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Trockene Zeiten und extremes Wetter in Sachsen

Warum ist gerade Sachsen besonders vom Wassermangel betroffen und welche Folgen hat das? Teil 1 unserer neuen Serie "Sachsens trockene Jahre".

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Foto: © www.plainpicture.com/Axel Killian/Montage: SZ-Bild

Was sind schon die Gewitter vom Wochenende, wenn überall im Land monatelang Wasser fehlt. Mehr als ein paar Tropfen auf einen aufgeheizten ausgetrockneten Boden sind dies nicht. In Dresden-Hosterwitz rauschten am Sonnabend in einer Stunde zwar 24 Liter herab. Fünf Kilometer weiter waren es nur noch zwei Drittel davon. Und der Leipziger Raum, Nordsachen und auch die Lausitz gingen bis Sonntagnachmittag nahezu leer aus.

Der Regen kam, die Dürre bleibt. Es ist Sachsens drittes Jahr in Folge, in dem für jeden spürbar der Niederschlag in Größenordnungen fehlt. Klimaforscher Johannes Franke rechnet jedoch noch ganz anders. Im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist er der Fachmann für Hitze, Unwetter, Extreme und Klimawandel. „Wenn ich in das Zahlenwerk der atmosphärischen Daten schaue, dann sind es sogar schon sieben Jahre in Folge.“ 

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Seit dem letzten großen Hochwasser 2013 folgt eine Trockenzeit der anderen. „Der große Unterschied ist nur: Seit 2018 ist die Trockenheit für jeden sichtbar.“ Davor passierte die Austrocknung langsam und unbemerkt, nur mit Messgeräten erkennbar.

Wenig Regen und zur falschen Zeit

An der Dürre ändert ein doppelt so feuchter Februar wie der letzte nichts. Auch nicht der Mai. Und nicht die Gewitter gestern und heute. Die letzten 27 Jahreszeiten in Folge waren in Sachsen allesamt wärmer als die Klimavergleichsperiode. Der Kurs bleibt und ist ein Vorbote auf ganz normale Jahre in der Mitte des Jahrhunderts. Die Extreme liegen dann noch ganz woanders.

Dabei ist es für uns jetzt schon extrem. Der Wassermangel setzt der Natur zu. Seit November 2017 bis Ende Mai fehlen in ganz Sachsen 355 Liter Wasser auf jedem einzelnen Quadratmeter. Das ist etwa die Hälfte der gesamten Regenmenge eines Jahres. Oder anders ausgedrückt: Es müsste jetzt mindestens drei Monate ununterbrochen im gesamten Land einen sanften Landregen geben, um diese Defizite wieder auszugleichen. Eigentlich unmöglich ist das. Nicht einmal ein langer Landregen, der jetzt helfen würde, ist in Sicht, sagt der DWD-Meteorologe Sebastian Balders. Eher stehen uns weiterhin sehr lokale, schwere Gewitter mit Starkregen bevor, so wie am Wochenende. Die jedoch nutzen wenig.

Die aktuelle Jahreszeitenprognose des Deutschen Wetterdienstes beschreibt die große Tendenz. Sie zeigt wieder einmal in Richtung eines eher zu warmen, eher zu trockenen Sommers, erklärt Christian Bernhofer, Klimaforscher an der TU Dresden. Eine Situation wie derzeit habe es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nicht gegeben. 150 Jahre lang also. War die Dürre von 2003 ein 100-jähriges Ereignis, so ist diese dreijährige Trockenphase ein mindestens 150-jähriges Extremereignis. Vor allem auch deshalb, weil sich vier meteorologische Situationen derzeit überlagern und verstärken.

