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Döbeln

So viel illegalen Müll gibt es in Mittelsachsen

2019 sind die Entsorgungskosten wieder gestiegen. Ein Problem, das sich in den nächsten Wochen verstärken wird.

Am ehemaligen Bauhof in Zschackwitz türmt sich einer riesiger Berg mit illegal abgelagertem Müll.
Am ehemaligen Bauhof in Zschackwitz türmt sich einer riesiger Berg mit illegal abgelagertem Müll. © Dietmar Thomas

Landkreis. Der Landkreis Mittelsachsen hat ein Problem mit illegalem Müll: Knapp 23 Tonnen Sperr- und Hausmüll wurden im letzten Jahr einfach in die Landschaft gekippt und mussten durch den Landkreis Mittelsachsen entsorgt werden. Dazu kommen mehr als vier Tonnen gefährliche Abfälle wie Lacke und Asbest, außerdem zwei Autowracks und über 300 Autoreifen. 29.000 Euro hat der Landkreis für die Entsorgung ausgeben müssen. Im Jahr 2018 betrugen die Entsorgungskosten noch rund 20.500 Euro und das, obwohl es sogar einen leichten Rückgang an der Menge an illegalem Müll gab.

Denn die Verursacher lassen sich nach wie vor nur selten schnappen und Gegenmaßnahmen zur Verhinderung von illegal abgelagerten Abfällen gestalten sich schwierig. „Felder oder Wälder lassen sich größtenteils nicht einzäunen“, teilt Cornelia Kluge von der Pressestelle des Landratsamtes mit. Stattdessen versuche es der Landkreis mit Verbotsschildern an beliebten Ablagestellen. Schließlich droht bei Missachtung ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro. Zurecht. Schließlich verschandelt illegal abgeladener Müll unsere Landschaft und belastet die Umwelt.

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Illegale Entsorgung schadet Tieren

Aber wie sieht es mit Grünabfällen aus, die bauen sich doch von selbst ab? Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln/Oschatz reagiert auf solche Argumente allergisch. Denn leichtfertig entsorgte Gartenabfälle brächten Landwirte in große Schwierigkeiten – spätestens dann, wenn es an die Ernte geht: „Denn an Stellen, wo das Unkraut mit in die Grasballen geht, beginnt es zu faulen oder lässt das Heu gleich ganz verderben.“ Schließlich führt es bei den Tieren, an die es verfüttert wird, zu gesundheitlichen Problemen. „Trotzdem denken im Frühjahr viele Kleingarten-Freunde, dass sie ihre Gartenabfälle einfach auf die benachbarten Wiesen werfen können.“ Überall wo man sich unbeobachtet fühle, würden sie ihren Müll abkippen.

Ein Problem, dass Landwirte in den nächsten Wochen besonders heftig treffen wird: „Dadurch, dass auch Holzverschnitt nicht mehr verbrannt werden darf, wird das Entsorgen von Biomüll in den nächsten Wochen extrem zunehmen“, befürchtet Claassen und macht stattdessen einen anderen Vorschlag: „Viel sinnvoller wäre es, diese wertvolle Biomasse erst einmal auf dem eigenen Grundstück zu lagern.“ Im Spätsommer könnte man dann einen Bauer fragen, ob man den Kompost nicht auf einer abgeernteten Ackerfläche abladen dürfte. „Ich glaube nicht, dass er eine Absage erteilen wird.“

Kühlschränke im Wald

Doch es sind nicht nur die Felder: Viele Mittelsachsen haben ihre ideale Müllkippe im Schutz gefunden. „Ich habe im Wald schon alles gefunden“, bedauert Revierförster Dirk Tenzler aus Döbeln. „Angefangen von Gartenabfällen, über Kühlschränke, Bauschutt und Styroporplatten, war schon alles.“ Bei so viel Müll im Wald bräuchten wir uns über Plastikmüll im Ozean gar nicht erst beschweren. „Da reicht schon ein Blick in unseren Wald.“

Für die Bäume hat das fatale Folgen. „Wenn die Bäume immer wieder mit Müll angefüllt werden, bilden sich an den Wurzeln Pilze.“ Letztendlich beschleunige es das Baumsterben. „Das Schlimme ist, dass wir gar nichts tun können“, erklärt Revierförster Dirk Tenzler aus Döbeln. „Uns sind die Hände gebunden.“ Denn für die Flächen des Staatswalds ist der Staatsbetrieb Sachsenforst zuständig, eine Verschmutzung kann nur weitergeleitet werden.

Autowracks an den Straßen sind nicht selten. Allerdings habe der Trend, sein Auto einfach irgendwo abzustellen, auch nicht zugenommen. Etwa zehn sind es pro Jahr, schätzt Döbelns Ordnungsamtschef Jürgen Müller. Je nachdem, an was für einer Straße das Wrack abgestellt wurde, ist der Straßenträger dafür zuständig, dass das Wrack verschwindet.

Halter werden oft ermittelt

In der Regel kann der letzte Halter ermittelt werden – auch wenn das manchmal eine Weile dauert. „Oft gibt es da eine Kette von Kaufverträgen, mit denen das Fahrzeug immer weitergegeben wurde. Teilweise wird ein Bußgeld verhängt, wenn es ein Käufer nicht umgemeldet hat. Dafür gibt es eine Pflicht“, so Müller.

Fahrzeugwracks an städtischen Straßen bekommen erst einmal einen Punkt aufgeklebt mit der Aufforderung, es zu entsorgen. Wenn das nicht hilft, wird der letzte Halter ermittelt. „Irgendwie bekommen wir das immer raus“, sagte Müller. Es kann allerdings passieren, dass ein Autowrack erst einmal ein paar Wochen an der Straße stehen bleibt, weil der Halter die Möglichkeit haben muss, es in der gesetzten Frist wegzuräumen. „Wenn es im Stadtbild stört oder eine Gefahr darstellt, lassen wir das Fahrzeug entsorgen“, sagte Müller. Die Kosten werden auf den Halter umgelegt.

Bei Altfahrzeugen auf Privatgelände ist die Stadt nicht zuständig. „Es sei denn, es tritt Treibstoff oder Öl aus. Dann schalten wir das Umweltamt ein“, so Müller.

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