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Singen auf den Trümmern der Felsenbühne

Ein ungewöhnliches Video bringt das Baugeschehen in Rathen ins Internet. Der Saisonstart im Theaterzelt ist weiter ungewiss.

Singen auf Trümmern (v.l.): Peter Schmuhl, Stephan Liebich, Stefan Glause, Hendrik Fuchs und Welfhard Bergelt.
Singen auf Trümmern (v.l.): Peter Schmuhl, Stephan Liebich, Stefan Glause, Hendrik Fuchs und Welfhard Bergelt. © Thomas Morgenroth

Fünf Männer stehen weiträumig verteilt auf den staubigen Trümmern der Felsenbühne Rathen und singen „Kein schöner Land in dieser Zeit.“ Eine Szene wie aus einem Film der Monty Pythons, den Meistern des schwarzen Humors. Aber was die Briten können, haben die vier Sänger des Opernchores der Landesbühnen Sachsen, verstärkt um einen Gast, schon lange drauf. Wobei die Herren nicht allein auf Lacher aus sind. Vielmehr haben sich Peter Schmuhl, Stephan Liebich, Stefan Glause und Welfhard Bergelt in den Wehlgrund aufgemacht, um dort ein Video für ihr Radebeuler Reisetheater zu drehen, damit dieses nicht in Vergessenheit gerät.

Die Zeiten sind für die Landesbühnen doppelt schwierig. Einmal leiden sie wie alle anderen Kultureinrichtungen unter den behördlich verfügten Veranstaltungs- und Kontaktverboten. Zum anderen steht die Felsenbühne wegen umfangreicher Bauarbeiten zwei Jahre lang nicht zur Verfügung. Intendant Manuel Schöbel hat als Ersatz dafür einen Theatersommer im Meißner Elbland und einen in Rathen aufgelegt. In der Sächsischen Schweiz in einem extra zu errichtenden Theaterzelt, das gut 600 Zuschauer fassen soll. Alle Genehmigungen waren erteilt, der Platz geebnet. Dann kam Corona, und plötzlich ist alles anders.

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Und die Dinge ändern sich gerade täglich. Am Freitag hatte Schöbel eine Pressemitteilung verschicken wollen, dass der Start der Saison in Rathen auf Ende Mai verschoben wird. Die hat er nun erst einmal zurückgehalten, als Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) am Donnerstagnachmittag verkündete, dass die staatlichen Theater ihre Spielzeit vorzeitig beenden werden. Diese Empfehlung ging auch an die nichtstaatlichen Bühnen. Entscheiden aber müssen diese selbst.

Wie die Landesbühnen, die kein staatliches Theater sind, sondern eine privatwirtschaftlich organisierte GmbH. „Außerdem haben wir keine klassischen Spielzeiten“, sagt Intendant Schöbel und verweist auf die Sommerbespielung, mit der eine Spielzeit nahtlos in die andere übergeht. Eine Entscheidung, wie es nun in Rathen und an den anderen Spielorten weitergeht, hat er noch nicht getroffen: „Mit der Aussage der Ministerin haben wir jetzt eine neue Lage, die wir zunächst besprechen müssen.“

Fest steht bislang aber, dass das Theaterzelt am Elbufer in Rathen nicht wie geplant am 9. Mai mit der Premiere des Familienstücks „Peter Pan“ von Manuel Schöbel eröffnet wird. Wegen der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie konnten die Schauspieler nicht proben. Zudem ist ungewiss, ob zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon wieder Veranstaltungen mit größerem Publikumszahlen stattfinden dürfen. Insofern steht auch der von Schöbel erhoffte nächste Termin für den Saisonstart, die Premiere des Musicals „Kiss Me, Kate“ am 30. Mai, auf wackligen Füßen.

Das Baugeschehen auf der Felsenbühne indes leidet kaum unter den restriktiven Maßnahmen der Regierung. Eher ist das Gegenteil der Fall: „Die Straßen in Rathen sind menschenleer, das kommt uns für unsere Transporte entgegen“, sagt Hendrik Fuchs, Geschäftsführer der Coswiger Firma Bauhauf, der die Opernsänger bei ihrem Auftritt unterstützte. Seine Männer sind seit Wochen mit dem Abriss der rund 60 Jahre alten Gebäude und des Orchestergrabens beschäftigt. Auch der erst in den Neunzigern errichtete Pavillon am Eingang soll weg. Nur die Toiletten bleiben und ein Teil des Funktionsgebäudes, in dem in der oberen Etage Andreas Gärtner, der langjährige Direktor der Felsenbühne und heutige Veranstaltungsmanager, sein Büro hatte.

Ansonsten ist das Gelände derzeit ein Trümmerfeld, das nach und nach beräumt wird. Mit Multicars, die den Schutt zum Umschlagplatz nach Waltersdorf bringen und Baumaterial in den Wehlgrund transportieren. Für rund 14 Millionen Euro entstehen dort moderne Funktionsräume, mit denen sich die Bedingungen für Schauspieler, Sänger und Musiker entscheidend verbessern. Auch an das Publikum und dessen gastronomische Versorgung, die bislang eher provisorisch war, haben die Planer des Dresdner Architekturbüros Meyer-Bassin und Partner gedacht.

Wege und Zugänge werden optimiert, erstmals soll es einen Fahrstuhl geben. „Die Bühne wird um den Bereich des Orchestergrabens erweitert“, sagt Architekt Martin Flemming. Die Musiker spielen künftig in einer Art Konzertmuschel auf der Bühne, was akustisch die beste Lösung ist und auch schon mal erprobt wurde. Der Zuschauerbereich indes bleibt wie er ist.

Weil die Felsenbühne in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz liegt, sind Neubauten nur ausnahmsweise und mit strengen Auflagen möglich. Neben Ausgleichsmaßnahmen betrifft das die Gestaltung der Gebäude, die sich mit begrünten Dächern und einer Verschalung der Fassaden mit Lärchenholz in die natürliche Umgebung einpassen sollen. Im Herbst 2021 soll alles fertig sein. Dann könnte der Liedtext sogar im wörtlichen Sinne passen: „Kein schöner Land in dieser Zeit.“ Zunächst aber gibt es das Trümmervideo, zu sehen demnächst im Internet.

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