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Was Energie Cottbus vom Pokalabend bleibt

Die Cottbuser werden nach dem Pokal-Aus mit Lob überschüttet. Das könnte helfen, die Probleme im Viertliga-Alltag zu meistern.

Die Cottbuser Spieler feiern nach dem Spiel lange mit den Fans.
Die Cottbuser Spieler feiern nach dem Spiel lange mit den Fans. © Frank Hammerschmidt

Was hängen bleibt von diesem Abend, ist weniger das Spiel und das Ergebnis. Es ist die Atmosphäre im ausverkauften Stadion. Es brennt auf den Rängen, diesmal aber allein im übertragenen Sinn. Nach dem Abpfiff feiert die Fankurve die Cottbuser Mannschaft minutenlang, stimmt die Vereinshymne an. Es scheint, also wolle niemand nach Hause gehen, alle möchten den Moment festhalten. Was natürlich nicht geht.

Die Spieler des Rekordpokalsiegers aus München sind ebenfalls beeindruckt. „Wenn man sieht, was hier los ist“, meint David Alaba. „Das ist ein Traditionsverein, egal, in welcher Liga sie sind.“ Am Ende der vergangenen Saison fehlte ein einziges Tor zum Klassenerhalt, nun kickt Energie wieder viertklassig. Am Montagabend sind die Unterschiede bei den Spielanteilen zwar gewaltig, die Münchner haben 80 Prozent Ballbesitz, doch kämpferisch war es ein Duell „auf Augenhöhe“, wie Bayern-Trainer Niko Kovac fand. „Die Mannschaft hat sich von der ersten bis zur letzten Minute gewehrt, ich muss ihr ein Riesenkompliment aussprechen. Die Stimmung war auch toll – so kenne ich Cottbus.“

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Wenn man als Verlierer derart mit Lob überschüttet wird, kann man sich zwar freuen, doch nichts davon kaufen. Raus ist nun mal raus. Und wenn die Münchner Ende Mai zum 20. Mal den DFB-Pokal gewinnen sollten, wird sich kaum noch jemand daran erinnern, dass neun Monate vorher eine tapfere Cottbuser Mannschaft beim 1:3 erbitterten Widerstand geleistet hatte.

Dennoch: Dass die Hoffnung mitschwang, dieser Abend könnte positive Nachwehen haben, war überall deutlich zu spüren. Vor allem natürlich bei Claus-Dieter Wollitz. Der Energie-Trainer nutzte die große Bühne, um auf all die Probleme aufmerksam zu machen, die ihn im tristen Viertliga-Alltag beschäftigen – verbunden mit der Hoffnung, dass sich nun etwas verbessern könnte.

Da ist der Kader. Routinier Dimitar Rangelov rausgerechnet, war die Startelf 21,3 Jahre jung. Wollitz zählt die Namen der sieben Talente auf, die entweder noch in der U19 spielen könnten, oder ihr gerade erst entwachsen sind. „Und wir hatten heute nur 17 Mann im Kader. Da sieht man, dass wir noch was tun sollten“, erklärt Wollitz. „Ich hoffe, dass wir jetzt Spieler bekommen, die ein bisschen Gelassenheit, Erfahrung und Stabilität mitbringen.“

Finanzielle Sorgen

Der Pokalabend, so seine Hoffnung, könnte ein gewichtiges Argument bei der Suche nach Verstärkungen sein. „Ich hoffe, dass alle, die wir im Blick haben, zugeschaut und gesehen haben, was man hier für eine Stimmung entwickeln kann, was das für eine junge, geile Truppe ist.“

Und da ist die Erwartungshaltung. Der direkte Wiederaufstieg gilt als Ziel, Wollitz meldet leise Zweifel an. „Die Frage ist, ob man den jungen Spielern damit gerecht wird. Bei ihnen wird es Schwankungen geben, das ist völlig normal. Man sollte von ihnen nichts verlangen, was sie nicht leisten können. Dann fördert man sie nicht, sondern überfordert sie.“

Als Beispiel nennt er den 19-jährigen Torwart Lennart Moser, der beim Punktspiel vor einer Woche nach einem Fehler noch scharf kritisiert worden war. Gegen den FC Bayern glänzte er wiederholt und verhinderte weitere Gegentreffer. Wollitz berichtete von einem Gespräch mit Manuel Neuer nach dem Spiel. Deutschlands Nummer eins habe zu ihm gesagt: „Respekt, euer Torwart hat aber Talent.“ Der Auftritt und dieses Lob könnten ihm extrem helfen, findet der Trainer, schränkt allerdings ein: „Wenn er das richtig balanciert und reflektiert.“ Das gelte für alle seine jungen Spieler.

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Und da sind schließlich die finanziellen Sorgen. Die fixen Einnahmen von 175.500 Euro für die erste Pokalrunde plus die Erlöse aus den 20.602 verkauften Tickets, die sich beide Vereine teilen, haben sicher geholfen. Doch große Sprünge kann der Verein, der von 2000 bis 2003 und dann noch einmal von 2006 bis 2009 erstklassig war, nicht leisten. Zu den Regionalliga-Heimspielen kommen zwischen 5.000 und 6.000 Zuschauer ins Stadion der Freundschaft. Die Dauerkartenfans warben am Montagabend auf selbstgepinselten Bannern für die nächsten Heimspiele gegen Auerbach, Meuselwitz und den BFC Dynamo. Ob das hilft?

Kovac, der mit Wollitz einst gemeinsam bei Hertha BSC spielte, wünschte seinem Freund, dass „er mit Energie seine Ziele erreicht“. Das Duell gegen den FC Bayern könnte ein bisschen geholfen haben.

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