merken
PLUS

DSC-Boss spricht erstmals über Trainer Waibl

Die Volleyballerinnen stecken in der größten Krise seit zehn Jahren - und werden daraus Konsequenzen ziehen.

Jörg Dittrich hält an Alexander Waibl, dem „Extremisten des Volleyballs“, fest.
Jörg Dittrich hält an Alexander Waibl, dem „Extremisten des Volleyballs“, fest. © Robert Michael

Wenn es um das Thema Aufmerksamkeit geht, blickt Alexander Waibl neidisch auf die Fußballer. In diesen Tagen dürfte er jedoch froh sein, als Volleyballtrainer zu arbeiten. „Wenn wir so agieren würden wie der Fußball, würden wir den Trainer entlassen“, erklärt DSC-Volleyballchef Jörg Dittrich im SZ-Gespräch. „Aber wir wollen den Beweis antreten, dass Kontinuität auch zum Erfolg führt.“

Im Vorstand gibt es „definitiv keine Trainerdiskussion“, versichert er – trotz der größten Krise seit Jahren. „Was wir gerade vorfinden, habe ich in meiner Zeit noch nicht erlebt und der Trainer auch nicht.“ Dittrich ist seit Sommer 2010, und damit nur ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt von Waibl, Vorstandsvorsitzender bei den Dresdner Volleyball-Frauen.

Anzeige
Ein Gruß zu Weihnachten
Ein Gruß zu Weihnachten

Überraschen Sie Ihre Lieben zum Fest mit einer individuellen Grußanzeige in Ihrer Sächsischen Zeitung, der Morgenpost und dem Döbelner Anzeiger.

Schon Anfang Oktober sprach der 49-Jährige von einer „komischen Saisoneröffnung“, weil bereits zwei Titel, Supercup und Pokal, weg waren. Kurz danach schied der Klub auch im europäischen Wettbewerb aus. Mit zuletzt drei Niederlagen in fünf Bundesligaspielen spitzt sich die Lage zu. Vom Titelanspruch ist der fünfmalige deutsche Meister meilenweit entfernt.

Die Mannschaft wirkt verunsichert, schafft es nicht, in kritischen Situationen das Momentum auf ihre Seite zu ziehen. Am Teamgefühl liege es laut Trainer nicht, der einen „enormen Zusammenhalt“ unter den Spielerinnen sieht. Aber erreicht er noch seine Frauen? Ja, findet sein Vorstandsboss, als Trainer hat man eben die „besonders schwere Aufgabe, die Balance zwischen Härte und Empathie zu finden. Alex beherrscht das Wechselspiel“. Dass bei den Fans inzwischen die Trainerfrage gestellt wird, entspreche dem Zeitgeist, ungeduldig zu sein, findet Dittrich.

Waibl hatte fast plädoyerartig in eigener Sache im SZ-Interview dazu Stellung bezogen: „Dass ich der richtige Trainer für den Verein bin, habe ich hinreichend bewiesen.“ Rückendeckung bekommt der langjährige Coach, der einen Vertrag bis 2021 hat, vom Vorstand. „Er ist der Richtige“, betont Dittrich, auch wenn man sich für vergangene Erfolge nichts kaufen könne – weder der Verein, noch der Trainer. Das sei die Härte im Leistungssport.

Kein Geld für weitere neue Spielerinnen

Was auffällt: Im Verein fehlt ein sportliches Korrektiv zu Waibl. Die Position des Sportdirektors beim DSC ist seit dem Weggang von Jens Tietböhl 2015 unbesetzt. Es fehlt das Geld dafür, heißt es. „Aber wir sind in den Jahren sportlich nicht schlechter gefahren als andere mit Sportdirektor“, meint Dittrich und betont, der „Trainer ist nicht autistisch allein unterwegs“.

Wie der DSC die sportliche Krise meistern will, bleibt trotzdem die Frage. „Ich glaube, das Team kann sich da nur allein rausholen. Und es braucht den Zuspruch von uns, nicht den vorgespielten, sondern den gelebten“, meint der Inhaber einer Dachdecker-Firma. Dass Dittrich nach einer Niederlage (gegen Straubing) in der Kabine war, sei bisher einmalig gewesen. Er steht im ständigen Austausch mit einigen Spielerinnen und natürlich dem Trainer.

Auch wenn die Playoffs und damit die entscheidende Phase erst im März beginnen, setzen sich die Verantwortlichen mit dem Gedanken einer titellosen Saison auseinander. „In den vergangenen sechs Jahren war der dritte Platz das schlechteste Ergebnis. Das droht uns wieder, andere wären darüber froh. Aber klar, es ist nicht unser Anspruch, und wir werden daraus Konsequenzen ziehen“, erklärt Dittrich.

Der langwierige Ausfall der finnischen Diagonalangreiferin Piia Korhonen hat die Mannschaft doch schwerer getroffen als erwartet. Nun soll die Finnin zunehmend mehr Spielanteile bekommen. Für eine Nachverpflichtung, die dem DSC sofort geholfen hätte, war kein Geld da. Und die Neuzugänge hadern offensichtlich mit dem Erwartungsdruck im Umfeld. „Wir machen jetzt das Beste aus der Situation. Das ist eine Kampfansage. Und wenn ich mir was wünschen dürfte, dann, dass das Team für seine Beharrlichkeit belohnt wird“, sagt Dittrich.