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Ullrich Baudis zieht woanders hin

Der Wirt räumt sein Lokal derzeit aus. Er hat aber bereits ganz neue Pläne.

Die Achse von den Neumarktarkaden zur Altstadt funktioniere nicht. So begründet der Meißner Gastronom Ullrich Baudis seinen Abschied vom Hahnemannsplatz. Er ist dabei, das Café in Meißen auszuräumen.
Die Achse von den Neumarktarkaden zur Altstadt funktioniere nicht. So begründet der Meißner Gastronom Ullrich Baudis seinen Abschied vom Hahnemannsplatz. Er ist dabei, das Café in Meißen auszuräumen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Passanten bleiben stehen. Mancher drückt sich die Nase an der Scheibe platt. In Ullrichs Kaffeehaus am Hahnemannsplatz werden Tische und Stühle gerückt, Lampen abgenommen, Technik deinstalliert. Was ist hier los?

 Am Telefon teilt Wirt und Linken-Kommunalpolitiker Ullrich Baudis mit, dass er sich zusammen mit seinem Mann Bernd Warkus entschlossen habe, die Notbremse zu ziehen. „Die Brücke zwischen den Neumarktarkaden und der Altstadt, die der Hahnemannsplatz eigentlich bilden sollte, funktioniert einfach nicht“, sagt der 63-Jährige.

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Die Passanten begriffen die Straße nicht als Boulevard zum Bummeln, sondern als eine schnell zu durcheilende Zwischenstrecke. Niemand bleibe stehen und gönne sich zwischendurch einen Kaffee. Deshalb habe sich das Café an diesem Standort nicht rentiert, so der Wirt. 

Er verweist auf mehrere, derzeit nicht bewirtschaftete Gaststätten in der näheren Umgebung wie Vollraths Gasthaus oder den Sächsischen Hof. Eigentlich sei er schon viel zu lange an diesem Standort geblieben. Jetzt allerdings soll Schluss sein. „Wir packen zusammen“, sagt Baudis.

Ullrich Baudis
Ullrich Baudis © Archiv/Claudia Hübschmann

Für den altgedienten Gastronomen und seinen Partner ist das Aus am Hahnemannsplatz ein herber Schlag. Erst vor gut einem Jahr mussten Baudis und Warkus ihr am Marktplatz beheimatetes Kaffeehaus aufgeben. Im Januar 2018 erreichte sie die endgültige Kündigung.

Nach einem Wasserschaden, ausgelöst durch einen Defekt in einem der hinter dem Café liegenden Verwaltungsgebäude, war es zu einem Rechtsstreit gekommen. Der ging für das Wirtsehepaar verloren. Besonders bitter daran: Nach und nach hatten sie in den Jahren zuvor bereits weitere Gaststätten wie die Krögiser Kugel und Ullrichs Kellerwirtschaft aufgeben müssen.

Meißen möchten die zwei trotzdem die Treue halten. Baudis selbst betont stets gern, dass er als gebürtiger Meißner ganz besonders an seiner Heimatstadt hänge. Ein Schwarz-Weiß-Foto in den vom Umzug geprägten Räumen am Hahnemannsplatz zeigt die DDR-Kunstpreisträgerin und Schauspielerin Karla Runkehl in jüngeren Jahren.

„Mit ihr hat meine Liebe für den großen Auftritt angefangen“, sagt der Kaffeehaus-Chef. 1956 sei er für Aufnahmen zu einem Defa-Film über die Meißner Frauenrechtlerin Luise Otto-Peters als Filmkind an sie ausgeliehen worden.

Konkret haben die Gastronomen ein Objekt an der Burgstraße in der Altstadt im Blick. Wenn alles glatt geht, möchten sie dort Mitte Mai einen neuen Start versuchen. „Wir haben an dieser Stelle die Möglichkeit, Terrassenplätze anzubieten. Drin ist es etwas kleiner“, so Ullrich Baudis.

Ihm sei es allerdings lieber, auf fünf voll besetzte Tische zu blicken, als auf fünf leere Tische. Ein schneller Umzug würde es möglich machen, einen Großteil der Saison mitzumachen und so die Verluste der letzten Monate wieder auszugleichen.

Vermuten lässt sich darüber hinaus, dass zur Eröffnung mit dem Besuch bekannter DDR-Schlagerstars ein förderlicher PR-Effekt gelingt. So gaben sich beispielsweise am Hahnemannsplatz Dagmar Frederic, Hans-Jürgen Beyer und Gerd Christian die Klinke in die Hand. Tritt dies ein, könnten sich auch auf der Burgstraße Passanten an der Scheibe die Nasen platt drücken.

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