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So gut ist Sachsens Bildung

Die Schüler im Freistaat haben einen hohen Bildungsstand. Dennoch gibt es in mehreren Bereichen Probleme.

© Symbolbild: dpa/Franziska Kaufmann

Es sei ein gutes Zeugnis, das dem sächsischen Bildungssystem ausgestellt wurde, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) zur Analyse des Leibniz-Institutes für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Allerdings zeige die externe Analyse auch Schwachstellen im System. Als Aufgaben nannte der Bildungsbericht die Gewinnung von Fachpersonal, individuelle Bildungsangebote und den Zugang zur Bildung auch in strukturschwachen Regionen. Die Sächsische Zeitung erklärt die wichtigsten Befunde.

Ausreichend Personal zu finden, bleibt zentrale Herausforderung

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Mehr Geburten, Zuwanderung und eine höhere Erwerbsquote bei Frauen führen dazu, dass mehr Kinder Kitas und Schulen besuchen. Steigende Schülerzahlen und der Ausbau der Kinderbetreuung führen zu einem erhöhten Personalbedarf. „Der Personalschlüssel in den Kitas liegt unter dem fachlich empfohlenen“, sagt Kai Maaz, der den Bildungsbericht mit erarbeitet hat. Allerdings sei in Sachsen die Betreuungsquote auch höher als in anderen Bundesländern. Die Gewinnung von mehr Lehrern für den Schuldienst sei angesichts eines wachsenden Anteils älterer Lehrkräfte und eines überdurchschnittlichen Anteils an Seiteneinsteigern die zentrale Herausforderung. 2016 hatten 35 Prozent der neu eingestellten Lehrer keine pädagogische Ausbildung – der höchste Wert im Bundesvergleich. Deutschlandweit waren es nur acht Prozent.

Unterschiede in den Leistungen werden nicht größer

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Trend zum Abitur: Sachsen geht anderen Weg

Im Freistaat ist die Oberschule eine starke Alternative zum Gymnasium. Allerdings schaffen viele Schüler nicht einmal den Hauptschulabschluss.

Anders als im bundesweiten Trend wird die Schere zwischen leistungsstarken und -schwächeren Schülern in Sachsen nicht größer. In den Klassen 5 bis 10 sind die Leistungsunterschiede sogar zurückgegangen, so Maaz. Außerdem stehen einer überdurchschnittlich großen Gruppe leistungsstarker Schüler eher wenige leistungsschwache gegenüber. Im Schnitt erreichen die sächsischen Kinder und Jugendlichen sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich höhere Kompetenzwerte als in den meisten anderen Bundesländern. Ein Minuspunkt ist die hohe Quote Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. 2016 lag sie bei acht Prozent, deutschlandweit sind es sechs. Und das, obwohl nur vier Prozent der Neuntklässler das Mindestniveau nicht erreichen. „Es muss gelingen, mehr Schüler zu einem Abschluss zu führen.“

Sachsens Schülerschaft wird heterogener

Inklusion und Zuwanderung führen dazu, dass immer mehr Schüler mit unterschiedlichen Ausgangslagen in die Schule kommen. Der Anteil der Kindergartenkinder mit Migrationshintergrund bleibt im Jahr 2017 mit neun Prozent aber deutlich unter dem Bundesschnitt von 30 Prozent. Der Anteil von Kindern mit Förderbedarf, die an einer Regelschule unterrichtet werden, stieg zwischen 2000 und 2016 von 0,2 auf drei Prozent. „Sachsen ist Entwicklungsland bei schulischer Inklusion“, sagt Cornelia Falken, die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Die Inklusion in die allgemeinbildenden Schulen ist nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme.“

Hoher Stellenwert der Berufsausbildung

Die Oberschule ist eine starke Alternative zum Gymasnium. Schüler in Sachsen wählen überdurchschnittlich oft eine berufliche Ausbildung, während im Bundestrend der Anteil der Schüler mit Abitur steigt. Sachsen gehe hier bewusst einen anderen Weg, erklärt Professor Maaz. Diese Entwicklung abzusichern, wird ein Problem, sagt Bildungspolitikerin Petra Zais (Grüne). „Wenn die geburtenstarken Jahrgänge, die derzeit die weiterführenden Schulen besuchen, an den beruflichen Schulen ankommen, steht insbesondere die Absicherung des Fachunterrichts infrage.“

Bildungsangebot ist abhängig vom Wohnort

Regional entwickelt sich das Bildungswesen sehr unterschiedlich. Maaz spricht von einem tendenziell zunehmenden Stadt-Land-Gefälle. Nur Dresden, Leipzig und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben 2017 mehr Grund- und Oberschulen als 2007. In allen andern Regionen sank die Zahl der Schulstandorte innerhalb von zehn Jahren. In Chemnitz ist der Anteil der Grundschüler, die auf ein Gymnasium wechseln, am stärksten gesunken – obwohl mehr Gymnasien gebaut wurden. Gleichzeitig stieg die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Sie ist 2016 mit 13 Prozent sachsenweit am höchsten. Ein Negativtrend zeichnet sich in den Landkreisen Görlitz und Mittelsachsen ab: bei der Zahl der Schulen, beim Lehrkräftebestand, bei der Gymnasial- und Abiturientenquote und den Abgängern ohne Schulabschluss. Hier gehe es in den nächsten Jahren darum, eine Mindestversorgung in der Schulinfrastruktur aufrechtzuerhalten, heißt es im Bericht.