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"Ich verliere einen Verbündeten"

Der letzte Arbeitstag von Meißens Landrat Arndt Steinbach endete im Meißner Dom. 200 Gäste kamen zur Verabschiedung. Es gab Kritik von Anwohnern.

Arndt Steinbach (l.) neben der kommissarischen Landrätin Janet Putz und Ministerpräsident Michael Kretschmer am Montagabend bei seiner Verabschiedung vorm Meißner Dom.
Arndt Steinbach (l.) neben der kommissarischen Landrätin Janet Putz und Ministerpräsident Michael Kretschmer am Montagabend bei seiner Verabschiedung vorm Meißner Dom. © Claudia Hübschmann

Wer noch nicht gewusst hat, dass Arndt Steinbach Kirchen liebt, der weiß es spätestens seit dem 31. August. Der Meißner Landrat liebt die kleinen Kirchen, noch mehr die großen  Kirchen und am liebsten mag er den Petersdom von Rom. Daher hielt sich die Verwunderung über seinen ungewöhnlichen Wunsch, im Meißner Dom verabschiedet zu werden, auch in Grenzen.

Es war der letzte Arbeitstag von Arndt Steinbach. 204 Gäste kamen zur Verabschiedung - von ursprünglich geplanten 600. Die Hygienevorschriften des eigenen Gesundheitsamtes ließen nicht mehr zu. Eine Sitzreihe dazwischen musste immer frei bleiben, die einzelnen Stühle standen schön in 1,5 Meter Abstand.  Maske auf - bis zum Platz. Die Gästen hielten sich daran.  Allerdings gab es Kritik von Anwohnern. Sie störten sich an den Absperrungen auf dem Domplatz, vor allem für den Empfang nach der Feierstunde auf dem Platz.  Auch dass kaum einer Maske trug bei der persönlichen Verabschiedung, kritisierten Anwohner, die das Geschehen beobachtet hatten. Dabei wurden aber die Abstandsregeln beim Warten am Eingang von den Gästen eingehalten.

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Jetzt außer Dienst: Landrat Arndt Steinbach mit Sandra Bahn und Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zur Abschiedsfeier im Meißner Dom.
Jetzt außer Dienst: Landrat Arndt Steinbach mit Sandra Bahn und Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zur Abschiedsfeier im Meißner Dom. © Claudia Hübschmann

Der Meißner Dom sei die christliche Keimzelle Sachsens, sagte Janet Putz, die seit Montag als kommissarische Landrätin die Führung im Landratsamt zeitweilig übernommen hat. Und dass sie sich freue, dass der Domprobst Andreas Stempel diese Feier ermöglicht habe. Immerhin kennen sich beide gut. Stempel, damals - im Jahr 2002  - noch Meißner Superintendent, und Steinbach als Wilsdruffer Bürgermeister haben die Stiftung Arbeit und Leben gegründet. Das verbindet sie heute noch. Steinbach sei jetzt fast 18 Jahre Landrat, sagte Putz. Und er sei bodenständig und volksnah.

Offensichtlich war es Frau Putz unangenehm, dass so viele Personen wieder von der Gästeliste  gestrichen werden mussten. "Bitte sagen sie allen, dass Sie stellvertretend für viele Menschen aus dem Landkreis eingeladen waren."

Zwei alte Freunde: Der Landrat mit dem ostdeutschen Sparkassenpräsidenten Michael Emrich.
Zwei alte Freunde: Der Landrat mit dem ostdeutschen Sparkassenpräsidenten Michael Emrich. © Claudia Hübschmann

Als "ehrlichen Ratgeber für ihn selbst und engagierten Streiter für das Land und den Landkreis" bezeichnete  Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den scheidenden Landrat. Auch wenn der stets deutlich artikulierte, was ihm nicht passt, dafür  zurückhaltender war, wenn etwas gelobt werden konnte, sagte Kretschmer.  Dass Steinbach eine maßgebliche Rolle bei der Revolte der Landräte gegen den damaligen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich vor etwa drei Jahren gespielt haben soll, wurde immer bestritten. Sie führte am Ende zum Rücktritt Tillichs und zur Wahl des neuen Ministerpräsidenten Kretschmer, der sich jetzt stärker um die kommunalen Belange kümmert. "Ich verliere einen Verbündeten", sagte der Ministerpräsident. Aber der Job eines Landrates kostet sehr viel Kraft. Man zahlt einen Tribut, an die Gesundheit und auch an die Familie. Kretschmer freue sich über den neuen Weg des Landrates, der ihn nach Berlin als Chef einer kommunalen Versicherung führt.

Es blieb dem Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche vorbehalten, an die wichtigen und schwierigen Stationen im Berufsleben Steinbachs zu erinnern. Nach zehn Jahren Bürgermeister von Wilsdruff (seinerzeit war er sogar angeblich der jüngste Bürgermeister Deutschlands) kam der Aufstieg in die 1. Liga: Steinbach wurde 2002 zum  Landrat von Meißen gewählt. Kurz danach beschloss der Kreistag die Privatisierung  der Elblandkliniken Meißen und Radebeul. Dagegen begehrten die Einwohner des Landkreises auf. Steinbach respektierte den Bürgerwillen und korrigierte die Entscheidung. 2008 fusionierte die Landkreise Meißen-Radebeul und Riesa-Großenhain. Das war keine Liebesheirat, sondern ein Zweckbündnis. Steinbach sah es als seine erste Aufgabe an, die beiden Teile harmonisch zu verbinden.

Zwei Kollegen: Steinbach mit seinem Vorgänger Rainer Kutschke, Landrat a.D. von Riesa-Großenhain.
Zwei Kollegen: Steinbach mit seinem Vorgänger Rainer Kutschke, Landrat a.D. von Riesa-Großenhain. © Claudia Hübschmann

Als Überraschungsgast kam Michael Emrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, und hatte eine Medaille für Steinbach im Gepäck. Die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille erhielt er für seine Verdienste um "die Stärkung des Sparkassenwesens". Steinbach ist vermutlich deutschlandweit der größte Fan von Eberle, der zur Jahrhundertwende Bürgermeister von Nossen war und 1908 in Sachsen den bargeldlosen Zahlungsverkehr einführte.  

Diese Verabschiedung im Meißner Dom ginge ihm unter die Haut, sagte Arndt Steinbach in seiner letzten Rede als Meißner Landrat. Denn es dreht sich ja alles um ihn. Das sei etwas anders, als wenn er vor dem Krankenhaus ein Band durchschneide. Denn da gehe es ja ums Krankenhaus. Steinbach bedankte sich fünf Minuten lang bei allen, die mit ihm gearbeitet haben. Zum  Abschluss sagte er: "Gott schütze unsere Heimat, den Landkreis Meißen. Auf Wiedersehen."

Danach spielte die Elblandphilharmonie die Nationalhymne und die Gäste erhoben sich.

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