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Was ein Brunnen diesem Ehepaar bedeutet

Martina und Rainer Hawranke aus Dresden engagieren sich für ihre Heimatstadt und haben als Zeichen des Friedens eine besondere Stiftung gegründet.

Martina und Rainer Hawranke wollen ihrer Stadt etwas zurückgeben und haben eine Stiftung gegründet.
Martina und Rainer Hawranke wollen ihrer Stadt etwas zurückgeben und haben eine Stiftung gegründet. © Marion Doering

Dresden. Fast jede Woche kommen Martina und Rainer Hawranke auf den Neumarkt. Aber nicht wie andere, um dort einen Kaffee oder einen Wein zu trinken. Stattdessen  bringen sie Wasserbehälter mit. Das Wasser ist für ihren Baum bestimmt, eine schlanke ahornblättrige Platane, die mit 27 anderen ihrer Art das Grüne Gewandhaus auf dem Neumarkt bildet. Im Frühjahr 2019 ist es eingeweiht worden und Hawrankes waren als Spender des Baumes dabei. 5.000 Euro war er ihnen wert. Das Ehepaar hatte schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, ihrer Heimatstadt, in der sie geboren sind und sich wohlfühlen, etwas zurückzugeben. "Die Bäume wachsen mitten in der Stadt, wir hinterlassen also etwas sehr Lebendiges", hatte Rainer Hawranke damals gesagt.

Bei ihren Arbeiten am Baum, beide säubern regelmäßig auch die Kieselsteine auf den Baumscheiben von Zigarettenkippen und Hundekot, entdeckten die beiden einen Brunnen neu, den Martina Hawranke schon aus Kindertagen kennt: den Friedensbrunnen. Dieser Name wird nur wenigen Dresdnern etwas sagen. Aber das Wasserspiel steht direkt zwischen dem Verkehrsmuseum und dem Grünen Gewandhaus.  

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Rainer Hawranke begann zu den Ursprüngen des Brunnens zu recherchieren und fand heraus, dass der achteckige Wassertrog bereits aus dem Jahr 1616 stammt.  Ab 1650 zierte eine Darstellung der Friedensgöttin Eirene den Brunnensockel, bevor diese 1683 durch die neue Statue der Kriegsgöttin Bellona ersetzt wurde. Sie sollte an die siegreiche Schlacht am Kahlenberg gegen die Türken erinnern, bei der auch der sächsische Kurfürst Johann Georg III. dabei war.

Martina und Rainer Hawranke haben 5.000 Euro für eine ahornblättrige Platane auf dem Neumarkt gespendet. Nun hat es ihnen ein Dresdner Brunnen angetan.
Martina und Rainer Hawranke haben 5.000 Euro für eine ahornblättrige Platane auf dem Neumarkt gespendet. Nun hat es ihnen ein Dresdner Brunnen angetan. © Sven Ellger

"Wir haben uns den Brunnen angesehen und gedacht, dass er gut geeignet ist, um eine weitere Idee von uns umsetzen: Wir haben eine Stiftung gegründet, mit deren Geld später neben unserem Baum auch ein wertvolles Detail unserer Heimatstadt erhalten werden kann", sagt Martina Hawranke. Beide wurden vor allem vom Wort Frieden inspiriert. Der Brunnen auf dem Neumarkt sei ein Symbol dafür. "Mit unserer Stiftung wollen wir ein Zeichen setzen, dass es in Dresden Menschen gibt, denen der Erhalt des Friedens und damit auch der Mutter Erde besonders wichtig ist", sagt Rainer Hawranke. Gerade vor dem Hintergrund der Pegida-Demonstrationen, die auch auf dem Neumarkt stattfinden, ist ihm das wichtig. 

Beim Amt für Stadtgrün rannten sie mit diesem Plan offene Türen ein. Dort freut man sich sehr über Spender. Im Falle des Friedensbrunnens wird ein Teil der "guten fünfstelligen Summe", wie sie Rainer Hawranke beziffert, zunächst für die Ausbesserung der Fugen am Wassertrog verwendet. In wenigen Wochen wird auch eine Tafel am Fuße des Brunnens angebracht, auf der das Ehepaar als Stifter verzeichnet ist.

Am 21. September, den Tag hat die UNO als Weltfriedenstag ausgeschrieben, wollen Martina und Rainer Hawranke, die beide im Ruhestand sind, an ihren Brunnen gehen und ihn mit einem kleinen Körbchen mit einer weißen Rose schmücken. Dieses Symbol, zurückgehend auf die Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl, steht für Hoffnung und Neubeginn. "Eigentlich hatten wir mehr geplant, wollten den ganzen Brunnen schmücken, aber das hat die Stadt abgelehnt mit der Begründung, es könnte zu Vandalismus führen." Das finden beide schade und mutlos. In Franken gebe es sogar die Jahrhunderte alte Tradition des Brunnenschmückens. "Wir hätten gemeinsam überlegen können, wir wir es machen, um etwas Neues, Kreatives zu entwickeln. Denn so etwas spricht das Gefühl der Menschen an. Aber darauf ging die Stadt leider nicht ein", sagt Rainer Hawranke.      

Mit ihrer Stiftung für die Pflege und den Erhalt des Friedensbrunnen sowie ihres Baumes wollen sie ein Mosaiksteinchen dazu beitragen, dass Dresden weiter so lebenswert  bleibt. "Die Stadt muss für die Menschen da sein, aber andersherum auch der Mensch für die Stadt", sagt der frühere Angestellte einer Versicherung.

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