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VfB Weißwasser holt Trainer aus Dresden

Vor dem Fußballverein steht eine harte Saison. Nicht nur sportlich.

Der neue Cheftrainer Philipp Goltzsch mit seinen Co-Trainern René Grote und Perry Franke (von rechts). Unterstützt wird das Trio von Torwarttrainer Felix Wothe und Fitnesstrainerin Sophia Rößler.
Der neue Cheftrainer Philipp Goltzsch mit seinen Co-Trainern René Grote und Perry Franke (von rechts). Unterstützt wird das Trio von Torwarttrainer Felix Wothe und Fitnesstrainerin Sophia Rößler. © Sabine Larbig

Corona ist allgegenwärtig. Überall auf dem Turnerheim-Areal hängen Schilder die darauf hinweisen, dass Abstand zu halten ist, nicht im Gebäude geduscht werden darf, Sektionen weiter Zwangspause haben. Aber die Fußballer dürfen wieder trainieren. Und so laufen die Kicker der 1. Männermannschaft des VfB 1909 Weißwasser seit 14 Tagen wieder regelmäßig auf dem Rasen auf. Derzeit nur im Training, bei Vorbereitungs- und Testspielen wie am 1. August (14 Uhr) auf heimischem Rasen gegen den Kolkwitzer SV. Der Spielbetrieb der Landesklasse Ost beginnt erst am 5. September. Oder schon. Denn die 1. Mannschaft vom VfB hat seit kurzem einen neuen Cheftrainer: Philipp Goltzsch.

Von Laubegast in die Lausitz

Der 26-Jährige wechselte von Dresden-Laubegast nach Weißwasser, weil die Lausitzer mit „jungen Team, toller sportlicher Struktur und prima Umfeld“ lockten und Goltzsch „mal eine neue Region kennenlernen“ wollte. Doch noch lernen Spieler und Trainer sich kennen. Trotzdem schenkt Goltzsch dem Team nichts. Auch nicht beim Training. „Klar, es ist erst Vorbereitungszeit, und die läuft erst seit ein paar Tagen. Trotzdem fehlt es mir an Laufbereitschaft, Kommunikation, engerem Ballkontakt und Spielintelligenz“, erklärt Philipp Goltzsch vorm Training. 

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Er ist dabei ruhig, bedacht, ausgeglichen, fokussiert. „So, nun üben wir Technik und Taktik. Zuerst beim Lauf, dann mit dem Ball, danach mit Torschuss. Und ich meine richtigen Torschuss“, sagt der Trainer und schickt seine Jungs los. Zwischendurch ruft er den einen oder anderen Spieler zum Vier-Augen-Gespräch. Um zu motivieren, Potenzial aufzuzeigen, Leistungsgrenzen auszuloten, Neues auszuprobieren. Unterstützt wird Goltzsch dabei von seinen Co-Trainern.

Dass der einstige Fußballer und heutige Fußballtrainer Goltzsch nach Weißwasser kam, ist Perry Franke und der Zustimmung des Vorstands zu verdanken. „Nach kurzer Bedenkzeit hat er zugesagt. Das hat uns riesig gefreut. Philipp ist jung, spricht die Sprache unseres jugendlichen Teams. Er bringt frischen Wind, moderne Konzepte, Spieler- und Trainererfahrung und den festen Willen mit, das Team langfristig in der Landesklasse zu etablieren. Wir hoffen, dass er länger bleibt als nur diese Saison“, bekennt VfB-Vorstand Hans-Jürgen Beil.

Jetzt in einer 16er-Liga

Nicht nur er weiß, dass es schwer wird, die Abgänge der vorigen Saison zu kompensieren. Erst recht in einer Saison, die 16 statt bislang 14 Teams in der Liga hat, die alle je 30 Spiele absolvieren müssen. Erschwerend hinzu kommt, dass Corona auch beim VfB „ganz schön reingehauen“ hat. Spielpraktisch und finanziell. So gab es von Dezember 2019 bis Juni 2020 nur ein Pflichtspiel. Das war am 7. März. Danach kam die Corona-Zwangspause, wodurch auch die Einnahmen auf Null sanken. Erst ab September geht es wieder aufwärts. Dann startet die neue Serie, dürfen wieder Zuschauer zu den Spielen kommen. Ob es durchschnittlich 200 pro Heimspiel sein werden, ist fraglich. „Durch die finanziellen Nachteile durch ausgefallene Spiele und weil vor Corona immerhin wöchentlich 1.200 Sportler unterschiedlicher Sportarten das Turnerheim-Gelände nutzten, wird die Lösung unserer Probleme noch schwieriger. Doch wir bleiben dran an der Errichtung eines neuen Sanitärtrakts und der Suche nach einem Betreiber für die Vereinsgaststätte“, sagt Vorstand Beil.

Kleinere Transfer-Brötchen gebacken

Die finanziellen Einbußen machten auch Spielertransfers nicht in dem Maße möglich wie erhofft. Mit der Rückkehr von Christopher Robel, Neuzugang Nick Schurmann und Aufsteigern aus dem eigenen Nachwuchsbereich konnte der Verein trotzdem Zeichen setzen. Mit der jungen und neu zusammengestellten Elf, deren Durchschnittsalter knapp über 20 Jahren liegt, wollen Philipp Goltzsch sowie die Co-Trainer Perry Franke und René Grote nun in der Landesklasse Ost angreifen. Kein leichtes Vorhaben, obwohl Weißwasser die letzte Serie auf dem sechsten Tabellenplatz beendete. „Das war ein absoluter Erfolg und spornt uns für die neue Saison an. Wir wissen auch, dass die Mannschaft entwicklungsfähig ist, Talent, Ehrgeiz und Potenzial besitzt. Aber die Landesklasse ist komplexer und spielerisch anspruchsvoller geworden“, weiß Perry Franke.

Professioneller agieren, über den Tellerrand schauen, sich weiterentwickeln und weiterbilden sei daher für das Gesamtteam unverzichtbar. „Ich bin deshalb froh, dass meine Kontaktaufnahme zu Philipp geklappt hat. Schon jetzt zeigt sich, dass Trainerteam und Mannschaft auf allen Ebenen zueinander passen und selbst der Altersunterschied funktioniert. Vielleicht machen es gerade die Mischung und unterschiedliche Sichtweisen aus, die uns Erfolg bringen“, meint Franke, der – mit Blick auf die von Corona gekennzeichnete letzte und neue Saison – bekennt, „in 50 Jahren Fußball noch nie so etwas erlebt“ zu haben. Aber dies gilt für alle Sportler. Nicht nur Fußballer.

In der Landesklasse festsetzen

„Unser Ziel ist es, trotz aller Schwierigkeiten, Weißwasser in der Landesklasse zu festigen und langfristig, vor allem mit jungen Spielern aus der Region, das erfolgreichste Team im Altkreis Weißwasser zu bleiben und gleichzeitig die sensationellen Rahmenbedingungen zu erhalten“, blickt Coach Philipp Goltzsch voraus. Neben dem jungen Team seien gerade die Rahmenbedingungen beim VfB ein Grund für seinen Wechsel nach Weißwasser gewesen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Verein in der Klasse so eine Anlage, so ein Betreuerteam und mehr bietet und damit einen Fußballtrainer in eine Klein- und Eishockey-Stadt locken kann.“ 

Bislang hat der Dresdner das nicht bereut, obwohl er ständig zwischen der Landeshauptstadt und Weißwasser pendelt. Doch selbst hier unterstützten Verein und Sponsoren ihn: mit einem nagelneuen Kleinwagen, den ein örtliches Autohaus zur Verfügung stellte.

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