ute Posselt. Das wird sich in diesem Jahr sicherlich noch entscheiden. Mit dem Bau ist allerdings wohl erst 2020 zu rechnen.

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