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Was die Schwarze Elster jetzt freigibt

Die Trockenheit ist dramatisch. Doch sie lässt auch seltene Einblicke zu:

Die alte Brücke bei Neuwiese hat ihre besten Tage lange hinter sich. Jetzt kann man sie sich mal trockenen Fußes von unten betrachten.
Die alte Brücke bei Neuwiese hat ihre besten Tage lange hinter sich. Jetzt kann man sie sich mal trockenen Fußes von unten betrachten. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda und Umland. Die Schwarze Elster ist hinter Hoyerswerda trocken gefallen. Die Stelle, an der kein Wasser mehr fließt, rückt immer weiter ins Stadtgebiet hinein. Dienstag war jedenfalls schon die Stadtgrenze im Bereich der Kirchwegbrücke erreicht. In ein paar Senken stand noch etwas Wasser. Dann liegt der Fluss bis hinter Neuwiese trocken da. 

Hier wird dann das in Hoyerswerda gehobene Grundwasser über den Westrandgraben zugeleitet. Einen Kilometer weiter kommt das geklärte Abwasser der Kläranlage Bergen hinzu. Nur so kann der Elsterpegel hinter dem Klärwerkauslauf überhaupt noch einen Wasserstand anzeigen. Aber auch dieses versiegt irgendwo auf der wenig später folgenden langen Geraden. Wasser im Flussbett der Schwarzen Elster findet man dann erst wieder in Senftenberg, wo das Nass aus der Grubenwasserreinigungsanlage Rainitza eingeleitet wird. Vermutlich wäre der Fluss sonst bis zur Elbe trocken.

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100 Schuss Munition

Das hat dramatische Folgen. Hunderte, vielleicht auch tausende Fische verendeten. Für andere Lebewesen wie Muscheln und Krebse sieht es genauso schlecht aus. Ihre Überreste findet man im Flussbett, wobei tote Fische eher vor zehn Tagen das Bild bestimmten. Jetzt findet man nur noch einzelne Kadaver. Die anderen wurden vermutlich gefressen.

Doch man findet noch viel mehr Sachen, auch wenn man quasi nichts davon mit nach Hause nehmen möchte.

In den Polizeibericht schaffte es der Fund von über 100 Schuss Kleinkalibermunition unterhalb der Straßenbrücke bei Bergen/Seidewinkel. Nur ein paar Meter weiter ragt aus einer moddrigen Senke, die mit reichlich Holzpfählen bewehrt ist, einiges an Metall. Nach Waffen oder Munition sieht da auf den ersten Blick nichts aus. Eher ein bisschen nach Heizkörper, irgendwie gefaltete Bleche, Metallstäbe.

Der Fluss zeigt an Stellen seinen Grund, an denen er es sonst nicht tut. Es ist der Kanal, wie er in den 1930er-Jahren angelegt wurde, um Hoyerswerda vor den allgegenwärtigen Hochwassern zu schützen. Weiter flussabwärts war die Schwarze Elster schon aus den für die geplanten Braunkohlegruben reservierten Gebieten heraus verlegt worden. So entstand der heutige Kanal. Einige Wehre sind mittlerweile entfernt und zu rauen Rampen umgebaut worden. Man sieht es ihnen nicht an, aber seit dem Hochwasserjahr 2002 (bei dem die Schwarze Elster keine Rolle spielte) sind in Sachsen mittlerweile fast alle Deichabschnitte saniert, auf den Stand der Zeit gebracht worden.

Man läuft in der ausgetrockneten Schwarzen Elster auf der ersten Strecke hinter Hoyerswerda und später bei Tätzschwitz über Wasserbausteine, Schotter, Sediment. Bei Koschen hat man es aufgrund der langanhaltenden Trockenheit hingegen mit ordentlichem Bewuchs zu tun. Da kommt man nicht mehr so ohne Weiteres im Flussbett voran. Auffallend sind flächendeckende Kunstwerke der Natur. Wasserpflanzen, die in diesem Jahr bei wenig Wasser und geringer Strömungsgeschwindigkeit prächtig gediehen und sich in Fließrichtung orientieren, legten sich genauso auf den austrocknenden Grund und trockneten zu einer nun teils größere Bereiche abdeckenden grauen Schicht, die aber schnell zerbröselt unter den Schuhen. Und wie das so ist – den Menschen fallen nicht mehr benötigte Dinge ja gern auf Brücken aus der Hand oder zumindest im Bereich der Siedlungen ins Wasser. Andererseits nimmt die Strömung eben Objekte mit und lagert sie spätestens vorm nächsten Wehr ab. Und genau hier findet man dann kleine und große Flaschen, Metallteile, einen Reifen, Ziegel. Nein, nicht in Massen. Die Schwarze Elster ist keine Müllhalde. Das sah vor einigen Jahrzehnten anders aus. Vieles wurde mittlerweile entfernt, wird bei den regelmäßigen Grundberäumungen mit herausgeholt und entsorgt. Was man jetzt findet, hat sich dem erfolgreich entzogen. Allerdings haben die Idee, mal zu schauen, was man so findet, schon einige Menschen gehabt, wie die zahlreichen Spuren bezeugen.

Kein Wasser entnehmen

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Wenn man das alles so sieht, denkt man irgendwann über Hitze, Trockenheit, ja auch Klimawandel nach. Weiter oberhalb in der Schwarzen Elster ist noch Wasser vorhanden. Doch im Landkreis Bautzen ist es weiterhin verboten, aus Seen, Teichen und Flüssen mit Pumpen Wasser für den Eigenbedarf von Anliegern zu entnehmen. Darauf weist das Landratsamt dieser tage explizit hin. Eine Ende Juni dieses Jahres herausgegebene Verfügung gilt nach wie vor. Die Behörde begründet das mit der anhaltenden Trockenheit und Wärme. Handschöpfgeräte sind von dem Entnahmeverbot zwar ausgenommen. Doch wo jetzt noch Wasser in den Flüssen ist, sollte es wohl lieber bleiben. Und ergiebiger Regen – wer weiß schon, wann der wirklich kommt.

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