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Größter Verein bald ohne Geschäftsführer?

Der SC Riesa trennt sich von Michael Schönfelder. Der größte Sportverein des Landkreises Meißen plant wohl ohne diesen hauptberuflichen Posten.

Michael Schönfelder (rechts) mit dem ehemaligen Vereinspräsidenten Karl Walluszek vor der Geschäftsstelle des SC Riesa. Das Foto entstand 2017.
Michael Schönfelder (rechts) mit dem ehemaligen Vereinspräsidenten Karl Walluszek vor der Geschäftsstelle des SC Riesa. Das Foto entstand 2017. ©  Archiv/Sebastian Schultz

Riesa. Noch steht der Name von Michael Schönfelder als Geschäftsführer des SC Riesa auf der Vereinsseite im Internet. Doch schon seit Monaten hat ihn niemand mehr in der Geschäftsstelle auf der Freitaler Straße gesehen. Derzeit befindet er sich im Krankenstand, sagt Vereinssprecher Sebastian Lohse. Es gibt aber Gerüchte, dass der Sportclub sich von ihm getrennt habe. 

"Herr Michael Schönfelder ist – entgegen anders lautender Gerüchte – nach wie vor und jedenfalls bis zum 31.7.2020 Geschäftsführer des SC Riesa", antwortet Lohse auf eine erste SZ-Anfrage. Nach mehreren Nachfragen bestätigt er aber, dass sich der Sportclub von seinem Geschäftsführer trennen will. Der Jurist fügt noch einen "Hinweis grundsätzlicher Art" hinzu: "Laut Satzung des SC Riesa e. V. ist kein Geschäftsführer notwendig, allein der Vorstand ist nach außen vertretungsberechtigt."

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Plant der Sportclub ohne diesen hauptberuflichen Posten? Lohse will das momentan nicht bestätigen. "Zu internen Entscheidungen zu Umstrukturierungen bzw. anderweitigen Betriebsinterna werden wir uns jedenfalls zur Zeit nicht äußern", so der Vereinssprecher. 

Geschäftsführer sind eher selten

Aber ist das eine gute Idee, dass der größte Sportverein des Landkreises Meißen ohne hauptberuflichen Geschäftsführer auskommen will? Immerhin hat der SC mehr als 2.500 Mitglieder und betreibt auch noch drei Kindertagesstätten, einen Sporthort und einem Seniorentreff. 

Der Kreissportbund (KSB) Meißen hält sich bei der Bewertung zurück. "Das entscheidet jeder Verein ganz allein, ob er einen hauptberuflichen Geschäftsführer einsetzt", sagt KSB-Mitarbeiter Uwe Rimkus. Es gebe keine Empfehlung des Dachverbandes. "Die Aufgaben kann genauso gut der Vorstand machen." 

Dass Sportvereine einen Geschäftsführer haben, der diese Arbeit hauptberuflich macht, sei im Landkreis eher selten. Rimkus fällt spontan nur der SC Riesa und der Großenhainer FV ein, die sich einen bezahlten Geschäftsführer leisten.

Auch SC-Vorstand Lohse verweist darauf, dass "viele andere vergleichbare Vereine auch keinen sogenannten Geschäftsführer neben dem rechtlich verantwortlichen Vorstand" haben. "Die ordnungsgemäße Arbeit der Geschäftsstelle des Vereins ist gewährleistet", so Lohse. Die Aufteilung der Arbeitsgebiete der einzelnen Angestellten des Vereins sei  eine Entscheidung des Vorstandes. 

Straffes Sparprinzip

Michael Schönfelder bestätigt, dass ihm der SC Riesa bereits Anfang des Jahres als Geschäftsführer gekündigt habe. Stattdessen bot ihm der Sportclub einen Änderungsvertrag an, aber zu weitaus niedrigeren Konditionen. Er sollte dann nur noch für die Kitas und den Sporthort zuständig sein und auch nur 30 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten. 

Für Schönfelder sei die Kündigung völlig unerwartet gekommen. Der SC-Vorstand habe ihm noch im Herbst schriftlich bestätigt, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Einziger Kritikpunkt: Schönfelder würde bei Geldausgaben zu konservativ sein. 

Für den 60-Jährigen ist das wie eine Ohrfeige ins Gesicht. Immerhin habe sein straffes Sparprinzip den Sportclub vor dem Ruin bewahrt. Wie Schönfelder erzählt, sei der SC Riesa nach der Trennung von Ex-Geschäftsführerin Peggy Freytag im Herbst 2013 fast insolvent gewesen. "Das war eine schlimme Zeit", erinnert er sich. Dank des Engagements vieler Vereinsmitglieder und auch seines Sparkurses sei der SC "wieder auf gesunde Füße gestellt worden".  

"Die Verdienste von Herrn Schönfelder in diesem Zusammenhang sind völlig unbestritten", sagt Lohse. "Aber es gibt unzählige andere Personen – angefangen bei den Mitgliedern, über die vielen Ehrenamtlichen, den Trainern, Eltern, Sponsoren, der Stadt bis hin zum Vorstand – denen für die Rettung des Vereins zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls Dank gebührt."

Führten Umzugspläne zum Bruch?

Der Vereinssprecher betont, dass der Sportclub "definitiv" an einer Weiterbeschäftigung von Schönfelder interessiert war. Aber er hätte alle Angebote zu einer weiteren Zusammenarbeit ausgeschlagen.

Schönfelder nahm sich einen Anwalt und ging vors Arbeitsgericht, um eine angemessene Abfindung zu erwirken. "Ich will nicht reich werden und auch dem Verein nicht schaden", sagt der Glaubitzer. "Es geht mir nur um Gerechtigkeit." Er ärgert sich darüber, dass der SC ihm nur die sieben Jahre als Geschäftsführer anerkennen will. Dabei ist er seit dem 1. Juni 1996 auf verschiedenen Posten im SC Riesa beschäftigt. Zwei Verhandlungen vorm  Arbeitsgericht Dresden blieben erfolglos. Am 18. August geht der Streit am Dresdner Kammergericht in die dritte Runde.  

"Der Verein schwimmt nicht im Geld und muss darauf aufpassen, dass er sorgsam damit umgeht", sagt Schönfelder. Den geplanten Umzug der Geschäftsstelle ins Café Starke am Rathausplatz, für das jeden Monat eine hohe Miete fällig wird, sieht er deshalb kritisch. Seiner Meinung nach führte das zum Bruch mit dem SC-Vorstand. 

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