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Strenge Regeln fürs Abschiednehmen

Zum Schutz vor Corona sind Trauerfeiern und Bestattungen nur noch in kleinem Kreis möglich. Ohne Umarmungen.

Friedhöfe wie der in Kühnicht in Hoyerswerda sind derzeit wenig besucht. Nur maximal 15 Trauergäste dürfen einem oder einer Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. Manche Urnenbeisetzung wird daher auf später verschoben.
Friedhöfe wie der in Kühnicht in Hoyerswerda sind derzeit wenig besucht. Nur maximal 15 Trauergäste dürfen einem oder einer Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. Manche Urnenbeisetzung wird daher auf später verschoben. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko, Sabine Larbig, Constanze Knappe und Ralf Grunert

Hoyerswerda/Weißwasser. Strahlende Frühlingssonne draußen und feierliche Stille drinnen. In Bestattungshäusern herrscht diese gedämpfte Atmosphäre, weil dort die Mitarbeiter mit den Angehörigen die würdevolle Beisetzung des Verstorbenen vorbereiten.

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Das geschieht das ganze Jahr über, jetzt sind aber wegen der Corona-Pandemie besondere Vorschriften aufgrund des Sächsischen Infektionsschutzgesetzes zu beachten. Erlaubte die Allgemeinverfügung des Freistaates Sachsen vom 18. März noch hundert Gästen, zur Trauerfeier und zur Beisetzung zu kommen, wenn sie den Abstand von 1,50 Meter einhalten, wurde die Zahl mit der Allgemeinverfügung vom 22. März auf 15 enge Angehörige begrenzt. Diese Zahl gilt sachsenweit.

Trauerhallen in Hoyerswerda zu

Zusätzlich sind seit dem 25. März die Trauerhallen aller Hoyerswerdaer Friedhöfe geschlossen, die Verabschiedung von dem oder der Toten kann nur noch direkt am Grab erfolgen. Trauergäste sollen auch ihre Kontaktdaten angeben, damit das Gesundheitsamt bei einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 Infektionsketten schneller nachvollziehen kann. Diesen Beschluss fassten am 24. März Vertreter aller hiesigen Bestattungsinstitute in einer Beratung mit dem Hoyerswerdaer Sozialbürgermeister Mirko Pink. Erreicht werden soll natürlich, dass sich am Friedhof weder Trauergäste noch der Trauerredner, der Bestatter oder Friedhofsmitarbeiter mit dem Corona-Virus anstecken. So ist es mittlerweile auch anderswo, zum Beispiel in Lauta.

Wie sich diese begrenzte Gästezahl bei einer Beisetzung auswirkt, hat der Bestatter Heiko Schulze vom Bestattungsinstitut Gerd Schulze Hoyerswerda am 23. März erlebt. Die fünf Kinder der Verstorbenen standen mit ihren Partnern im vorgegebenen Abstand am Grab auf dem Waldfriedhof. Die meisten Enkel, Freunde und Nachbarn durften leider nicht an der Bestattung teilnehmen. Sie können später in Gruppen zu zwei Personen ans Grab treten und sich verabschieden, ergänzt der Bestatter Thomas Konieczny. Insgesamt haben die Menschen Verständnis für die strengen Regeln. Einige Familien verschieben Urnenbeisetzungen jedoch auf später, was nach dem Sächsischen Bestattungsgesetz über einen Zeitraum von sechs Monaten möglich ist.

Thomas Konieczny nennt einen Grund für die Schließung der Trauerhallen in Hoyerswerda. Die Räumlichkeiten müssen nach jeder Benutzung desinfiziert werden. Desinfektionsmittel sind aber knapp und es fehlt an Personal für diese Aufgabe. Barbara Bausch vom Bestattungshaus Bausch-Nowotne Hoyerswerda erklärt, dass die Trauergäste in einer Halle eher aufeinander zugehen und sich umarmen. Weil dadurch die Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus wächst, findet sie die Trauerfeier am Grab sinnvoll. „Eine Beerdigung kann man nicht nachholen“, sagt sie.

In Weißwasser nicht geschlossen

In Weißwasser gibt es keine Einschränkungen über die Allgemeinverfügung hinaus. Es finden Trauerfeiern statt wie auch die Beratungsgespräche dazu. „Für die Sicherstellung der Arbeit im Bereich Friedhof hat die Stadtverwaltung Mitarbeiter aus anderen städtischen Sachbereichen abgezogen und vor Ort eingesetzt“, erklärt Stadtsprecher Wulf Stibenz. Die Zusammenarbeit mit den Bestattern funktioniere sehr gut. Um in der angespannten Situation die Arbeit bestmöglich gewährleisten zu können, informiere die Stadt die Bestatter zusätzlich über die geltenden Vorschriften, Regelungen und Empfehlungen, sagt er.

Dass es bis auf die Größe der Trauergesellschaft und einzuhaltende Hygienemaßnahmen keine weiteren Regelungen gibt, bestätigt Michael Rogenz vom Bestattungshaus Rogenz in Weißwasser. Trauerfeiern laufen laut Absprache ab. Allerdings gebe es Lieferengpässe bei Blumen, da wegen der weltweit fehlenden Anbieter in Holland keine Blumenversteigerungen mehr stattfinden. „Wir greifen bei Trauerfeiern daher inzwischen auf bepflanzte Blumenschalen und Kunstblumen zurück“, sagt er.

Verabschiedung direkt am Grab

Die Stadt Lauta beabsichtigt im Moment nicht, Trauerfeiern komplett zu untersagen. Das sei auch eine Frage der Pietät, die Möglichkeit zu haben, sich von einem Angehörigen zu verabschieden, betont Bürgermeister Frank Lehmann. Daher können Trauerfeiern im Rahmen des Machbaren stattfinden – inzwischen aber auch hier nur noch ohne Inanspruchnahme einer Trauerhalle. Die Stadt Wittichenau verfügt lediglich über einen kommunalen Friedhof, den in Spohla. Für die Nutzung der Trauerhalle gibt es keine weiterführenden Vorgaben, wie Bürgermeister Markus Posch sagt. Es würde aber, sollte dies notwendig sein, den Hinweis geben, den Kreis der Trauergäste so klein wie möglich zu halten. Auf dem Friedhof der Katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, wo die meisten Verstorbenen aus Wittichenau und den Ortsteilen bestattet werden, gilt wie überall, dass nicht mehr als 15 Personen an der Trauerfeier teilnehmen dürfen. Und auch die Trauerfeier selbst werde möglichst kurz gehalten, es erfolgt auf dem Friedhof nur die Bestattung, kein Requiem, kein Rosenkranz. Wie Pfarrer Wolfgang Kresak sagt, sei aber vorgesehen, nach der Corona-Krise ein Requiem für alle in dieser Zeit Verstorbenen abzuhalten.

Die sieben kommunalen Trauerhallen in der Verwaltungsgemeinschaft Schleife (mit den Gemeinden Schleife, Groß Düben und Trebendorf) sind nicht grundsätzlich geschlossen. Es bleibe Bestattern überlassen, unter Beachtung der Allgemeinverfügung die Trauerhallen zu nutzen, heißt es aus der Verwaltung. Aber auch, dass wegen der geringen Personenzahl und Beschränkung auf enge Angehörige die Verabschiedung zumeist in den Räumen der Bestatter selbst erfolgt oder gleich direkt am Grab.

Blumenläden, die nicht für den allgemeinen Verkauf öffnen dürfen, nehmen vielfach Aufträge für Gestecke, Trauergebinde und Kränze entgegen, die man dann zum festgelegten Termin abholen kann. Blumenhändlerin Petra Laupitz aus Klitten liefert darüber hinaus direkt auf den Friedhof – auch im Auftrag von Menschen, die wegen der Corona-Einschränkungen nicht persönlich Abschied nehmen dürfen.

Kleine Auswahl an Grabschmuck

Das bietet auch das Blumenhaus Kockot in Uhyst an. Wegen der stark begrenzten Anzahl von Trauergästen sei der Bedarf an Grabsträußen gesunken. „Blumen, Gebinde und Kränze gibt es auch nicht in der großen Auswahl wie sonst, da der Handel derzeit nicht über die große Börse in Holland läuft“, sagt Siegmund Kockot. Bei ihm bekommt man Gutscheine für Grabschmuck, falls eine Urnenbeisetzung wegen der Corona-Regeln auf später verschoben wird.Die Beschränkungen gelten nicht für den handwerklichen Bereich der Grabbepflanzung. Das Blumenhaus Kockot kümmert sich um etliche Pflegegräber auf dem Friedhof in Uhyst, weil Hinterbliebene weit entfernt wohnen oder aber weil die Angehörigen selber der Pflege bedürfen.

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