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Dresden

Über dieses Wandbild sprechen gerade alle

An der Fassade der Bautzner Straße 55 wird sonst für Bier oder Autos geworben. Nun ist sie die größte Werbefläche vor der Wahl. Mit einer Botschaft an Protestwähler.

© Tobias Ritz

Ein Kind mit Cappy wirft statt eines Stimmzettels eine weiße Rose in eine Wahlurne. An den Seiten der Urne steht: „In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz“, ein Zitat des Dalai Lama. Über dem Kind ist der Schriftzug zu lesen: "01.09. Wähle!" 

Das 420 Quadratmeter große Bild an der Fassade der Bautzner Straße 55 in der Dresdner Neustadt ist im Moment der Hingucker im Stadtbild. Und die wohl mit Abstand größte Werbefläche zur Landtagswahl am 1. September.

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Dabei wirbt das auch Mural genannte Wandgemälde nicht für eine bestimmte Partei, sondern dafür, überhaupt wählen zu gehen - aber nicht aus Protest "Parteien zu wählen, in denen demokratiefeindliche und rassistische Tendenzen geduldet werden". Hinter der Kampagne im Streetart-Stil steckt die Kreativagentur Cromatics, mit der Dresdner Kreative kurz vor der Wahl an das Gewissen der Wähler appellieren wollen.

Das Motiv, das innerhalb von sieben Tagen durch die fünf Graffiti-Künstler "Bandits & Friends" umgesetzt wurde, sowie weitere Varianten in anderen Farben stammen vom international bekannten Dresdner Grafiker und Illustrator Lars P. Krause. Für die Kampagne setzt er auch Zitate Erich Honeckers, Gustav Mahlers sowie aus der Bibel ein. Neben der bemalten Fassade sind die Bilder auf 140 Plakaten in Dresden und dem Umland zu sehen. 

Vier verschiedenfarbige Motive mit je einem anderen Zitat umfasst die Kampagne. 
Vier verschiedenfarbige Motive mit je einem anderen Zitat umfasst die Kampagne.  © Tobias Ritz

Die Aktion ist laut Cromatics privat finanziert und durch zahlreiche kostenfrei erbrachte Leistungen der Mitwirkenden möglich. Initiator und Cromatics-Geschäftsführer Ronny Ullrich erklärt in einer Pressemitteilung vom Dienstag: „Mit den Botschaften möchten wir Aufmerksamkeit erregen und dazu anstoßen, sein Handeln und Denken zu betrachten und sich über mögliche Fehlentscheidungen und deren langfristige Konsequenzen bewusst zu werden."

Es gehe nicht nur um ein willkürliches Kreuz auf einem Blatt Papier. Die Landtagswahlen seien ein Schlüsselmoment für unsere Zukunft. "Wir entscheiden über das Ansehen unseres Landes in Deutschland und der Welt", so Ullrich. "Wir entscheiden darüber, wie wir in Zukunft leben und vor allem, wie wir miteinander umgehen wollen. Wir wollen ein Zeichen setzen, Menschen ermutigen zur Wahl zu gehen und nicht nur aus bloßer, teils gezielt geschürter Unzufriedenheit Parteien zu wählen, in denen demokratiefeindliche und rassistische Tendenzen dominieren.“

Die Original-Siebdrucke von Lars P. Krause sollen auch auf der Kunstausstellung OSTRALE Biennale ausgestellt werden, die noch bis 1. September geöffnet ist. 


Der Künstler:

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Lars P. Krause wurde 1970 in Hoyerswerda geboren und zeichnete von Kindheit an mit allen sich bietenden Utensilien. Seit über 20 Jahren macht er inzwischen Kunstwerke über den Siebdruck in seiner eigenen Werkstatt in Dresden. Nicht nur die Dresdner Bands Lasse Reinstroem und Dÿse gehören zu seinen Kunden, sondern auch Größen wie die Beatsteaks, Die Toten Hosen, Eagles of Death Metal, Queens of the Stone Age, Foo Fighters, Soundgarden oder Pearl Jam sind darunter. Die Werke von Lars P. Krause sind in Einzelausstellungen und Gruppenshows in ganz Deutschland und der Welt vertreten.


Das bedeuten die Motive:

Das Kind soll für die Zukunft stehen - darum geht es bei der Wahl. 

Die dunkle und helle Seite, durch das Kind voneinander getrennt, sollen die Wahl symbolisieren, die wir haben. Deshalb stehe auf jeder Seite "VOTE!" bzw. auf dem Wandbild „Wählt“

 Die Sanduhr auf dem Shirt zeige an, dass es kurz vor Zwölf sei. 

Die weiße Rose in der Hand des Kindes ist an der Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus angelehnt und soll für Humanismus und Weltoffenheit stehen. 

Die Wahlurne stehe für "die Entscheidung, die wir selbst treffen dürfen". Die vier Botschaften sollen alle einen Widerspruch aufzeigen.

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Das sind die verwendeten Zitate:

"In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz." Dalai Lama

"Was der Mensch sät, das erntet er." Bibel

"Rückwärts nimmer, vorwärts immer." In Anlehnung an Erich Honecker

"Tradition ist die Bewahrung des Feuers, nicht die Anbetung der Asche." Gustav Mahler

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