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Totsanierte Wohnungen schrecken Bildhauerin ab

Petra Wagner hat nach vier Wochen Probewohnen in Görlitz erst einmal genug. Ein finnischer Kulturjournalist dagegen nicht.

Die Bildhauerin Petra Wagner bleibt vorerst in Brandenburg. Ihre Verkaufsschau in Görlitz hat zu wenig Geld eingespielt.
Die Bildhauerin Petra Wagner bleibt vorerst in Brandenburg. Ihre Verkaufsschau in Görlitz hat zu wenig Geld eingespielt. © Pawel Sosnowski

Sie war sich völlig sicher. „Nur die Wohnung fehlt noch, dann ziehen wir her“, hat Petra Wagner der SZ Anfang Januar gesagt. Die 54-Jährige und ihr Lebensgefährte Michael Staib haben vier Wochen lang am Projekt „Stadt auf Probe“ teilgenommen. Vier Wochen lang bekamen sie Wohn- und Arbeitsraum gestellt, vier Wochen lang lebten sie mietfrei in Görlitz. Jetzt ist das Paar auf seinen Hof im brandenburgischen Görzig zurückgekehrt. Die beiden haben es sich anders überlegt. Bevor sie in Rente gehen, sagt Petra Wagner, werden sie nicht nach Görlitz ziehen. Leider mache es wenig Sinn, als freischaffender Künstler zu versuchen, ein Einkommen in Görlitz zu erzielen. Die Bildhauerin hatte vier Wochen lang ihre Werke bei „Neun Görlitz“ am Fischmarkt ausgestellt. Geld kam dabei nicht genug rein. Besonders negativ habe sie der Immobilienmarkt überrascht, mit „völlig totsanierten Altbauwohnungen und leeren Spekulationsimmobilien“, sagt Wagner. „Ganz aus dem Fokus ist Görlitz nicht gerückt, wird aber erst wieder interessant für uns werden, wenn wir unser Berufsleben beenden.“ Von Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, von der Fußläufigkeit schwärmt die gebürtige Rheinland-Pfälzerin noch immer. Besonders der Lehrerchor habe ihr gefallen.

Mark Mallon und seine Frau Venla Saalo konnten die vier Wochen überzeugen. „Wir werden in diesem Jahr umziehen“, sagt der finnische Lyriker und Chefredakteur einer finnischen Kulturzeitschrift. Ab Mai sind er und seine Frau Görlitzer. „Wir haben Görlitz vorher als eine attraktive, vielseitige Stadt empfunden, und an der Empfindung hat sich bis jetzt nichts verändert. Die Leute interessieren sich auf eine positive Weise für Neuankömmlinge und es ist leicht und schnell, in Görlitz Sachen zu erledigen, da alles auch zu Fuß gut erreichbar ist.“ Negativ seien ihm fehlende Zebrastreifen und Ampeln in der Südstadt aufgefallen. Die Stimmung in der Oberlausitz findet Mallon besonders, sagt er. Die Menschen seien zurückhaltend, „aber doch irgendwie offen und freundlich.“ Das Schriftsteller-Paar zieht aus Berlin her, wo es mehrere Jahre gelebt haben. Dreck, Lärm und Chaos wurden ihnen in der begehrten Hauptstadt zu viel.

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