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Klinikum mit 24 Beatmungsbetten 

Die Stadt möchte das Krankenhaus mit 100.000 Euro unterstützen. Hier wird gerade eine Infektionsstation aufgebaut.

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Das Görlitzer Klinikum
Das Görlitzer Klinikum © Nikolai Schmidt

Das Städtische Klinikum Görlitz bereitet sich auf Corona-Patienten vor. „Wir haben zügig und besonnen die Behandlungskapazitäten für mögliche Covid-19 Patienten erweitert“, so Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch. Dazu gehöre die Bereitstellung einer Infektionsstation mit mindestens 13 Plätzen, erweiterbar auf maximal 25 Plätze, für die stationäre Behandlung in einem separaten Gebäude.

Planbare Aufnahmen und OPs waren dafür schon vor einigen Tagen verschoben worden - und zwar auf unbestimmte Zeit. Dadurch und durch das Verlegen sowie Entlassen von Patienten sind nun Personal und Räume verfügbar. 

Doch neben Platz wird noch etwas anderes geschaffen: „Die Infektionsstation hat einen besonderen Bedarf an materieller Ausstattung, insbesondere an Schutzmaterialien und einem enorm hohen Anspruch an Hygiene“, sagt Cornelia Seidel, Leiterin des Hygienemanagements. Die Pläne dafür seien fertig und können ebenso wie die spezielle Reinigungslogistik sofort angewendet werden, sobald es notwendig sei.

100.000 Euro fürs Klinikum

Die Stadtverwaltung teilte am Freitagnachmittag mit, dem Klinikum 100.000 Euro Investitionshilfe geben zu wollen - für notwendige Anschaffungen medizinischer Infrastruktur und die Erweiterung der Behandlungskapazitäten. Eine entsprechende Stadtratsvorlage wird derzeit vorbereitet und soll in der kommenden Woche beschlossen werden. Oberbürgermeister Octavian Ursu sagt dazu: „Unser Städtisches Klinikum ist sehr gut aufgestellt und leistungsfähig und ergreift derzeit alle notwendigen Maßnahmen, um im Zusammenhang mit dem Coronavirus bestmöglich agieren zu können. Als Stadt Görlitz wollen wir die Arbeit in dieser besonderen Situation aktiv und unbürokratisch durch einen Investitionszuschuss aus dem städtischen Haushalt unterstützen."

Derzeit noch kein Corona-Patient

Personell werde die Infektionsstation von einem Team aus versierten Ärzten und Pflegekräften betreut. Die ärztliche Leitung werde ein sehr erfahrener Chefarzt übernehmen. Die Betreuung der Patienten soll eng mit dem Team der Intensivstation erfolgen. 

Zudem ist mit dem Landkreis und allen Krankenhäusern hier eine Reihenfolge erstellt, die festlegt, in welche Häuser Corona-Patienten gebracht werden. Auch das zweite Görlitzer Krankenhaus, das St. Carolus, hat sich in den vergangenen Tagen auf die neue Herausforderung eingestellt und eine separate Isolierstation geschaffen. Doch weder hier noch im Städtischen Klinikum mussten bislang Corona-Infizierte aufgenommen werden.  

Wenn es hart auf hart kommt, könnten auch in Görlitz bald Patienten an Beatmungsmaschinen hängen. 
Wenn es hart auf hart kommt, könnten auch in Görlitz bald Patienten an Beatmungsmaschinen hängen.  © dpa

„Angesichts der rasanten Ausbreitung müssen wir aber jederzeit damit rechnen“, sagt Dr. Eric Hempel, Medizinischer Direktor im Klinikum. Die Erfahrungen aus anderen Teilen Deutschlands und Europas zeigen, dass die meisten Verläufe mild sind. Es gebe jedoch auch schwere Erkrankungen. Dann muss der Infizierte intensivmedizinisch betreut werden.

Klinik erweitert auf 24 Intensivbetten

Die 20 bereits zur Verfügung stehenden Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit des Schwerpunktkrankenhauses sollen kurzfristig auf 24 erweitert werden. Die Klinikleitung prüfe zudem gegenwärtig, wie man noch weitere Patienten aufnehmen könne. Um alle Patienten nach ihrer Dringlichkeit der stationären Behandlung einzuschätzen, werde im gesamten Haus jetzt ein Triage-System zur Einstufung angewendet.

An das Besuchsverbot - ausgenommen Geburten und Sterbephasen - "halten sich die Angehörigen auch weitestgehend", sagt Pflegedirektorin Birgit Bieder. Für die Pflegekräfte sei auch das eine zusätzliche Herausforderung, denn Besuche sind für den Heilungsverlauf der Patienten wichtig.

„Die Maßnahmen betreffen jeden einzelnen Mitarbeiter“, sagt die Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch. Vor allem setze das Klinikum alles daran, die „anderen“ Patienten, die stationäre Hilfe brauchen, weiter versorgen zu können.

Polnische und tschechische Kollegen kommen problemlos

Zugleich wirken sich nationale und internationale Entscheidungen im Zuge der Corona-Pandemie aus, wie die Schließung von Kitas und Schulen oder der eingeschränkte Grenzverkehr. „Pendler aus Tschechien, Polen und der Slowakei weisen sich mit einem Schreiben des Klinikums als hier tätig aus und kommen zurzeit problemlos über die Grenzen“, sagt Thomas Lieberwirth, Kaufmännischer Direktor. Die Grenzschließung habe insofern keine großen Auswirkungen auf den Klinikalltag. Die personelle Situation insgesamt sei wie überall angespannt, aber es gebe keine dramatischen Ausfälle. Viele Mitarbeiter haben Kinder. „Wir sind sehr dankbar über das Angebot der Notbetreuung. Der Landkreis und die Stadt unterstützen uns“, sagt Thomas Lieberwirth weiter. Es gebe keine Einrichtung, die keine Notfallbetreuung für Kinder leistet. Das Angebot des Klinikums, individuelle Lösungen für die Kinderbetreuung zu finden, wurde bislang nicht in Anspruch genommen.

Mutter-Kind-Zentrum-Termin bleibt erstmal bestehen

Problematisch könnte wie in allen Bundesländern das Beschaffen von medizinischer persönlicher Schutzausrüstung werden. Derzeit sei noch genug da, "jedoch deuten sich bei der Nachbeschaffung Schwierigkeiten an", so Pietsch. Das Klinikum prüfe derzeit gemeinsam mit den anderen Krankenhäusern der Region und dem Landratsamt Möglichkeiten, Mund-Nasen-Schutz als Mehrwegmasken anfertigen zu lassen. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt arbeiten alle an Lösungen, die Versorgungssicherheit und den Schutz von Patienten und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Nach wie vor will das Klinikum das Frauen-Mutter-Kindzentrum Ende April in Betrieb nehmen. Das hänge jedoch davon ab, wie sich die Situation um die Ausbreitung des Coronavirus entwickele, von den Ressourcen im Krankenhaus und, ob die jetzt noch beschäftigten Bau- und Handwerkerfirmen dort weiterarbeiten können.

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