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Was man über den Semperopernball wissen sollte

Viele Promis haben abgesagt. Ob es noch Balltickets gibt und wer alles gegen das Event protestiert.

Von rund 2000 Eintrittskarten, die für den Semperopernball verkauft werden, sind noch knapp 30 zu haben.
Von rund 2000 Eintrittskarten, die für den Semperopernball verkauft werden, sind noch knapp 30 zu haben. © dpa

Etliche Persönlichkeiten und Promis bleiben dem 15. Semperopernball fern. Sie wollen nicht im Zusammenhang mit der missratenen Preisverleihung an Ägyptens Machthaber Al-Sisi genannt werden oder sind von Anfeindungen verunsichert. Andere stehen nach der offiziellen Entschuldigung des Ballchefs Hans-Joachim Frey zum Ball. Der findet am 7. Februar wie geplant statt – allerdings ohne Preisverleihungen. Dafür verspricht der Veranstalter seinen Gästen einen Abend mit umso mehr Unterhaltung und Gelegenheit zum Tanzen.

Wie begründet Dietmar Hopp seine Ablehnung des St. Georgs Ordens?

Der Gründer des Softwarekonzerns SAP war als erster Preisträger dieses Jahres verkündet worden und hatte zunächst sein Kommen zum Ball angekündigt. Am Montag dann die Absage: Insbesondere die Anfeindungen gegen die Moderatorin Mareile Höppner habe ihn dazu bewogen, sowohl von seiner Teilnahme zum Ball abzusehen als auch auf den St. Georgs Orden zu verzichten. „Ich habe um Verständnis für meine Entscheidung gebeten, da ich nicht möchte, dass ich oder meine Familie zur Zielscheibe von Hass und Bedrohung werden“, teilte er auf Anfrage der SZ mit.

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Gibt es noch Balltickets und wie teuer sind sie?

Von rund 2000 Eintrittskarten, die für den Semperopernball verkauft werden, sind noch knapp 30 zu haben. Die besten und teuersten Plätze zum Preis bis zu 2380 Euro pro Person direkt an der Bühne sind ausverkauft. Wenige Tickets im Hauptsaal, die normalerweise 1530 Euro kosten, sind jetzt, kurz vor dem Event, für 1224 Euro zu haben. Restliche Logenplätze werden statt zu 1980 Euro für 1584 Euro angeboten. Für das Vestibühl und die Fledermausbar sind Restplätze zu 550 Euro vakant. Am preiswertesten sind Flanierkarten zu 325 Euro. Sie berechtigen jedoch nur zum Besuch des Balles ab 23 Uhr.

Welche Bedeutung hat der Semperopernball für Dresdner Hotels?

Ein bis zwei Übernachtungen buchen Ballgäste von auswärts in Dresdner Hotels. Thomas Gaier, Chef der Hotelallianz Dresden, sagt: „Der Ball färbt auf die Semperoper ab und bringt im Nachgang zusätzlich Besucher von Opernvorstellungen in die Stadt.“ Er sei positiv für das Image der Stadt gewesen – ein Effekt, der nun „ohne Not“ kaputt gemacht worden sei. Gaier spricht von einer „dramatischen Entwicklung“ und hofft, dass künftig „Änderungen nicht bei Kleinigkeiten belassen“ werden.

Gibt es wegen des Ballwirbels weitere Proteste?

Nachdem bereits Amnesty International für den 7. Februar, 16 bis 20 Uhr, eine Mahnwache anlässlich der Preisverleihung an Al-Sisi auf dem Theaterplatz angemeldet hat, kündigen nun die Banda Comunale und der Tolerave e.V. zusammen mit Dresdner Kulturschaffenden eine Protestaktion an. Sie laden zu einem „waschechten Seifenopernball“ auf den Schlossplatz ein. Um 17.30 Uhr wollen sie mit ihren Unterstützern vom Alaunpark über den Albertplatz und die Elbe bis zum Terrassenufer „tänzeln“, um dort 19 Uhr den 1. Dresdner Seifenopernball nach dem Motto „mächtig berauscht – Seifenoper jubiliert“ zu eröffnen.

Was findet vor der Oper im Rahmen des Semper-Open-Air-Balls statt?

Ab 18 Uhr startet der öffentliche Ball unter freiem Himmel auf dem Theaterplatz. Dort kostet das Feiern keinen Eintritt, Gastronomiestände bieten Essen und Getränke an. Es moderiert ab Balleröffnung René Kindermann, der WDR-Kinderchor tritt auf, ebenso das Deutsche Fernsehballett und die Rock-Pop-Kabarett-Band Die Notendealer. Gunther Emmerlich wird passend zum Ballmotto „Märchenhaft rauschend – Dresden jubiliert“ mit dem Publikum ein Märchen einstudieren. Punkt 21 Uhr wird der Ballabend mit der Licht- und Feuerwerksinszenierung Tom Roeders eröffnet.

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In eigener Sache

DDV-Mediengruppe distanziert sich von Semperopernball-Preisträger: Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, hat am 26. Januar den ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fatah Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs ausgezeichnet.

Die DDV-Mediengruppe ist seit vielen Jahren offizieller Medienpartner des Dresdner Semperopernballs. Ziel dieses Engagements war und ist es, ein Dresdner Event mit nationaler Ausstrahlung für Sachsen aufzubauen und zu befördern. Umfang und Art dieses Engagements werden regelmäßig neu bewertet.

Die DDV-Mediengruppe hat keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Balls.

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Die DDV-Mediengruppe (u.a. Sächsische Zeitung, Morgenpost, sächsische.de, TAG24.de) distanziert sich ausdrücklich von der Entscheidung, den ägyptischen Staatspräsidenten Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs auszuzeichnen. Missachtung von Menschenrechten einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind nicht vereinbar mit Haltung und Selbstverständnis von Verlag und Redaktionen in der DDV-Mediengruppe.

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