merken
PLUS Pirna

Ruhe vor dem Sturm in Schuldnerberatung

Gläubiger halten sich derzeit zurück, Zwangsmaßnahmen sind ausgesetzt. Das wird sich nach den Corona-Maßnahmen ändern.

Cornelia Landow berät Schuldner in Freital.
Cornelia Landow berät Schuldner in Freital. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Schuldnerberatungen sind derzeit nur telefonisch oder per E-Mail erreichbar.  "Zu tun gibt es aber so viel wie immer", sagt Cornelia Landow, die normalerweise Schuldner im Büro in Freital auf der Dresdner Straße 162 berät. Stehen allerdings existenzsichernde Dinge an wie etwa Pfändungsschutzkonten, dann muss schon mal improvisiert werden. Dann wird individuell die Übergabe und Prüfung von Unterlagen verabredet, bei Einhaltung der aktuellen Hygiene-Empfehlungen.

Trotz der Kontakt-Beschränkungen und geschlossener Büros sind die Schuldnerberatungen weiter zu den gewohnten Zeiten erreichbar. Niemand werde allein gelassen, heißt es. In Freital ist der Verein Bürgerhilfe Sachsen der Träger der Beratungsstelle. In Pirna ist es die Arbeiterwohlfahrt.

Anzeige
Nicht verpassen: Die SZ-Frühjahrsauktion
Nicht verpassen: Die SZ-Frühjahrsauktion

Ab 14. Mai bei der großen SZ-Frühjahrsauktion mitbieten, tolle Schnäppchen entdecken und gleichzeitig den regionalen Handel unterstützen.

Die Freitaler Beraterin geht davon aus, dass die aktuelle Situation nur die "Ruhe vor dem Sturm" ist. Die harten Einschränkungen wegen der Corona-Ansteckungsgefahr würden viele Menschen in Existenznot bringen, ist sie überzeugt. Nur weil Gläubiger derzeit noch still halten oder Zwangsmaßnahmen sogar ausgesetzt sind, sei die Lage noch nicht prekär. 

Es sei auch nicht davon auszugehen, dass es für alle Fälle staatliche Hilfsprogramme geben wird. Wann die Büros selbst wieder in den Betrieb wie zuvor übergehen können, ist ungewiss. Unter die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind sie jedenfalls nicht gefallen. Bis jetzt konnte für den größten Teil der Schuldner, die sich gemeldet haben, immer eine Lösung gefunden werden, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.

Die Sorge der Wohlfahrtsverbände

Dass der Bedarf mit jeder Woche der Corona-Krise steigt, davon geht auch Daniel Fuchs aus, der amtierende Vorsitzende der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Deshalb sei es um so wichtiger, die Angebote mindestens in der jetzigen Form zu erhalten.

Fuchs macht sich jedoch Sorgen, dass das nötige Fachpersonal dann noch da ist, wenn jetzt Kurzarbeit oder Regelungen nach dem neuen Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) eingeführt würden. In Zeiten des Fachkräftemangels sei zu befürchten, dass sich die Experten auf diesem Gebiet der Sozialarbeit bei finanziellen Einbußen eine andere Stelle suchen. "Wenn sie besonders gebraucht würden, müssten wir erst wieder Aufbau-Arbeit leisten", erklärt Fuchs. Deshalb bat er um ein Gespräch im Landratsamt, in dem diese besondere Situation besprochen werden soll, um entsprechend darauf zu reagieren. Am Montag soll es ein Treffen mit der zuständigen Beigeordneten des Landrats, Kati Hille (CDU), geben.

Dass der Bund das SodEG erlassen hat, ist erst mal eine gute Sache. Damit sollen die "Leistungsträger" im Sozialbereich aufgewertet werden. Das Gesetz besagt unter anderem, dass 75 Prozent des Lohnes gezahlt werden können, auch wenn sie derzeit wegen der Corona-Einschränkungen weniger oder gar nicht arbeiten können. Bei Kurzarbeit gäbe es nur 60 Prozent für Kinderlose. 

Entsprechend könnte der Landkreis aber auch die Zuschüsse an die Träger kürzen. Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hat diese Entscheidung den Landkreisen überlassen. Vor pauschalen Kürzungen warnt nun Fuchs. Besonders sensible Bereiche sollten dabei ausgeklammert werden, um die Leistungsfähigkeit der Einrichtungen nicht zu gefährden.

In einer sogenannten Fachkräfte-Allianz werden im Landkreis ohnehin schon Sozialarbeiter von Trägern, wo der Bedarf jetzt geringer ist, vorübergehend an Träger vermittelt, die in dieser Extrem-Situation größeren Bedarf haben wie etwa Kinderheime oder Pflegefamilien. Für jeden Sozialarbeiter gelinge eine Beschäftigung aus den verschiedensten Gründen aber nicht.

Schuldnerberatung Bürgerhilfe e.V. Freital: Telefon: 0351 6521385, [email protected]

AWO-Schuldnerberatung Pirna, Heidenau, Neustadt: Telefon 03501 522154, [email protected], [email protected][email protected]

1 / 2

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna