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Schulstart mit gemischten Gefühlen

Die Schüler am Glückauf-Gymnasium treffen nach Monaten zum ersten Mal wieder zusammen. Schulleiter Hegewald freut sich und hat zugleich Bedenken.

Volker Hegewald, Leiter des Glückauf-Gymnasiums, erlebt jetzt einen Schuljahresbeginn unter ganz neuen Vorzeichen.
Volker Hegewald, Leiter des Glückauf-Gymnasiums, erlebt jetzt einen Schuljahresbeginn unter ganz neuen Vorzeichen. © Karl-Ludwig Oberthür

Dieses Jahr sehen sich die meisten Schulklassen zum ersten Mal nach einem halben Jahr wieder vollständig. „Wir starten zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Schließungen wieder in den Regelschulbetrieb“, sagt Volker Hegewald, Leiter des Glückauf-Gymnasiums mit seinen Standorten in Dippoldiswalde und Altenberg. Alle Schüler, rund 750 Schüler in Dippoldiswalde und rund 400 in Altenberg, und alle Lehrer, rund 110, sind wieder in den beiden Häusern. Schulleiter Volker Hegewald beobachtet das mit gemischten Gefühlen. „Mich freut es, dass wieder alle da sind. Das hatten wir ja seit Monaten nicht mehr. Vor den Ferien war in der Regel ein Drittel, maximal die Hälfte der Schüler im Haus. Jetzt sind die Klassen wieder voll“, sagt er.  Hegewald hofft, dass damit wieder Normalität im Unterrichtsbetrieb einkehrt, und er ist froh, dass dieser Unterrichtsbeginn in Corona-Zeiten in Sachsen auch wissenschaftlich begleitet wird.

Schließung wäre weniger schlimm als im Frühjahr

Andererseits plagen ihn auch Bedenken. Das Dippser Gymnasium ist ein Bau aus DDR-Zeiten und bietet nicht die großzügigen Räume, wie sie Altbau-Schulen oder Neubauten der letzten Jahre haben. Hier sitzen 28 Personen auf 55 Quadratmeter Fläche in den Klassenzimmern. „Und anders als Grundschulen können wir die Schüler nicht durchgängig voneinander trennen“, sagt der Schulleiter. In den Klassen acht bis zehn findet der Profilunterricht gemeinsam für alle Parallelklassen statt. Da durchmischen sich die Klassen. In der Oberstufe gilt ohnehin das Kurssystem. „Sollte es einen positiven Corona-Fall an unserer Schule geben, würde das vermutlich zu einer Schulschließung für einen gewissen Zeitraum führen“, fürchtet Hegewald.

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Das wäre aber nicht so schlimm wir im Frühjahr. Eigentlich müssten zwei Wochen Schließung ausreichen, um die Ansteckungsgefahr einzugrenzen. Im Frühjahr war die Schule zehn Wochen geschlossen. Auch wäre sie jetzt auf das Homeschooling, das Lernen am Computer von zu Hause aus, besser vorbereitet. Es gibt eine einheitliche Lernplattform, Lern Sax. Im Frühjahr haben viele Lehrer mit unterschiedlichen Methoden experimentiert, was Schüler und Eltern deutlich kritisiert haben. Und dieses Schuljahr dauert wegen der wechselnden Ferientermine länger als gewöhnlich. So ist auch noch Luft, um versäumten Stoff nachzuholen.

In den letzten Ferientagen haben sich die Lehrer zu einer Reihe von Konferenzen getroffen. Eine wichtige Aufgabe für alle ist es, zu erkennen, wie die Schüler mit dem Homeschooling im letzten Schuljahr klargekommen sind. Unkompliziert ist, wenn eine ganze Klasse Nachholbedarf hat. „Das müssen wir erkennen und in unserem Unterricht aufholen. Schwieriger wird es, wenn nur einzelne Schüler Lücken haben“, befürchtet der Schulleiter. Das wird sich nach den ersten Klassenarbeiten zeigen. Eine Gefahr besteht auch, dass Einzelne sich aus Sorge vor einer Ansteckung krankmelden. Das wird weniger bei den Schülern erwartet, eher bei Lehrern, die beispielsweise schon eine Vorerkrankung haben. Dann könnte die Lehrerausstattung bald nicht mehr reichen. Das Glückauf-Gymnasium hat zwei neue Kollegen bekommen. „Das reicht normalerweise, um den Lehrplan zu erfüllen und lässt eine kleine Reserve“, sagt der Schulleiter.

Auf dem Weg zur digitalen Schule

Die Lehrerkonferenz hat sich auch auf einen Hygieneplan geeinigt. Der sieht vor, dass auf den Gängen, den Toiletten und im Treppenhaus Maskenpflicht herrscht. „Andere Schulen haben dort ein Einbahnsystem entwickelt. Bei uns fehlt dafür der nötige Platz, also müssen die Masken sein“, sagt Hegewald. Unterrichtsangebote wie das Chorsingen, sind nur in der Aula oder im Freien möglich. Die anderen Räume lassen die nötigen Abstände nicht zu.

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Riesenfortschritte gibt es in einem anderen Bereich. Schon vor Corona war das Gymnasium auf dem Weg zur Digitalisierung des Unterrichts. Das ist jetzt in Zeiten des Homeschoolings erheblich vorangekommen. Der Landkreis ist dabei, 112 Tablets für das Gymnasium zu kaufen. „Aber damit ist es nicht getan. Wir müssen auch unsere Lehrmethoden verändern, um die Technik gut zu nutzen“, sagt der Schulleiter. Wenn dann eine elektronische Tafel im Klassenzimmer steht, kann jederzeit der Bildschirm eines Schülers dort allen gezeigt werden. Damit müssen aber alle lernen umzugehen. Vor den Herbstferien ist ein sogenannter pädagogischer Tag geplant, an dem sich alle Lehrerinnen und Lehrer mit diesem Thema befassen. Hegewald sagt: „Da gibt es auch tolle Angebote zur Weiterbildung.“ So ist das Glückauf-Gymnasium auf einem schmalen Pfad unterwegs zwischen dem Vorangehen zur digitalen Schule und einem eventuellen Lockdown bei einer Corona-Infektion. 

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