merken
PLUS Radebeul

Schlammlawine, volle Keller und Blitzeinschlag

Bis zu 70 Liter Regen kamen auf einmal vom Himmel. Örtlich begrenzt, mit großer Wucht in Radebeul und Moritzburg.

Der Sächsische Weinwanderweg - der Eggersweg in Radebeul - ist vom Starkregen am Montagvormittag bis zu einem halben Meter tief ausgespült worden.
Der Sächsische Weinwanderweg - der Eggersweg in Radebeul - ist vom Starkregen am Montagvormittag bis zu einem halben Meter tief ausgespült worden. © privat

Radebeul. Diese Nacht zum Montag war grässlich. Noch um Mitternacht zeigte das Thermometer stur 30 Grad an. Erst am Morgen gab es eine ganz leichte Abkühlung - aber immer noch mehr als 20 Grad.

Was viele hoffen ließ, waren die dunklen Wolken am Himmel. Und wirklich, es gab Regen über Radebeul und der Umgebung im Elbland. Zuerst nur zögerliches Getröpfel und dann eine richtige Dusche mit Blitz und Donner. Sogar einige Hagelkörner prasselten zwischen Radebeul-West und den Weinbergen nieder.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Auch im Tal in Radebeul gab es ordentlich Regen - hier auf der Bahnhofstraße in Kötzschenbroda.
Auch im Tal in Radebeul gab es ordentlich Regen - hier auf der Bahnhofstraße in Kötzschenbroda. © Peter Redlich

Wie viel das in den Stunden zwischen 8 und 10 Uhr war, zeigt wie immer sehr genau die Wetterstation am Bismarckturm von Andreas Dietrich an. Die erste erfreuliche Nachricht, die ja auch jeder spürte. Das Gewitter samt Regen drückte die Temperaturen weiter. Gegen 10 Uhr wurden an der Meißner Straße knapp 20 Grad gemessen, auf der Höhe waren es 18,3 Grad. Die Wolken sanken bis auf reichlich 300 Meter herab - und brachten ordentlich Nass vom Himmel.

Während es im Tal nur etwa zehn Liter auf den Quadratmeter waren, hat es über den Weinbergen richtig gegossen. Die Wetterstation zeigte kurz nach 10 Uhr 71,4 Liter für den Tag an. Allein in der letzten Stunde, also zwischen 9 und 10 Uhr, waren es 52 Liter Regen.

Der heftige Gewitterguss sorgte für eine Schlammlawine sowie für überflutete Straßen. Im Lößnitzgrund haben sich zwischen Radebeul und Friedewald Geröll und Erde vom Hang gelöst. 

Auf der Lößnitzgrundstraße gab es in Höhe Meiereiweg für Fahrzeuge in beide Richtungen zeitweise kein Durchkommen mehr. Auch die Bahnstrecke der Lößnitzgrundbahn war betroffen. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Ab 12,56 Uhr fuhr der Lößnitzdackel wieder regulär, teilte die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mit.

Die Straße zwischen Berbisdorf und Moritzburg ist gesperrt. Direkt neben der Straße hat der Blitz in eine etwa 100-jährige Eiche eingeschlagen und diese schwer beschädigt. Eine Spezialfirma soll jetzt prüfen, wie es mit dem Baum weitergeht.
Die Straße zwischen Berbisdorf und Moritzburg ist gesperrt. Direkt neben der Straße hat der Blitz in eine etwa 100-jährige Eiche eingeschlagen und diese schwer beschädigt. Eine Spezialfirma soll jetzt prüfen, wie es mit dem Baum weitergeht. © Sven Görner

Entlang des Lößnitzbaches mussten die Kameraden der Radebeuler Feuerwehr mehrere Keller leerpumpen. Unter anderem trat der Bach im Bereich An der Jägermühle zwischen Rebenwinkel und Paradiesstraße über die Ufer. Grund waren laut Stadtwehrleiter Roland Fährmann Äste und Geröll, die den Durchlass unter der Weinbergstraße blockierten.

Der Grundstückseigentümer, der direkt an der Brücke wohnt, züchtet Nandus, die Nachwuchs bekommen haben. Damit die jungen Straußenvögel nicht durch den Lößnitzbach türmen können, hat er ein Gitter im Bachlauf vor dem Brückendurchlass angebracht. Darin hat sich Treibgut verfangen und den Durchlauf verstopft. Der Lößnitzbach schwoll an der Stelle immer mehr an und die von den Hängen in Richtung Elbe fließenden Regenwassermassen traten über das Ufer.

Sogar über die Gleise der Lößnitzgrundbahn schoss die Flutwelle, berichtete Fährmann. Die Fluten ergossen sich in den Gärten und Grundstücken in der Senke entlang des Mühlwegs, setzten Keller von Gebäuden, wie den von der Lößnitztalschänke, unter Wasser.

