merken
PLUS Dresden

Mein Traumjob: Alltagshelfer

Der Dresdner Martin Schade verdient sein Geld als "Alltagswichtel". Er schneidet Hecken, putzt Bäder und spielt Schach. Nur eine Aufgabe ist für ihn Tabu.

Alltagsbegleiter Martin Schade mit Jutta K. an ihrem Briefkasten.
Alltagsbegleiter Martin Schade mit Jutta K. an ihrem Briefkasten. © Marion Doering

Dresden. Wohl dem, der einen Wichtel seinen Freund nennen darf. Diese kleinen hilfsbereiten Geister übernehmen mit großer Freude und Motivation Aufgaben im Haus - genauso wie Martin Schade. Zwar erinnert der 31-Jährige optisch kaum an einen Wichtel - und doch hat er Ähnliches im Sinn.

Deswegen hat Schade sein jüngst gegründetes Ein-Mann-Unternehmen auch "Alltagswichtel" getauft. Die Marke hat er sich sogar schützen lassen. Wichtiger als der Name aber ist ihm aber seine Mission: Dresdnern im Alltag helfen, sei es beim Einkaufen, beim Saugen, bei Arztbesuchen oder beim Schneiden der Hecke.

JABS
JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

"Der Bedarf in der Stadt ist ohne Zweifel riesig und wächst weiter", sagt Schade, "aber bislang wissen die wenigsten, dass ihnen im Monat ein Budget für Hilfeleistungen dieser Art zusteht, sofern sie einen Pflegegrad besitzen. Natürlich würden die Krankenkassen nicht gerade freiwillig Werbung dafür machen. Martin Schade aber will dafür sorgen, sich diese wichtige Information weiter verbreitet. Sieht er beim Einkaufen einen älteren Menschen, der schwere Taschen schleppt, spricht er ihn auch schon mal darauf an.

Den ersten Kontakt mit Hilfsleistungen im Haushalt hatte Schade bei seinem Zivildienst in der Christlichen Sozialstation in Meißen. "Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich anschließend weiter dort gearbeitet habe." Parallel dazu studierte er in Dresden Soziologie in Verbindung mit Sozialpädagogik und erwarb sein Diplom. 

Der Einsatz für die Sozialstation erfüllte ihn, aber der Lohn reichte auf Dauer nicht zum Lebensunterhalt. Bald reifte in Martin Schade der Gedanke, sich als Alltagshelfer selbstständig zu machen. Innerhalb weniger Monate machte er ernst. Er meldete sein Gewerbe an, verteilte erste Flyer. Ein Freund setzte seine Wichtel-Homepage auf. Bald nahmen die ersten Kunden zu ihm auf. 

"Ich kann jetzt schon sagen, dass das mein Traumjob ist", sagt er. "Ich kann so vielen Menschen ein bisschen Glück spenden und bekomme so viel Dankbarkeit zurück."

Oft auch nur ein bisschen Gesellschaft gewünscht

Ob es der Dank für den reparierten Mixer ist oder für die gekehrte Einfahrt - Martin Schade hilft dort, wo er gebraucht wird. Seit er eine Hausmeisterversicherung abgeschlossen hat, kann er auch mal eine Lampe im Wohnzimmer austauschen. Nur die Körperpflege und medizinische Unterstützung gehört nicht zu seinem Aufgabenfeld. "Natürlich wechsle ich auch mal ein Paar Strümpfe oder helfe jemanden auf die Toilette, aber das ist eher die Ausnahme."

Häufiger kommt es da schon vor, dass ihn Menschen zu sich bestellen, weil sie sich einfach ein wenig Gesellschaft wünschen. Gemeinsam Flugzeuge am Himmel beobachten oder eine Partie Schach spielen. "Ich lasse mich auf die Kunden ein und sie sehr schnell auf mich." Das sei auch der Unterschied zu größeren Pflegediensten, bei denen im Zweifel jeden Tag ein anderer Mitarbeiter klingelt.

Sieben bis acht Kunden betreut Schade derzeit am Tag. An Urlaub ist vorerst kaum zu denken, denn viele seien inzwischen auf seine Hilfe angewiesen. "Das sind Aufgaben, die früher von Zivildienstleistenden abgedeckt wurde. Aber die gibt es nicht mehr." Immer mehr Ältere würden allein leben und zum Teil jahrelang auf einen Heimplatz warten. Oft wohnen die Kinder weit weg.

So gefragt ist Schade nach wenigen Monaten bereits, dass er sich vorsichtshalber schon mal nach einem Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis umschaut. Interessenten können sich gern unter den Kontaktdaten auf seiner Homepage melden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden