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Valtech Mobility sucht in Dresden kluge Köpfe

Das Gemeinschaftsunternehmen von Audi und der Digitalagentur Valtech entwickelt Lösungen für das vernetzte Fahren.

Von Nora Miethke
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Valtech Mobility ist auch in die Entwicklung der digitalen Lösungen für den ID.3 involviert, dem ersten Elektroauto der VW-Marke aus der neuen ID.-Serie.
Valtech Mobility ist auch in die Entwicklung der digitalen Lösungen für den ID.3 involviert, dem ersten Elektroauto der VW-Marke aus der neuen ID.-Serie. © Volkswagen AG

Dresden. Auf der Suche nach IT-Talenten eröffnen immer häufiger Unternehmen in Dresden Büros, um im Dunstkreis der Technischen Universität früh den direkten Kontakt zu Informatikstudenten oder Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Fächer zu pflegen. So auch die Firma Valtech Mobility. 

Sie hat Ende 2017 eine Niederlassung in der sächsischen Landeshauptstadt eröffnet, die derzeit etwa 20 Mitarbeitende hat. Mittelfristig soll die Zahl der Beschäftigten auf 40 bis 50 wachsen, kündigt Geschäftsführer Andreas Peters an.

Valtech Mobility ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Audi AG und der Digitalagentur Valtech GmbH. Mit ihm will der Ingolstädter Autobauer die Zukunftsthemen der Automobilbranche angehen. Der Spezialdienstleister, an dem die Valtech GmbH mit 51 Prozent Mehrheitseigner ist, soll Konnektivitätslösungen und vernetzte Dienste für das Fahrzeug der Zukunft entwickeln. Im Mittelpunkt stehen die Themen Big Data, Elektromobilität, autonomes Fahren und vernetzte Plattformen. So baut Valtech Mobility die zentrale Plattform auf, die die letzte Meile zwischen Auto und Internet managt, damit Autofahrer zum Beispiel auf ihrem Smartphone den aktuellen Füllstand ihres Tanks ablesen oder per Navigationsgerät nach verfügbaren Parkplätzen suchen können.

2009 startete die Mutterfirma Valtech, Online-Funktionen für Audi-Fahrzeuge zu entwickeln. Inzwischen sind mehrere Millionen Fahrzeuge vieler Marken des VW-Konzerns an die Plattform angebunden. Die Firma ist auch bei der Entwicklung der digitalen Lösungen für den ID.3 involviert, dem ersten Elektroauto der VW-Marke aus der neuen ID.-Serie.

Durch den Trend zu Elektromobilität und autonomen Fahren wird es künftig immer mehr Online-Dienste und Daten getriebene Anwendungen im und um das Auto herum geben. Valtech Mobility hat es sich zum Ziel gesetzt, dafür eine integrierte IT-Plattform zu entwickeln wie auch Dienste und digitale Geschäftsmodelle, die über diese Plattform laufen sollen.

„Wir verstehen uns als digitale Produkt-Manufaktur für Mobilitätslösungen“, betont Peters. Die Firma könne den Autokonzernen dabei helfen, eines Tages große Flotten an Roboter-Fahrzeugen auf die Straße zu bringen. Denn sie bringe das notwendige Wissen mit, um große Mengen an Daten zu verarbeiten und diese für das Training von Modellen für das autonome Fahren zu nutzen, heißt es zur Erklärung.

Für all diese Vorhaben bedarf es zahlreicher IT-Experten und -Expertinnen. Gegenwärtig beschäftigt das Unternehmen 250 Menschen, verteilt auf sechs Standorte: München (Hauptsitz), Ingolstadt, Düsseldorf, Neu-Isenburg, Braunschweig und Dresden. Die Entscheidung, eine dezentrale Firma aufzubauen, sei im Unternehmen sehr kontrovers diskutiert worden, verrät der Automotive-Experte. „Doch wir leben von innovativer Software und hoch qualifizierten Leuten. Deshalb müssen wir dorthin gehen, wo wir diese Menschen finden“, betont der Geschäftsführer.

Tech-Girls sehr willkommen

Er und Standortleiter Ralph Mertingk beschlossen beim Bier auf einem Sommerfest, in Dresden ein Büro zu eröffnen. Für die sächsische Landeshauptstadt sprachen nach eigenen Worten die lange Tradition in der Verkehrstelematik, das Autoland Sachsen und der Hochtechnologiestandort. Die Konkurrenz um die Köpfe ist hart.

Allein der Automobilzulieferer Bosch sucht 700 Mitarbeiter für sein Chipwerk in Dresden. Doch Peters und Mertingk sind zuversichtlich, als Arbeitgeber attraktiv genug zu sein. Die Mitarbeiter könnten lokal wie international arbeiten und für Projekte nach China oder in die USA entsandt werden. Das das Unternehmensklima stimmt und es ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten gibt, zeige die sehr geringe Fluktuationsrate. „Wir arbeiten schon sehr lange eng mit großen Automobilherstellern zusammen. Aber wir verlieren so gut wie keine Mitarbeiter an die Großkonzerne. Im Gegenteil , wir gewinnen von dort welche“, so Peters.

Ein Ziel sei es auch, den Frauenanteil von derzeit rund 20 Prozent in Dresden zu erhöhen. Valtech Mobility lädt zum „Tech Girl“ Schülerinnen ein oder schickt Mitarbeiterinnen in die Schulen, um für IT-Berufe zu werben. „Wir wollen coole Services für die nächste Generation entwickeln. Da wäre es hilfreich, wenn sich nicht nur ein Geschlecht überlegt, was cool ist“, meint der Geschäftsführer.