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Meißen

Stressabbau mit Schafen

Ein Milchschafhof bietet Wanderungen mit knuddeligen Vierbeinern an. Die Tiere werden dabei an der Leine geführt.

Marion Knutti vom Saultitzer Milchschafhof liebt diese Schafe wie ihre eigenen Kinder. Jetzt bietet sie ungewöhnliche Wanderungen mit den Schafen an.
Marion Knutti vom Saultitzer Milchschafhof liebt diese Schafe wie ihre eigenen Kinder. Jetzt bietet sie ungewöhnliche Wanderungen mit den Schafen an. © Claudia Hübschmann

Nossen. Du bist ein Schaf – wer den Spruch zu hören bekommt, sollte ihn als Kompliment auffassen. Denn diese Tiere sind schlau, empathisch und sensibel. 

Marion Knutti vom Saultitzer Milchschafhof holt sich fast jeden Tag nach der Arbeit eine Portion Ruhe bei den knuddeligen Vierbeinern ab. Sie ist das „Leittier“ der kleinen sechsköpfigen Herde, darunter befinden sich auch Vierlinge. „Das sind alles meine Kinder. Ich habe sie mit der Flasche aufgezogen.“ Wer will, kann diese Tiere ab sofort auch besser kennenlernen – und zwar bei einer Wanderung mit den Schafen an der Leine. „Die Mähs verschenken großzügig Gelassenheit und Ruhe, Freundschaft und Vertrauen“, das verspricht die Schäferin.

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Zwar sind Schafe eigentlich Fluchttiere und nicht zutraulich, aber Marions Tiere sind an Menschen gewöhnt. Sie musste die Lämmer mit der Flasche aufziehen. Das passiert immer wieder, wenn ein Wurf eines Muttertiers zu groß ist. Danach kommen die Tiere normalerweise zur großen Herde zurück – der Hof hat etwa 80 Tiere. Aber diese sechs, ein Jahr alten Tiere „waren mehr auf mich geeicht als andere Lämmer zuvor“, erzählt sie. 

So ging sie regelmäßig zu ihren Schafen: „Das war Entspannung nach der Arbeit. Ich habe richtig gemerkt, wie ich ruhiger wurde.“ Und dann ist sie mit den Schafen auch spazieren gegangen, die Tiere liefen einfach mit. Schließlich ist Marion ja das Leittier. Ihre Freundin brachte sie auf die ungewöhnliche Idee, mit den Schafen an der Leine wandern zu gehen. „Wir haben es dann mit Familien mit Kindern probiert. Es hat super geklappt.“ 

Fast ein dreiviertel Jahr übte Marion Knutti mit den Schafen. Behutsam wurden sie auch daran gewöhnt, nicht zu erschrecken, wenn ein Kind plötzlich laut schreit oder ein Auto hupt. Denn all das würde diese Fluchttiere zum Wegrennen animieren. „Jetzt lassen sich die Schafe gut an der Leine führen.“ Auch vor Hunden nehmen sie nicht Reißaus. Die Leine diene aber eher als Spaßfaktor, „man kann sie auch loslassen.“ Die Tiere flüchten trotzdem nicht, „Leittier“ Marion ist ja immer dabei. Und sollte ein Hund einem Schaf doch einmal Angst machen, „dann kümmere ich mich um den Hund“, sagt Marion Knutti lachend.

Vor der Wanderung kann man sich sein Lieblingstier aussuchen. Denn jedes Schaf hat einen eigenen Charakter, erzählt Marion Knutti. So ist beispielsweise Grazy sehr sensibel, vor allem wenn er an der Leine eines Kindes geführt wird. „Ein Junge wollte ihn nach der Wanderung gar nicht wieder hergeben, so verliebt hatte er sich in das Tier.“ Wichtig ist, sich auf das Tier einzulassen. Kinder haben dabei zumeist keine Probleme. „Hat beispielsweise jemand Stress, merkt ein Schaf das sofort. Ein Schaf ist wie unser Spiegel“, sagt Marion Knutti. „Und dadurch wird man ruhiger“, schildert sie ihre Erlebnisse. 

Schaf Prinz Charming – benannt nach der Figur aus einer Animationskomödie – sei wiederum ein Dominator und zugleich ein bisschen eitel, aber auch ein Sensibelchen. „Er ist sehr schmusebedürftig.“ Überhaupt wollen alle Schafe geknuddelt werden“, sagt die Schäferin. Und „die schwarze Negra ist vor allem auf Männer geeicht. Da wird auch schnell mal gekusselt“, erzählt Marion Knutti lachend. „Schafe empfinden aber auch Antipathie.“ So kann die Schäferin ganz schnell erkennen, welche Vier- und Zweibeiner am besten zusammen passen.

Wer Lust auf eine ungewöhnliche, erlebnisreiche Wanderung mit Schafen an der Leine hat, kann einen Termin vereinbaren. Besonders geeignet ist das Vergnügen für Familien mit Kindern. Eine Wanderung in der Umgebung des Saultitzer Milchschafhofs dauert je nach Wahl eineinhalb oder drei Stunden. Eine Pause ist auch dabei. Dabei kann man auch erleben, dass Schafe „reichlich Schabernack treiben. Ein anschließendes Dauergrinsen der Teilnehmer ist garantiert“, meint Marion Knutti.

Am 1. Mai lädt der Milchschafthof von 10 bis 17 zum Hoffest ein. An diesem Tag werden auch die Wanderschafe vorgestellt. Infos unter www.schuberts-milchschafhof.de.