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Was die Verkehrsstatistik über Corona sagt

Staus und jede Menge Straßenverkehr sind wieder Alltag. Ist das ein Indiz für die wirtschaftliche Erholung?

Auf der B6 bei Stolpen sind nicht nur Ausflügler unterwegs.
Auf der B6 bei Stolpen sind nicht nur Ausflügler unterwegs. © Steffen Unger

Es ist Glück, wenn man derzeit nur eine Ampelphase braucht, um auf der B172 schnell durch Pirna zu fahren. Wartezeiten sind die Regel. Die Sommerferien bringen jede Menge Urlauber in die Sächsische Schweiz. Da sehnen sich so manche Anlieger und Berufskraftfahrer nach den freien Straßen während des Corona-Lockdowns im März und April dieses Jahres. Auch sind gefühlt wieder viel mehr Lkws unterwegs. 

Bedeutet dies, dass sich die Wirtschaft immer mehr erholt? Jedenfalls ist der Verkehr ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Sächsische.de erklärt die Zusammenhänge anhand der Zahlen der automatischen Zählstellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

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Exportwirtschaft bricht ein - bis heute

Der meiste Verkehr im Landkreis rollte am Anfang des Jahres über die Autobahn A17 bei Breitenau. Im Januar waren es im Durchschnitt rund 14.600 Fahrzeuge täglich, im Februar sogar mehr als 15.000. Der Anteil an Lastkraftwagen betrug mehr als ein Drittel. 

Als Tschechien die meisten Grenzübergänge geschlossen hatte und nur noch wichtige Wirtschaftsgüter transportiert werden durften, sank das Verkehrsaufkommen um ein Drittel im März und um ein weiteres Drittel im April. Im Mai ging es zwar wieder rauf, aber die Zahlen liegen noch immer weit von Februar und sogar vom März entfernt.

Nach Angaben der IHK Dresden sind die Auslandsumsätze der sächsischen Wirtschaft von Januar bis Mai dieses Jahres um 25 Prozent gegenüber 2019 eingebrochen. Da kamen der Bezirk Dresden mit einem Rückgang von 18,7 Prozent und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 20 Prozent noch relativ gut weg. 

Für das Auslandsgeschäft mit Tschechien gibt es zwar bisher keine extra Zahlen. Doch der reduzierte Verkehr auf der A17 dürfte sowohl im Abflauen der Wirtschaft in drei Industriebereichen als auch im fehlenden Grenz-Tourismus liegen. Letzteres wird an der Zahl der Pkws deutlich, die sich an der A17 in Breitenau im Mai im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert hat. Der Lkw-Verkehr liegt dagegen lediglich 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau im Mai.

Wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden mitteilte, waren die drei umsatzstärksten Branchen für das Auslandsgeschäft mit Tschechien im ersten Quartal 2020 der Fahrzeugbau (132 Millionen Euro), der Maschinenbau (68 Mio.) sowie Elektrotechnische Erzeugnisse (32 Mio.). Sie umfassten etwa 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens von 592 Millionen Euro. Die Zahlen für das zweite Quartal, in dem sich Corona besonders stark auswirkte, werden demnächst erwartet. 

Die dürften verheerend sein, nimmt man das Verkehrsaufkommen als anerkannten Indikator für die Wirtschaft. Im Vergleich zum Mai 2019 hat sich das Verkehrsaufkommen im Mai dieses Jahres auf Sachsens Autobahnen um mehr als ein Viertel reduziert. Auf den Bundesstraßen wurden etwa 20 Prozent weniger Fahrzeuge registriert, auf den Staatsstraßen etwa 15 Prozent weniger. 

Dass die genannten Branchen weiterhin leiden, bestätigt auch die Arbeitsagentur. Zahlreiche Betriebe hätten weiterhin Kurzarbeit für ihre Beschäftigten angemeldet. Konkrete Zahlen ermittelt die Behörde aber noch.

Über diese Induktionsschleifen im Asphalt wird bei Obercarsdorf die Zahl der Fahrzeuge gemessen, die auf der Bundesstraße B 170 unterwegs sind.
Über diese Induktionsschleifen im Asphalt wird bei Obercarsdorf die Zahl der Fahrzeuge gemessen, die auf der Bundesstraße B 170 unterwegs sind. © Karl-Ludwig Oberthuer

Tourismus boomt mehr als zuvor

Während es auf der A17 entspannter vorwärts geht als im Vorjahr, ist in Heidenau und Königstein wieder der Normalzustand auf den Straßen erreicht. An der Zählstelle auf der S172 an der Pechhütte lag die Verkehrsstärke im April 30 Prozent unter der des Vorjahres. Im Mai waren es nur noch 6,6 Prozent darunter. In der Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH (List) geht man davon aus, dass es im Juni eine weitere Steigerung gab, sodass wieder das alte Niveau erreicht ist.

Touristiker vermuten sogar, dass es mehr Autos als je zuvor sein könnten. Denn die Tourismusregion Sächsische Schweiz erlebt einen besonderen Ansturm, weil Urlaub in Deutschland gerade Hochkonjunktur hat und der Anteil ausländischer Touristen - die weiterhin in Sachsen in Größenordnungen fehlen - hier nicht so stark ausgeprägt war.

An der B172 in Königstein registrierte die automatische Zählstelle im Mai noch 15,5 Prozent weniger Verkehr als im Vorjahr. Allerdings waren auch erst ab Mitte Mai wieder touristische Übernachtungen möglich. Seitdem ist die Auslastung in Hotels und Ferienwohnungen sowie auf Campingplätzen enorm gestiegen.

Osterzgebirge stabiler in der Krise

Auffällig ist in Dippoldiswalde, dass der Corona-Einbruch beim Verkehrsaufkommen niedriger ausgefallen ist, als andernorts. Hier rollen hauptsächlich Pkws. Der Anteil der Lkws liegt bei weniger als fünf Prozent. Das dürfte auf intensive Pendlerströme hindeuten, die auch im Lockdown fortbestanden. Zum Vergleich: Auf der A17 bei Breitenau ist jedes zweite beziehungsweise dritte Fahrzeug ein Lkw. Bevor es die A17 gab, sind viele der Brummis über die B170 gerollt. 

Der Lkw-Verkehr rund um die Bundesstraße war in der Corona-Zeit kaum verändert. Das könnte auf stabile Wirtschaftsverflechtungen der Betriebe im Osterzgebirge hindeuten, heißt es von der IHK. Genauere Bewertungen erhofft sich die Kammer aus den Wirtschaftsdaten für das zweite Quartal.

16 Zählstellen im Landkreis

Die Bundesanstalt für Straßenwesen und der Freistaat betreiben zusammen derzeit 99 Dauerzählstellen an Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen. Davon stehen 16 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Der meiste Verkehr in Sachsen wurde auf der A4 an der Anschlussstelle Dresden-Nord gemessen. Nur etwas weniger war es auf dieser Autobahn bei Birkenhain. Die Staatsstraße mit dem höchsten Verkehrsaufkommen ist die S172 in Heidenau. Den Höchstwert in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 gab es an der automatischen Zählstelle vor der Pechhütte mit 16.818 Fahrzeugen am Freitag, dem 29. Mai.

Auch in Heidenau vor der Pechhütte ist eine automatische Zählstelle für Fahrzeuge an der B 172 installiert worden.
Auch in Heidenau vor der Pechhütte ist eine automatische Zählstelle für Fahrzeuge an der B 172 installiert worden. © Egbert Kamprath

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