Zwischen Berbisdorf und Moritzburg hat neben der Straße der Blitz in eine Eiche eingeschlagen. Die Straße wurde vorsichtshalber gesperrt.
Zwischen Berbisdorf und Moritzburg hat neben der Straße der Blitz in eine Eiche eingeschlagen. Die Straße wurde vorsichtshalber gesperrt. © SZ/Sven Görner

Zu einem Nadelöhr für die Wassermassen wurde im weiteren Verlauf des Lößnitzbaches der ebenfalls beengte Durchlass an der Steinbachstraße. Er konnte die Wassermassen ebenso nicht fassen und der Bach trat auch an dieser Stelle über sein Ufer, überschwemmte die in einer Senke liegende Straße des Friedens samt Grundstücken und Gärten. Auch hier mussten die Kameraden der Feuerwehr Keller wieder leerpumpen.

Die Straßenentwässerung kam auf mehreren Straßenzügen an ihre Grenzen. So bildete sich beispielsweise auf der Kötzschenbrodaer Straße in Höhe Hainstraße eine riesige Pfütze. Auch an den Gullys auf dem frischsanierten Abschnitt der Meißner Straße staute sich das Regenwasser und setzte die Fahrbahn kurzzeitig unter Wasser. Mit nachlassendem Niederschlag löste sich der Wasserstau von selbst wieder auf. Hier mussten die Feuerwehrmänner nicht tätig werden.

Insgesamt 23 Notrufe gingen bei der Radebeuler Wehr ein, die im Zusammenhang mit dem heftigen Gewitterguss standen. 26 Kameraden waren mit sieben Fahrzeugen unterwegs. Bei den Einsätzen handelte es sich überwiegend um mit Wasser vollgelaufene Keller. Das Einsatzgeschehen erstreckte sich über das gesamte Stadtgebiet, wobei die Stadtteile Nieder- und Oberlößnitz und insbesondere der Bereich An der Jägermühle und Mühlweg den Schwerpunkt bildeten. Im Stadtteil Lindenau waren drei Keller geflutet.

Vom Hagelschauer blieben auch die Winzer nicht verschont. Der Hagel fiel lokal begrenzt, zwischen Weinberg Paradies und Winzerstraße, informierte Martin Junge, Sprecher des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth. Die Eiskörner haben Schäden auf der Premiumlage Paradies angerichtet, die genaue Höhe kann er allerdings noch nicht beziffern.

Auf der Moritzburger Straße kämpfen die Autos mit den Wassermassen.
Auf der Moritzburger Straße kämpfen die Autos mit den Wassermassen. © Norbert Millauer

Winzer Friedrich Aust ist bei dem Starkregen in seinen Weinberg am Goldenen Wagen geeilt. „Bislang hat er keinen Schaden an den Reben angerichtet. Es gab nur wenige Hagelkörner und dies auch nur kurze Zeit“, sagt Aust. Allerdings hat es den Sächsischen Weinwanderweg in Oberlößnitz getroffen. Einen der wichtigsten Abschnitte mit der schönsten Aussicht haben die Wassermassen im Sturz getroffen. Der Eggersweg ist teilweise bis einen halben Meter tief ausgespült, so der Winzer.

Die Felder in Wahnsdorf, einem Ortsteil von Radebeul, glichen kurzzeitig einem Seengebiet, so hieß es von Anwohnern.

Glimpflich kamen die Radeburger Ortsteile davon. Die Kameraden der Berbisdorfer Feuerwehr mussten allerdings gegen Mittag ausrücken, weil ein Blitz eine etwa hundertjährige Eiche getroffen hatte. Weil nicht klar war, wie standsicher der Baum noch war, wurde die Straße gesperrt. Mitarbeiter einer Spezialfirma inspizierten schließlich die Eiche und entfernten laut Feuerwehr einige Äste.

In Friedewald, Moritzburg und Boxdorf rückten die Feuerwehren aus, weil Wasser in Keller gelaufen war. Vor dem Restaurant Schloss-Teichhaus ließ der Regen einen Graben überlaufen. Hier wurde der Kommunalservice Brockwitz-Rödern zum Abpumpen zu Hilfe gerufen. Ein Blitzschlag entzündete zudem einen Baum im Wald bei Steinbach. Dort kamen die örtlichen Kameraden zum Einsatz.

Am Ende des Tages waren es 75 Liter Regen auf den Quadratmeter zwischen Radebeul und Moritzburg. Das ist knapp ein Viertel der bisherigen Jahresmenge.

Weiterführende Artikel

August bringt bisher fast ein Drittel des Jahresregens

August bringt bisher fast ein Drittel des Jahresregens

Es hat wieder mal ordentlich geregnet zwischen Radebeul, Meißen und Riesa. Die Monatsmenge ist erstaunlich.

Es bleibt weiter heiß und trocken

Es bleibt weiter heiß und trocken

Hohe Temperaturen und Unwetter bestimmen auch weiterhin die Wetterlage in Sachsen. Erst am Wochenende ist Abkühlung in Sicht.

Wege verwüstet, Schlamm im Bad

Wege verwüstet, Schlamm im Bad

Nach der Sturzflut zeigt sich von Radebeul bis Moritzburg, was alles zerstört wurde. Freitag drohen weitere Gewitter.

Sachsen zwischen Hitze und Unwettern

Sachsen zwischen Hitze und Unwettern

Hoch "Emil" bleibt Sachsen hold. In der schwülwarmen Luft entladen sich aber auch Gewitter. Örtlich hagelt es heftig - andernorts herrscht Hochsommer.

(Der Beitrag wurde am 10. August um 17.20 Uhr aktualisiert.)

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul