merken
PLUS Döbeln

Roßwein: Treiben Waschbären ihr Unwesen?

Als Wolfgang Haschlar morgens in den Steingarten in Roßwein kommt, traut er seinen Augen nicht. Mehrere Pflanzen sind herausgerissen.

Wolfgang Haschler begutachtet in seinem Garten in Roßwein den Schaden, den offensichtlich Waschbären angerichtet haben. Die Tiere haben unter anderem Eisbegonien ausgebuddelt.
Wolfgang Haschler begutachtet in seinem Garten in Roßwein den Schaden, den offensichtlich Waschbären angerichtet haben. Die Tiere haben unter anderem Eisbegonien ausgebuddelt. © Norbert Millauer

Roßwein. Familie Haschlar hat sich am Rande des Wohngebiets „Wanne“ ein idyllisches Wohnumfeld geschaffen. Der Garten rund ums Haus gleicht einem kleinen Park.

Akkurat haben die beiden Senioren Büsche und Stauden gepflanzt. Eine kleine Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein. Beim Betrachter des Gartens entsteht sofort Urlaubsfeeling.

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Helga Haschlar verbringt viel Zeit in ihrem Garten am Haus. Umso mehr ärgerte sie sich, als ihr Mann Wolfgang vor wenigen Tagen ins Haus kam und berichtete, dass jemand über Nacht sein Unwesen im Garten getrieben haben muss. „Wir hatten auch schon gleich einen Verdacht“, sagt Wolfgang Haschlar. Und der bestätigte sich bei näherem Hinsehen: „Es waren die Waschbären“, sind sich die beiden Senioren sicher.

Die liebevoll gepflanzten Eisbegonien liegen trostlos neben den Pflanzkübeln. Und auch einige winterharte Stauden mussten daran glauben und wurden von den Tieren herausgerissen. An mehreren Stellen ist der Rindenmulch durchwühlt, teilweise kleine Löcher gegraben.

Waschbären haben Nachwuchs bekommen

„Dass hier Waschbären sind, wissen wir schon seit ungefähr einem Jahr“, erzählt Wolfgang Haschlar. Bislang hätten sie aber keine größeren Schäden angerichtet. Nun habe sich aber offensichtlich bei der Waschbären-Familie Nachwuchs eingestellt. In den letzten Tagen haben die Eheleute des Öfteren vier Jungtiere gesehen, auch tagsüber. Einer habe sogar mal den ganzen Tag vor der Haustür geschlafen und sich in keinster Weise stören lassen.

„Die sehen ja niedlich aus, aber ein bisschen Respekt habe ich vor den Tieren“, sagt Helga Haschlar. Und ihr Mann ergänzt: „Ich bin mal auf einen zugegangen und wollte ihn verjagen, da hat der mich angeknurrt und ist nicht zurückgewichen.“

Die Eheleute sind sich sicher, dass die Waschbären ihr Domizil in einer benachbarten Lagerhalle eingerichtet haben. „Früher war das eine Halle des Schmiedewerkes“, erklärt Wolfgang Haschlar. Seit der Wende nutze der Stadtbauhof das Gebäude zur Lagerung von Materialien. Bauchofchefin Monika Weigel bestätigt das. „Wir lagern dort unter anderem Material für das Schul- und Heimatfest“, sagt sie. Ein Vorteil sei, dass die Halle hochwassersicher ist. Nur ganz selten kommt mal jemand vorbei, so dass die Tiere dort offenbar ihre Ruhe haben.

Reparatur noch dieses Jahr

„Das Dach ist kaputt und an den Außenwänden gibt es auch einige Stellen, an denen die Tiere reinkönnen“, sagt Wolfgang Haschlar. Er habe die Stadtverwaltung schon darüber informiert, dass sich die Waschbären dort eingenistet haben. „Dass das Dach kaputt ist, wissen wir. Noch dieses Jahr soll die Reparatur erfolgen“, hofft Monika Weigel. Voraussetzung sei, dass die Finanzierung klappt.

Schnelle Hilfe gegen die Waschbären können die Haschlars allerdings momentan nicht erwarten. „Die Stadt hat mit einem Jäger Kontakt aufgenommen und erfahren, dass die Tiere derzeit unter Schutz stehen, weil sie Junge haben“, so Wolfgang Haschlar.

Aus Gesprächen wisse er, dass in der Wanne-Siedlung noch mehr Waschbären unterwegs sind. „An der Auenstraße soll jemand über mehrere Jahre schon an die 60 Tiere gefangen haben“, hat der Senior erfahren. „Die Tiere würden dort am Bahndamm „wohnen“. Durch Züge werden sie wegen der Stilllegung der Bahnstrecke kaum gestört.

Wie Sächsische.de vor wenigen Tagen von Horst Reisig, Vorsitzender des Jagdverbandes Döbeln erfahren hat und berichtete, haben sich die Waschbären schleichend in der Region ausgebreitet. Jedes Jahr seien mehr hinzugekommen. Das zeigen auch die Zahlen der erlegten Waschbären. Wurden 2008/2009 32 Tiere von den Jägern zur Strecke gebracht, waren es knapp zehn Jahre später 2018/2019 schon 1.579, im Jahr zuvor sogar 1.873.

Haltung nicht zulässig

Immer öfter komme es vor, dass Anwohner auf dem eigenen Grundstück Fallen aufstellen, sagt Reisig. Laut dem Sächsischen Jagdgesetz dürfen Waschbären in einem befriedeten Bezirk, wie zum Beispiel in Gebäuden, Höfen oder Gärten auch von Personen ohne Jagdschein gefangen werden. Allerdings nur mit Lebendfallen. Doch wohin dann mit dem Waschbären?

Auf keinen Fall an einer anderen Stelle aussetzen, sagt Robert Schminke, Sprecher des Umweltministeriums. „Da auch eine Haltung unter Verschluss nicht zulässig ist, bleibt in der Regel nur die Tötung der gefangenen Tiere durch sachkundige Personen wie Jäger oder Tierärzte.“

Helga Haschlar hat die Eisbegonien wieder eingepflanzt und hofft, dass sie die Waschbär-Attacke einigermaßen schadlos überstanden haben. Bedenken hat die Familie aber, dass die Tiere auch ihr Haus in Beschlag nehmen und sich auf dem Dachboden niederlassen oder ihre Katzen verletzen könnten. Deshalb wollen die Haschlars die Waschbären auf jeden Fall weiter beobachten, in der Hoffnung, dass nach dem „Mutterschutz“ etwas gegen die Tiere unternommen werden kann. (mit mf)

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln