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Bischofswerda

Traumblick im Angebot

Neukirch versteigert bis zu sechs Grundstücke für Eigenheime. Bauen darf man dort aber noch nicht.

Neukirchs Bauamtsleiterin Cornelia Würz-Lehmann hat Grund zur Freude: Schon bald kann sie Bauwilligen attraktive Grundstücke am Weberweg anbieten. Bis die Bauherren einen Kaufvertrag in der Hand halten können, dauert es aber bis nächstes Jahr.
Neukirchs Bauamtsleiterin Cornelia Würz-Lehmann hat Grund zur Freude: Schon bald kann sie Bauwilligen attraktive Grundstücke am Weberweg anbieten. Bis die Bauherren einen Kaufvertrag in der Hand halten können, dauert es aber bis nächstes Jahr. © Steffen Unger

Neukirch. Meist beginnt der Traum vom Eigenheim beginnt mit der Suche nach dem perfekten Bauland. Die aber kann derzeit für Häuslebauer schnell zum Albtraum werden. Städte und Gemeinden verfügen kaum noch über freie Flächen, Privatpersonen verkaufen ihren Grund derzeit nur selten. Das spielt dem Bestreben, Zuwanderung in ländliche Regionen zu fördern um dem demografischen Wandel Einhalt zu gebieten, nicht eben in die Hände.

Um in Zeiten des Wohnraummangels dennoch mit interessanten Angeboten attraktiv zu bleiben, beschloss der Neukircher Gemeinderat in seiner Sitzung im Mai die Anwendung eines überraschenden, aber simplen Kniffs: Demnächst beginnt die Valtenberggemeinde mit der Vermarktung von Grundstücken, die es genaugenommen noch gar nicht gibt.

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Das gewagte Vorhaben zielt ab auf eine, reichlich 4 700 Quadratmeter große Freifläche an der Kreuzung von Weberweg und Bergstraße. Bis zu sechs Eigenheimstandorte wären auf dem Areal westlich des Weberwegs denkbar – jeder von ihnen etwa 800 Quadratmeter groß. „Das ist eine beachtliche Größe und außerdem befinden sich die Grundstücke in toller Lage“, schwärmt Bürgermeister Jens Zeiler (CDU).

Die Sache jedoch hat einen Haken. Auf der Fläche, auf der bis vor zehn Jahren noch ein Gebäude stand, in dem einst die Kindertagesstätte Schlumpfenhaus untergebracht war, darf nicht gebaut werden – jedenfalls nicht sofort. Der Abriss der leerstehenden Immobilie wurde finanziell erst mit dem 2009 aufgelegten Brachflächensanierungsprogramm der Bundesregierung möglich. Der Abbruch des Hauses schlug damals mit 95 000 Euro zu Buche. 90 Prozent der Kosten stellte der Bund aus Fördertöpfen bereit. „Derzeit gilt für das Areal noch eine Zweckbindungsfrist bis Februar 2020“, erklärt Jens Zeiler. Sollte vor deren Ablauf mit der Bebauung des Grundstücks begonnen werden, droht der Gemeinde die Rückzahlung eines Teils der Fördersumme – konkret handelt es sich dabei um bis zu 15 Prozent der bereitgestellten Mittel.

Den Kaufvertrag gibt es erst später

Ein Zwiespalt für Neukirch, denn: „Es gibt Bauwillige, die schon mit den Füßen scharen und endlich mit den Planungen beginnen wollen“, begründete der Bürgermeister gegenüber seinem Gemeinderat die Eile bei der Vermarktung der noch nicht parzellierten Flächen. Um dem Drängen der Interessenten genüge zu tun und dennoch nicht den Verlust bereits ausgezahlter Fördermittel zu riskieren, stimmte der Gemeinderat einvernehmlich für eine ungewöhnliche Art der Ausschreibung.

Bereits im dritten Quartal diesen Jahres soll die Frist für den Verkauf der Grundstücke beginnen, verrät Bauamtsleiterin Cornelia Würz-Lehmann. „Kaufinteressenten können dann ein Gebot für die jeweiligen Flächen abgeben.“ Jeder verkaufte Quadratmeter soll Neukirch 42,50 Euro ins Gemeindesäckel spülen – mindestens. „Den Zuschlag bekommt, wer das höchste Gebot abgibt“, fährt Jens Zeiler fort.

Bis an diesen Punkt ist das Prozedere der Gemeinde nichts ungewöhnliches. Nach Zuschlagserteilung können die Meistbietenden unmittelbar mit den Planungen für das neue Heim beginnen. Einen Kaufvertrag aber bekommen sie bis zum Ende der Zweckbindungsfrist am 1. März 2020 nicht. Darauf drängte bei der Sitzung des Gemeinderates insbesondere Kämmerin Petra Goldberg-Hübner. Sie betonte, dass die planungsseitige Vorbereitung der Baumaßnahmen und die Bekundung von Kaufinteresse zwar nicht förderschädlich sei, die Gemeinde aber keinesfalls vorzeitlich vertragliche Bindungen eingehen dürfe.

Im Zuge der Verkäufe will die Gemeinde die Grundstücke zudem vollständig erschließen. Bislang liegt auf dem Areal lediglich Abwasser an. Im gleichen Atemzug ist der grundhafte Ausbau des entsprechenden Abschnitts des Weberwegs geplant. Unklar ist derzeit noch, wie die Zukunft für die gegenüberliegende Brachfläche östlich des Weberwegs aussieht. Über dieses Gelände kann die Gemeinde nicht verfügen. Es befindet sich in Privatbesitz.

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Die Grundstücke am Weberweg dürften dennoch nicht die Letzten sein, die von der Gemeinde auf ungewöhnlichem Weg veräußert werden. Ein ähnliches Prozedere könnte beim Verkauf der Brachfläche an der Alten Straße bevorstehen. Die dortige Lederfabrik war vor etwa fünf Jahren den Abrissbaggern zum Opfer gefallen – wiederum finanziert mit Mitteln aus dem Brachflächensanierungsprogramm des Bundes. „Wenn dort die Zweckbindungsfrist nach Ablauf der zehn Jahre endet, werden wunderschöne Grundstücke entstehen“, ist sich Cornelia Würz-Lehmann sicher.

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