merken
PLUS

Löbau

Tuner mit akuten Herz-Schmerzen

Gutes für Kinder tun - das will ein Verein aus Friedersdorf. Doch jetzt liegt die Initiative selbst auf der "Intensivstation" - es droht Insolvenz. War Sabotage im Spiel?

Mit solchen Bildern wirbt der Verein für seine Aktionen.
Mit solchen Bildern wirbt der Verein für seine Aktionen. © Bildstelle/ Foto: Pixelpapst

13.000 ist aktuell die magische Zahl für die "Tuner mit Herz". 13.000 Euro braucht der Verein mit Sitz in Neufriedersdorf bis Ende Januar nämlich, um eine Insolvenz abzuwehren. "Wir hoffen, dass wir das schaffen, wir wollen ja auch weiterhin etwas für Kinder tun", gibt sich der zweite Vorstandsvorsitzende des Vereins, Dirk Zschorno, energisch und optimistisch. Denn Spenden zu sammeln ist der eigentliche Zweck der Initiative, die sich 2019 nach einem zunächst eher losen Zusammenhalt der Seat Crew Sachsen und der Skoda Freaks auch offiziell als Verein gegründet hat.

Herzstück der Vereinsarbeit ist jedes Jahr ein großes Tunertreffen, zu dem viele Fans der Szene kommen. Die Einnahmen, die dabei in der Kasse klingeln, werden nach Abzug der Kosten an zuvor ausgesuchte Projekte gespendet. So erhielt ein Kinderheim bei Hochkirch beispielsweise schon 4.000 Euro, diesmal sollten ein Spielplatz in Obergurig und die Kinderhospiz-Arbeit in Görlitz profitieren. Doch das große Tunertreffen ging im September gründlich schief, der Verein machte Schulden statt Gewinn und kämpft nun ums Überleben. Drei Dinge benennt Vereins-Mitglied Zschorno als Gründe für die Misere: schlechtes Wetter, Sabotage auf der Veranstaltung und Pech mit dem Termin.

Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Was war passiert: Da der bisherige Veranstaltungsort am Stausee Bautzen zu klein geworden war, hatten sich die Tuner für den 6. bis 8. September 2019 Flächen beim alten Mähdrescherwerk in Singwitz bei Obergurig gemietet. "Wir mussten uns aber sehr zeitig festlegen und wussten damals noch nicht, dass am gleichen Wochenende ein großes Treffen bei Dresden stattfindet", sagt Dirk Zschorno. Dass dann auch das Wetter nicht wirklich mitspielte, machte es kaum besser.

Wollte jemand dem Verein schaden?

Ganz fatal war, dass bereits am ersten Tag ein Unbekannter bei laufendem Betrieb das Hauptstromkabel auf dem Gelände durchtrennt hat. Die Polizei bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass man wegen Sachbeschädigung - also absichtlicher Zerstörung - ermittelt habe. Die Staatsanwaltschaft hat dem Verein inzwischen aber die Einstellung des Verfahrens mitgeteilt - ein Täter ist nicht gefasst worden. Dirk Zschorno nennt diesen Vorfall "Sabotage" - schließlich fielen bis weit in den zweiten Veranstaltungstag hinein nicht nur die Kühlung aus, sondern auch die Bühnentechnik und alles andere, was am Stromnetz hängt. Mit fatalen Folgen.

Wer danach an die Tür des Vereins klopfte, waren die fünf Gläubiger - vom Getränkelieferanten bis zur Security und zum Bühnenspezialisten. "Den größten Batzen von 30.000 Euro konnten wir bereits decken", sagt Zschorno. Außerdem habe man mit den fünf Gläubigern zum Teil großzügige Nachlässe und Zahlungsaufschub ausgehandelt. Eine Spendensammlung ist angelaufen.

Da eines der 60 Vereinsmitglieder persönliche Verbindung zum AfD-Landtagsabgeordneten Mario Kumpf hat, entschloss sich der Verein, auch ihm die Sache zu schildern. "Wir wollen politisch eigentlich neutral bleiben", erklärt Zschorno interne Diskussionen. Kumpf verschickte kurz vor Weihnachten einen offenen Brief, wo er für den Verein um Hilfe bat. Auf SZ-Anfrage teilte er mit, dass er parteiübergreifend per Mail den Kollegen im Landtag die Situation geschildert und um Spenden gebeten und auch in den eigenen Reihen geworben habe. Ob dieser Aufruf Früchte getragen hat, lässt sich bislang nicht sagen. Auch bei den Gläubigern habe Kumpf sich eingesetzt, sagte er. Der Verein bestätigt in diesem Zusammenhang, dass er sich konkret bei einem Unternehmen, zu dem er Kontakte habe, um eine Lösung bemüht habe. Mario Kumpf persönlich hat nach eigenen Angaben zudem 500 Euro gespendet, was der Verein auch bestätigt.

Preisgeld von umstrittener Initiative

Weitere 500 Euro könnten die "Tuner mit Herz" auch am 29. Januar erhalten. Dann werden sie im Bereich soziales Engagement eine Sonderehrung beim Bautzener Friedenspreis erhalten. Doch dieser Preis ist höchst umstritten: Wurde 2018 der AfD-Politiker Rainer Rothfuß für eine "Druschba"-Friedensfahrt nach Moskau ausgezeichnet, so soll der 2019er Preis an den Schweizer Historiker Daniele Ganser verliehen werden. Er steht in der Kritik, Verschwörungstheorien zu verbreiten und gilt in der Wissenschaftswelt als isoliert.

"Wir haben erst nach der Nominierung mitbekommen, dass und warum der Preis der Initiative Bautzener Frieden in der Kritik steht", sagt Dirk Zschorno. Gern hätte sich der Verein da rausgehalten, aber die Verleihung birgt eine weitere große Chance für die Tuner: Am Abend der Preisverleihung soll es eine Live-Spendenaktion zugunsten des Vereins geben. Vielleicht eine Chance, die Insolvenz abzuwenden, die Schulden zu begleichen und weitermachen zu können?

"Weitermachen und Spendenaktionen für Kinder organisieren, wollen wir auf alle Fälle", betont Dirk Zschorno. Am liebsten weiter als Verein mit beglichenen Schulden. Für den Februar stehen auch schon mal Neuwahlen für die Vereinsspitze an. Der neue Vereinschef kann dann vielleicht auch den schon vorbereiteten Insolvenzantrag zerreißen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.