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Wo ist das Stolpener Wolfsrudel hin?

Von dem Rudel im Stolpener und Hohnsteiner Gebiet sind offenbar nur noch ein, zwei Tiere übrig. Gesichtet wurde jedenfalls nur eines.

Von Anja Weber
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Die Wildtierkamera hat einen Wolf (re.) auf dem Schirm. Die Aufnahme stammt aus  Ulbersdorf, an der Gemarkungsgrenze zu Sebnitz-Schönbach.
Die Wildtierkamera hat einen Wolf (re.) auf dem Schirm. Die Aufnahme stammt aus Ulbersdorf, an der Gemarkungsgrenze zu Sebnitz-Schönbach. © privat

Es sorgte monatelange für Aufregung, das Rudel Wölfe, welches sich offenbar im Stolpener Gebiet heimisch fühlte und sich natürlich auch mit ausreichend Nahrung versorgte. Bis in den Hohnsteiner Ortsteil Ehrenberg war das Rudel damals unterwegs, sodass man schon davon ausgegangen war, es könnte sich vielleicht bei Hohnstein ein neues Rudel angesiedelt haben. Doch dem war nicht so, wie Experten nun aus den Fakten schlussfolgern.

Mehrmals wurde das Rudel  vor allem von einer im Bereich Stolpen/Dobra angebrachten Wildtierkamera eingefangen. Einer der Welpen aus dem neuen Rudel wurde bei einem Unfall am 7. November 2017 zwischen Dobra und Stolpen getötet, das ist nachgewiesen.  Wolfsexperten hatten das Rudel erstmals in der Saison 2017/18 nachweisen können. Im vergangenen Jahr war dann nur noch ein einzelner Wolf beobachtet worden. Für die aktuelle Saison fehlen  noch ausreichend Sichtungen und Fotobeweise.  

Ein Stolpener Wolf hatte übrigens zu Pfingsten dieses Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als ein kleiner zutraulicher Wolfswelpe in Burkau, Landkreis Bautzen, direkt vor Spaziergängern auftauchte. Die Untersuchung hat ergeben, dass der Welpe einer Fähe zugeordnet werden kann, die im Monitoringjahr 2018/19 im Bereich der Massenei nachgewiesen wurde.  Später wurden von den Wildkameras im Raum Stolpen keine Wölfe mehr "eingefangen", war zu erfahren. Vielleicht hat sich der einzelnen Wolf doch zurückgezogen, streift einsam durch die Gegend oder er hat ein neues Rudel gegründet, von dem bislang noch niemand weiß.

Sicher ist auf jeden Fall, dass sich  nahe Hohnstein ein Wolf weiter heimisch fühlt. Er wurde erst kürzlich von einer Wildkamera in Ulbersdorf an der Gemarkungsgrenze zu Sebnitz-Schönbach aufgenommen. Und Jäger sagen, dass es möglicherweise sogar zwei Wölfe sein könnten. Zumindest wurden zwei Tiere bei der  Treibjagd  vor Kurzem im Schwarzbach- und Sebnitztal sowie am Ziegenrücken bei Ulbersdorf gesichtet. Aufnahmen davon gibt es jedoch nicht.

Dass es in der Gegend um Hohnstein Wölfe geben muss, bestätigte unlängst auch Frank Röllig, Leiter des Hegeringes Oberes Sebnitztal. Bei ihm laufen Beobachtungen aus dieser Region zusammen. Nach der Auswertung ist er sicher: Es sind Wölfe im Revier. Dazu kommt das aktuelle Verhalten der Wildschweine. Die treten vermehrt in ungewöhnlich großen Rotten auf, sie haben gelernt, sich so vor dem Wolf zu schützen. Darüber sind sich Jäger nicht nur in der Sächsischen Schweiz einig.

Im Gegensatz zu den anfänglichen Übergriffen der Wölfe auf Schafe, Muffelwild oder auch Kälber in unserer Region gibt es derzeit kaum Meldungen über gerissene Nutztiere. Das wiederum könnte dafür sprechen, dass der Bereich nur Durchzugsgebiet einzelner Wölfe ist. Doch ob sich tatsächlich das Stolpen-Hohnstein-Rudel aufgelöst hat oder anderenorts ein neues gebildet hat, das können Wildexperten erst mit dem Abschluss und nach Auswertung der aktuellen Saison sagen.