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Kamenz

Platz für Corona-Patienten

Wo können zusätzliche Krankenhaus-Kapazitäten für Infizierte geschaffen werden? So reagieren die Reha-Kliniken in Pulsnitz.

Der Pulsnitzer Chef der Vamed-Kliniken, Carsten Tietze, stellt Betten für Corona-Patienten bereit.
Der Pulsnitzer Chef der Vamed-Kliniken, Carsten Tietze, stellt Betten für Corona-Patienten bereit. © René Plaul

Pulsnitz. Besucher kommen in den beiden Pulsnitzer Vamed-Kliniken derzeit nicht weit. Gleich vier Plakate mit roten Stoppzeichen warnen an den Schiebetüren der Schlossklinik: „Besuchsverbot im gesamten Bereich!“ Gleich dahinter der nächste Warnaufsteller am Rezeptionstresen: „Durchgang verboten.“ Hier kommt keine unbefugte Person vorbei. 

Jane Johne hat an der Rezeption die Situation im Griff und stoppt sofort eine eilige Besucherin. Neben dem Aufsteller hat das Klinik-Team eine Desinfektionsstation aufgebaut. Ein Patient sprüht sich vorbildlich die Hände ein, bevor er den Tresen passieren darf. "Eine Erziehungsfrage",  sagt Johne. Latex-Handschuhe sind jetzt selbst fürs Personal der Rezeption Standard.

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Es ist Ausnahmezustand. Der Pandemie-Plan laufe auf höchstem Niveau, versichert Kliniken-Geschäftsführer Carsten Tietze. Chefarzt Prof. Dr. Marcus Pohl sei selbst Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut. Der Krisenstab in der Klinik tage täglich. Carsten Tietze spricht von drastischem Schutz der anvertrauten Patienten und des Personals. 

Bei der Schutzausstattung für die Mitarbeiter richte man sich nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Dazu gehöre auch Mund- und Nasenschutz. Der werde immer dort eingesetzt, wo er aus medizinisch-hygienischer Sicht erforderlich ist.

„Wir müssen vor allem Menschenansammlungen grundsätzlich vermeiden“, sagt Carsten Tietze. Es gibt kein Essen mehr im Gemeinschaftsspeisesaal, sondern direkt auf Station.  Im medizinischen Bereich wurde in der Regel von Gruppen- auf Einzeltherapie umgestellt. Das sei personalintensiv, aber zwingend nötig.

Schwerkranke werden weiter aufgenommen

Die beiden Pulsnitzer Kliniken sind durch ihre Ausrichtung während dieser extremen Krise in einer besonderen Situation. Die Schwedensteinklinik ist auf Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert. Die Schlossklinik auf die neurologische und neurochirurgische Rehabilitation. So werden zum Beispiel schwersterkrankte Schlaganfall-Patienten behandelt. Berichtet wird, dass manche Reha-Kliniken wegen der Epidemie keine Patienten mehr aufnehmen würden. 

In Pulsnitz ist die Situation so:  Wenn eine stationäre Rehabilitation aus medizinischer Sicht verschiebbar ist, werde sie zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, erklärt der Klinikchef: „Losgelöst davon sind Aufnahmen schwerkranker Patienten im Krankenhausbereich der neurologischen Frührehabilitation zu betrachten.“ Da gebe es keine Einschränkungen. Denn es sei eine Hauptaufgabe, die allgemeinen Krankenhäuser der Erstversorgung zu entlasten. 

Dort müssen die Aufnahmekapazitäten erhöht werden, wenn die Krankheitsfälle steigen. „Wir verschieben quasi unsere Ressourcen zugunsten schwer kranker Krankenhauspatienten." Damit in den Akutkrankenhäusern personelle Kapazitäten und Betten frei werden, die  für die Corona-Infizierten benötigt werden.

Plan B fürs Personal

Dabei könnte gerade die Schwedensteinklinik eine wichtige Rolle spielen. Die Reha-Klinik für Psychosomatik werde drastisch zurückgefahren. Seit Mittwoch gebe es bis auf Weiteres keine Neuaufnahmen mehr. Es könne auch sein, dass  Patienten ihre Therapie abbrechen müssen. Die freien räumlichen Ressourcen stehen dann im Bedarfsfall für Corona-Fälle zur Verfügung. Das habe die Klinik auch dem Landkreis signalisiert. Es wären maximal 186 Betten. Personell könnte die Betreuung der Menschen allerdings nur unterstützend begleitet werden: „Es ist ja eine Frage der fachlichen Qualifikation.“ 

Gerade das Personal ist ein sensibler Bereich. Es leiste  Großartiges für die Klinik in diesen Krisenzeiten, hält der Chef fest.  Und werde  dringend gebraucht. Da sei Schutz das eine. Konfliktpotenzial braue sich bei der Kinderbetreuung zusammen, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind. Natürlich habe die Klinik sofort die nötigen Bescheinigungen für eine Notbetreuung ausgestellt, so Tietze. 

Dennoch sei die Betreuung der Kinder von Eltern in Gesundheitsberufen nicht immer  garantiert.  Es müssten beide Eltern in einem systemrelevanten Beruf arbeiten, sagt der Klinikchef. Das sei aber nicht immer so. Die Klinik werde im Bedarfsfall versuchen, mit eigenem geeigneten Personal außerhalb der Kliniken eine Kinderbetreuung in Kleingruppen zu organisieren. An dem "Plan B" arbeite die Klinik derzeit, um das Personal abzusichern.

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