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Fragen und Antworten zur Dampfer-Rettung

Erst Corona habe das Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Wie es jetzt mit der Flotte weitergehen soll und was das für Fahrgäste und Mitarbeiter bedeutet.

Dresdens insolvente Dampfer sollen wieder auf Kurs gebracht werden.
Dresdens insolvente Dampfer sollen wieder auf Kurs gebracht werden. © Sven Ellger

Dresden. Bei einer Pressekonferenz am Freitag informierte die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) nun offiziell über die derzeitig schwierige Situation des  zahlungsunfähigen Unternehmens. Am Mittwoch, 3. Juni, sei beim Amtsgericht Dresden ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt worden. "Ziel ist die Fortsetzung der seit 2019 laufenden Restrukturierung unter Nutzung der Instrumente des Insolvenzrechts", heißt es in einer Pressemitteilung. Das Gericht sei dem Antrag der SDS gefolgt und habe am Donnerstag Frank-Rüdiger Scheffler von der Dresdner Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Neben den Geschäftsführern Karin Hildebrand und Jeffrey Pötzsch sei Burkhard Jung, Sanierungsexperte und langjähriger Begleiter der SDS, ab sofort Teil der Geschäftsführung. Der Unternehmensberater fungiere als Sanierungsgeschäftsführer der SDS. "So bedauerlich der Insolvenzantrag für die Sächsische Dampfschifffahrt ist: Es ist gut, dass es jetzt Planungssicherheit gibt. Mit unseren motivierten Mitarbeitern können wir nun in die Sanierung der Sächsischen Dampfschiffahrt und der Tochterunternehmen starten", so Jung.

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Burkhard Jung, Sanierungsexperte und langjähriger Begleiter der SDS, ist ab sofort Teil der Geschäftsführung. Der Unternehmensberater fungiert als Sanierungsgeschäftsführer.
Burkhard Jung, Sanierungsexperte und langjähriger Begleiter der SDS, ist ab sofort Teil der Geschäftsführung. Der Unternehmensberater fungiert als Sanierungsgeschäftsführer. © Sven Ellger

Wie kam es zur Insolvenz der Dampfschiffahrt?

Nach mehreren Jahren mit Niedrigwasser und sinkenden Passagierzahlen habe zuletzt die Pause aufgrund der Corona-Beschränkungen dem Unternehmen sozusagen den Todesstoß versetzt. "Unser Unternehmen war so gut wie saniert", sagt Geschäftsführerin Karin Hildebrand zum 2019 eingeschlagenen Restrukturierungsprozess. "Die Corona-Beschränkungen haben den Abschluss des Restrukturierungsprozesses grundlegend verändert und die SDS in eine nicht vorhersehbare Situation gebracht."

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Von den Pandemie-Beschränkungen seien nicht nur die Dampfschiffahrt, sondern auch die Tochterfirmen betroffen gewesen. "Die Beschränkungen im Tourismus- und Gastronomiebereich führten zu massiven finanziellen Einbußen bei den Catering-, Event- und Personalserviceunternehmen. Und eine Gewährung von Corona-Soforthilfen vom Bund und Land war durch die finanziellen Schwierigkeiten der Flotte aus 2019 ausgeschlossen", heißt es in der Begründung für die Situation. 

Wie geht es nun weiter für die Flotte?

Der Lösungsweg heißt nun "Restrukturierung in Eigenverwaltung". "Wir haben bewiesen, dass wir in kürzester Zeit in der Lage sind, unser Unternehmen zu sanieren und uns vom Pegelstand der Ebel unabhängiger zu machen", sagt Geschäftsführer Jeffrey Pötzsch. "Wir kämpfen weiter und werden den Prozess in den nächsten Monaten abschließen. Dresden ohne die Sächsische Dampfschiffahrt mit der ältesten Raddampferflotte der Welt ist für uns alle unvorstellbar." Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung ergänzt: "Der Schritt in die Eigenverwaltung und die frühzeitige Antragsstellung bieten der Sächsischen Dampfschiffahrt und den Gläubigern die beste Ausgangslage, die Restrukturierung voranzutreiben."

Geschäftsführer Jeffrey Pötzsch und Karin Hildebrand bei der Pressekonferenz zur Insolvenz der Sächsischen Dampfschiffahrt.
Geschäftsführer Jeffrey Pötzsch und Karin Hildebrand bei der Pressekonferenz zur Insolvenz der Sächsischen Dampfschiffahrt. © Sven Ellger

Damit die Dampfer weiterfahren können, müsse das Unternehmen "alles Erforderliche veranlassen und eventuelle bestehende Unsicherheiten beenden", heißt es etwas vage zu den nächsten Schritten. "Wenn das geschafft ist und alles wieder in ruhigem Fahrwasser läuft, geht die Unternehmensleitung auf potenzielle Investoren zu: Unternehmen und vorläufiger Gläubigerausschuss bewerten zu gegebener Zeit dann die vorliegenden Angebote." Das werde aber wohl mehrere Wochen dauern. "Die Unternehmensleitung hat den Wunsch, bis dahin in Ruhe weiter arbeiten zu können."

Was bedeutet das für Mitarbeiter und Dienstleister?

Man habe die Mitarbeiter am Freitag über den aktuellen Sachstand und die Fortsetzung der Restrukturierung im Rahmen der Eigenverwaltung informiert. "Die Gehälter werden ab sofort von der Agentur für Arbeit Dresden für die nächsten drei Monate weitergezahlt", sagt Karin Hildebrand.

Lieferanten und Dienstleister werden von der SDS kontaktiert, um das weitere Prozedere zu besprechen.

Fahren die Dampfer trotzdem weiter?

Ja, die SDS teilt mit, dass die derzeitige Situation auch weiterhin nichts am Fahrplan ändere. 

Was bedeutet ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung?

Das Eigenverwaltungsverfahren biete Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen. Anders als im regulären Insolvenzverfahren bleibe dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuere ("Eigenverwaltung"). 

Anstelle eines Insolvenzverwalters setze das zuständige Amtsgericht einen sogenannten Sachwalter ein, der als Interessenvertreter der Gläubiger – vergleichbar mit einem Aufsichtsrat – das Verfahren überwache. Als vorläufiger Sachwalter wurde Rechtsanwalt Frank-Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte in Dresden bestellt.

Frank-Rüdiger Scheffler von der Dresdner Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Frank-Rüdiger Scheffler von der Dresdner Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. © Sven Ellger

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