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Viel mehr als nur eine Werkstatt

Soziale Jugendarbeit im Hoyerswerdaer Haus Bethesda schafft bleibende Werte – beispielsweise für den Schwarzkollmer Krabatmühlen-Rundweg

Tischlermeister Volkmar Graupner und Projektteilnehmerin Janine Fritsche beim Arbeiten am Werkstück „Aufsteller für ein Klangspiel“.
Tischlermeister Volkmar Graupner und Projektteilnehmerin Janine Fritsche beim Arbeiten am Werkstück „Aufsteller für ein Klangspiel“. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Für viele Generationen Anlaufstelle ist das Hoyerswerdaer Haus Bethesda. Ein Schwerpunkt ist die Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wir sprachen mit Projektleiterin und Sozialpädagogin Doreen Zschiesche (37).

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Frau Zschiesche – viele Menschen denken, im Haus Bethesda gibt es „nur“ Selbsthilfegruppen. Stimmt das?

Nein! Die Diakonie St. Martin hat in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sehr viele Angebote. Speziell im Haus Bethesda in Hoyerswerda findet man neben der Selbsthilfekontaktstelle, der Suchtberatungsstelle sowie der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche auch uns, die Jugendsozialarbeit in Form der „Offenen Jugendwerkstatt“. Das Angebot der Jugendsozialarbeit wurde 1992 nach den Ausschreitungen speziell für rechtsorientierte und gewaltbereite Jugendliche geschaffen. Seit dieser Zeit hat sich das Angebot je nach Fördermöglichkeiten und Bedarfen immer wieder verändert. Die Offene Jugendwerkstatt gibt es seit neun Jahren.

Welche Zielgruppe wird in der Offenen Jugendwerkstatt betreut – und was lernen die Teilnehmer dabei konkret?

Die Offene Jugendwerkstatt ist ein gemeinsam durch das Jobcenter und das Jugendamt des Landkreises Bautzen finanziertes Projekt. Es richtet sich an junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren, in Einzelfällen auch bis 27 Jahre, die Leistungen von mindestens einer der beiden Institutionen in Anspruch nehmen. Unser Einzugsgebiet ist hauptsächlich Hoyerswerda, aber auch Lauta, Laubusch und Wittichenau sowie Bernsdorf und Kamenz. Hauptziel ist die Aktivierung und berufliche Eingliederung. Das bedeutet zunächst, eine Tagesstruktur zu schaffen. Der Tagesablauf ist strukturiert durch praktische und schulische Aufgaben sowie sozialpädagogische Angebote, um den komplexen Problemlagen der jungen Menschen gerecht zu werden. Die praktischen Aufgaben beinhalten hauptsächlich den Arbeitsbereich Holz, aber auch die Bereiche Maler, Lackierer und Bau. In der Praxis geht es um die Förderung von handwerklichem Geschick, der Grob- und Feinmotorik sowie um eine erste berufliche Orientierung. Die Aufarbeitung der schulischen Kenntnisse erleichtert zudem den Übergang in eine Ausbildung. Wir haben über das Jahr verteilt Neuzugänge, aber auch Abgänge. Es gibt Jugendliche, die trotz intensiver Bemühungen sehr schwer zu erreichen sind und kaum oder gar nicht bei uns ankommen. In diesem Fall wird die Maßnahme nach einigen Wochen beendet. Die Mehrheit der Jugendlichen nutzt das Angebot jedoch sehr gut zur individuellen Problembewältigung. Die Vermittlung in weiterführende Maßnahmen, in Ausbildung oder in ein Arbeitsverhältnis, gelingt dann erfahrungsgemäß besser.

Welche Projekte stehen jetzt an?

Um die Jugendlichen ausreichend für eine Tätigkeit zu motivieren und das eher negative Bild sogenannter „sozial schwacher“ Menschen in der Öffentlichkeit zu revidieren, sind uns sinnvolle und gesellschaftlich relevante Arbeitsaufträge sehr wichtig. Wir wollen keine Werkstücke für die Brennholzkiste! Deshalb arbeiten wir mit regionalen, gemeinnützigen Einrichtungen zusammen. Ein langjähriger Kooperationspartner ist die Krabatmühle Schwarzkollm. Nachdem wir unter anderem die Beschilderungen des Erlebnispfades umgesetzt haben, sind wir nun damit beschäftigt, diesen auch erlebnisreich zu gestalten. Wir hoffen, dass wir trotz der eingeschränkten aktuellen Lage noch in diesem Jahr die ersten Installationen aufstellen können. Ein weiterer Kooperationspartner ist die KulturFabrik Hoyerswerda speziell im Rahmen des Projektes „Stadtteilanker“. Hier sind wir aktuell dabei, einen besonderen Blickpunkt für die Bürgerwiesen zu bauen.

Gibt es auch Probleme – und wäre mehr Unterstützung von außen denkbar?

Aktuell ist die größte Herausforderung, das Projekt trotz Corona durchzuführen. Während wir Mitarbeiter vor Ort sind, arbeiten die Teilnehmer im Homeoffice. Sie erhalten Arbeitsblätter, selbstgedrehte, fachpraktische Videos und kleine praktische Aufgaben. So nehmen sie weiterhin an den Arbeitsprojekten teil und werden gefördert. Über die üblichen technischen Kommunikationswege halten wir Kontakt, um individuelle Krisen in der Krise abfangen zu können. Die Bedarfe der jungen Menschen werden zunehmend komplexer. Deshalb sind wir stets bestrebt, neue methodische Ansätze in das Projekt einfließen zu lassen. Dazu braucht es allerdings entsprechende finanzielle und personelle Mittel. Das ist jedoch stets Diskussionsstoff in der Sozialen Arbeit ... Die Zusammenarbeit mit den Kostenträgern und allen Kooperationspartnern kann ich an dieser Stelle nur lobend erwähnen. Vielen Dank für die stets wertschätzende, unkomplizierte sowie kooperative und lösungsorientierte Zusammenarbeit.

Doreen Zschiesche
Doreen Zschiesche © Foto: Silke Richter

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