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Wacker plant Millionen-Bau in Nünchritz

In der neuen Anlage soll der Ausgangsstoff für einen neuartigen Parkettkleber produziert werden. Wegen Corona gilt das Vorhaben noch nicht als sicher.

Die dunklen Wolken über dem Nünchritzer Chemiewerk sind verschwunden. Wacker investiert wieder.
Die dunklen Wolken über dem Nünchritzer Chemiewerk sind verschwunden. Wacker investiert wieder. © Jörg Richter

Nünchritz. Nach dem Einbruch der Produktion von Sonnenenergieanlagen auf dem europäischen Markt  und den damit verbundenen Einbußen bei der Siliziumproduktion besinnt sich der Chemiekonzern Wacker auf seine langen Nünchritzer Traditionen bei der Herstellung von Dicht- und Klebstoffen. Das Münchner Unternehmen will in seinem sächsischen Werk eine Anlage zur Herstellung von silanterminierten Polyethern errichten. Das geht aus einer Mitteilung der Landesdirektion Sachsen hervor. 

Ein Pressesprecher der Wacker Chemie AG in München bestätigte auf SZ-Anfrage das Bauvorhaben. In der geplanten Anlage sollen sogenannte Hybridpolymere hergestellt werden. Sie dienen unter anderem als Bindemittel für hochwertige Kleb- und Dichtstoffe, für Flüssigabdichtungen oder umweltfreundliche Parkettkleber. 

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Wie in der Bekanntmachung der Landesdirektion geschrieben steht, soll die neue Produktionsanlage, zu der auch zwei Tanklager und eine Abfüllanlage gehören, voraussichtlich schon im Januar 2022 in Betrieb gehen. Doch aus der Münchner Konzernzentrale heißt es: "Eine endgültige Entscheidung zum Baubeginn steht noch aus." Wacker teilt weiter mit, dass der Bau zwei Jahre in Anspruch nehmen würde.

Neue Arbeitsplätze im Chemiewerk?

Der Chemie-Konzern, der im vergangenen Jahr vor allem wegen der Solarsilizium-Krise einen leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte, blickt nach vorn und nimmt für den Bau der neuen Anlage in Nünchritz viel Geld in die Hand. "Es ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag geplant", so der Sprecher.

Auf die Frage, ob es  durch die neue Produktionsanlage Einflüsse auf die Umwelt und den Menschen (z. B. Lärm) gibt, antwortet er: "Alle Anlagen in Nünchritz unterliegen ohne Ausnahme den behördlichen Umweltschutz- und Immissionsauflagen. Selbstverständlich halten wir diese ein oder unterschreiten diese, wie unsere Berichte immer wieder belegen. Das gilt auch für alle neuen Anlagen, die wir am Standort errichten wollen."

Vorhaben unter Vorbehalt

Wie viele Arbeitsplätze durch die neue Produktionsanlage entstehen, dazu will sich Wacker erst zu Baubeginn äußern. Noch sei alles in der Planung. Diese würde übrigens nicht von der aktuellen Corona-Situation betroffen sein und ganz normal weiter laufen. "Allerdings kann derzeit niemand abschätzen, welche Auswirkungen das Coronavirus auf die Wirtschaft haben wird", so der Wacker-Sprecher. "Abhängig von der weiteren Entwicklung und staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens stehen deshalb unsere Investitionen unter Vorbehalt." 

Aus der Fachpresse ist zu entnehmen, hatte Wacker auf  der European Coatings Show 2017 zwei neue silanterminierte Polymere vorgestellt. Also jene Stoffe, die in Nünchritz produziert werden sollen. Die neuen Typen verbessern die Haftungseigenschaften von weichmacherfreien Klebern und sind dabei sehr dehnbar. Sie ergänzen das Angebot der silanterminierten Polymere, die der Münchner Chemiekonzern unter dem Namen Geniosil vermarktet.

Die Planungsunterlagen für den neuen Millionen-Bau von Wacker liegen bis zum 8. Juni im Nünchritzer Bauamt im Zimmer 15 aus. Aufgrund der aktuellen Lage wird empfohlen, vorher im Gemeindeamt unter 03525 5000 anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. Einwendungen gegen das Vorhaben können bis zum 9. Juli schriftlich bei der Landesdirektion Sachsen oder der Gemeindeverwaltung Nünchritz eingereicht werden.