© ReKIS LfULG

Es fehlt ja nicht nur der Regen, auch die Verdunstung steigt zeitgleich enorm. Denn durch die höheren Temperaturen nimmt die Atmosphäre viel mehr Wasser auf. „Die Temperatur ist der maßgebende Treiber für den Durst der Atmosphäre“, sagt Johannes Franke vom Landesumweltamt. Mit jedem weiteren Grad mehr in der Atmosphäre kann diese immerhin sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Aus Pflanzen und aus dem Boden wird es gezogen. Das führt das zum weiteren Wasserdefizit. Zu den 20 Prozent fehlenden Niederschlag pro Jahr kommen so noch einmal etwa 20 Prozent zusätzlicher Wasserverlust durch die gestiegene Verdunstung hinzu. Die Jahresdurchschnittstemperatur Sachsens weicht bereits um 2,2 Grad nach oben ab.

Irgendwann ist der Boden trocken, es gibt kaum noch Verdunstung. Fehlende Verdunstung aber und weiterhin zusätzliche Wärme unterdrücken letztlich die Wolkenbildung. Mit der Folge, dass die Sonneneinstrahlung weiter zunimmt. Letztlich ist dies ein sich selbst verstärkendes System. Die Zahl der Sonnenstunden in Sachsen liegt seit November 2017 rund 25 Prozent über dem normalen Maß, also über dem Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Lediglich sechs Monate hatten seit Ende 2017 weniger Sonnenstunden, als normal gewesen wäre.

Immer wärmer, immer trockener

Seit Jahren sind verstärkt trockenere und wärmere Witterungen hier über Sachsen angekommen. Gesteuert von einem Drucksystem in 5.500 Metern Höhe. Omega-Wetterlage nennt sich das. Ein Trog entsteht. Links und rechts in West und Ost blockieren Tiefdruckgebiete, mittendrin sitzt ein Hoch. Genau darunter sind wir nun immer häufiger. Das alles bewegt sich fast nicht. Das ganze Wettergebilde stärkt und erneuert sich immer wieder selbst. Mehrere Wochen, manchmal auch Monate sind solche Wetterlagen nahezu stabil. Während im Westen Deutschlands Tiefs vom Atlantik zwischenzeitlich ein Stück weit hineinschwappen, erreichen sie Sachsen seltener. Es scheint so, dass wir geografisch bedingt öfter auf der trockenen Seite der Witterung sitzen. „Die stabilen Witterungen vom April bringen solche Situationen in den letzten Jahren häufiger heran“, sagt Franke. „Die Trogwetterlagen haben enorm zugenommen.“ Und mit ihnen entsteht zum Beispiel auch immer öfter der Aprilsommer. Das Frühjahr ist in Sachsen von Natur aus schon immer niederschlagsärmer als der Sommer und der Winter. Doch nun wird es in dieser Zeit immer öfter extrem trocken.

© ReKIS LfULG

Eigentlich dürfte die Dürre in Sachsen gar kein Problem sein. Der durchschnittliche Jahresniederschlag hat sich derzeit in Sachsen verglichen mit der Klimaperiode 1961-1990 um vier Prozent erhöht. Doch wann und wie findet dieser Niederschlag statt? Wenn der Anteil der Starkregen wie derzeit weiter zunimmt, nimmt zugleich auch die Zeit dazwischen zu, in der überhaupt kein Niederschlag mehr fällt. Die Tage mit weniger als einem Millimeter Niederschlag werden öfter, sagt Klimaforscher Johannes Franke. Der Anteil sogenannter trockener Tage beträgt seit Juni 2017 in Dresden schon 75 Prozent. In Görlitz sind es 73 Prozent.

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Die Dürre trifft ganz Deutschland. Sachsen jedoch mehr als andere Bundesländer. Und Ostsachsen sowie den Norden stärker als den Westteil des Landes, sagt Franke. Die Auswirkungen der extrem langen Dürre sind überall sichtbar. Was sonst für Boden, Wälder, Flüsse verkraftbar wäre, jetzt reicht schon eine weitere trockene Woche. „In der Situation jetzt bedarf es nur noch kleiner Impulse für großflächige Schäden.“

Morgen lesen Sie Teil 2 der Serie „Sachsens trockene Jahre“ zum fehlenden Wasser im Boden bis in die Tiefe hinab.

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