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Was Rossmann mit Grünlichtenberg verbindet

Michael Kreskowsky arbeitet an der Vorbereitung der 175-Jahr-Feier des Ortes. Dabei stößt er auf Überraschendes.

Von Elke Braun
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Dort, wo heute der Rossmann-Markt in Waldheim steht, befand sich früher das Amtsgericht. Grünberg und Lichtenberg besiegelten dort vor 175 Jahren ihren Zusammenschluss.
Dort, wo heute der Rossmann-Markt in Waldheim steht, befand sich früher das Amtsgericht. Grünberg und Lichtenberg besiegelten dort vor 175 Jahren ihren Zusammenschluss. © Dietmar Thomas

Grünlichtenberg. In Lebensjahren gesehen sind 175 Jahre viel. Die Städte und Dörfer in der Region haben jedoch zumeist erheblich mehr Jahre auf dem „Buckel“. Döbeln zum Beispiel ist mittlerweile 1.038 Jahre alt. Die Stadt Roßwein feiert im kommenden Jahr ihren 800. Geburtstag.

Eigentlich gibt es auch Grünlichtenberg schon viel länger – nämlich auch seit ungefähr 800 Jahren. Die Gründung des Ortes wurde jedoch offiziell erst am 1. Januar 1845 vollzogen – im damaligen Gerichtsgebäude am Waldheimer Obermarkt, wo heute die Rossmann-Filiale steht. An diesem Tag wurden Grünberg und Lichtenberg zusammenlegt – der Ort hieß fortan Grünlichtenberg..

Michael Kreskowsky¨– selbst Grünlichtenberger und in der Heimatgeschichte sehr bewandert – bereitet derzeit die Feierlichkeiten zur 175-Jahr-Feier mit vor. Dabei ist er auf einiges gestoßen, was nach seinen bisherigen Recherchen einmalig in Sachsen ist. Das beginnt schon beim Namen. In der Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts sind etliche Stadt- oder Dorfteile zusammengeschlossen worden. Brand-Erbisdorf zum Beispiel oder Annaberg-Buchholz. „Dass der neue Name des Ortes aber ohne Bindestrich und durch Weglassen einer Silbe wie im Fall von Grünlichtenberg völlig neu kreiert wurde, ist nach meinen Erkenntnissen einmalig in Sachsen“, sagt Michael Kreskowsky.

Zum Jubiläum gibt es jetzt eine Postkarte.
Zum Jubiläum gibt es jetzt eine Postkarte. © privat

Schon früher wurde gespart

Herausgefunden hat er unlängst auch, dass Grünberg und Lichtenberg schon lange vor der offiziellen Gründung den gemeinsamen Ortsnamen Grünlichtenberg verwendet haben müssen. „Ich habe alte Rechnungen und Karten gefunden, die aus den Jahren um 1810 bis 1830 stammen. Auch ein altes Siegel habe ich entdeckt, da steht schon Grünlichtenberg drauf“, erzählt Kreskowsky. Die beiden Dörfer seien also schon vor der Zusammenlegung zusammengewachsen.

Das sei heute nicht mehr so, sagt Kreskowsky mit Blick auf die Zwangseingemeindung von Grünlichtenberg nach Kriebstein vor 20 Jahren. „Das wollten die Einwohner damals überhaupt nicht und haben sich lange dagegen gesträubt.“

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste anscheinend in der Verwaltung auch schon gespart werden, vermutet der Heimatforscher. „Seit etwa 1938 wurde forciert, dass sich Gemeinden zusammenschließen sollen, um Verwaltungsaufwand zu sparen“, sagt er. Durch die Gründung von Grünlichtenberg sei damals auf einen Schlag aus drei Gemeinderäten einer entstanden. Neben Grünberg und Lichtenberg hatte nämlich auch das Rittergut Lichtenberg einen eigenen Gemeinderat.

Interessant findet Kreskowsky auch, dass Grünberg und Lichtenberg zu zwei verschiedenen Amtsbezirken gehörten, nämlich zu Rochlitz und Nossen. Später dann kam Grünlichtenberg bis 1952 zum Kreis Döbeln, wurde dann aber dem Kreis Hainichen zugeordnet. „Deshalb haben wir auch heute noch die Telefonvorwahl von Waldheim und die Postleitzahl von Mittweida“, sagt er. Das sei schon kurios, so etwas gebe es nicht oft in Sachsen.

Derweil sind die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten in nächsten Jahr in vollem Gange. Um Geld dafür einzuspielen gibt es schon seit Mitte des Jahres ein Festbrot in der Bäckerei Nowack in Grünlichtenberg zu kaufen (wir berichteten). Seit kurzem wird außerdem eine neutrale und eine Weihnachts-Postkarte von dem Ort angeboten. Ein Teil des Erlöses soll ebenfalls für das Jubiläum verwendet werden. Der Kirchenchor und die Chöre des Kindergartens und der Grundschule sowie der Musikschule Fröhlich haben Weihnachtslieder auf eine CD gesungen, deren Verkaufserlös auch dem Fest zugute kommt.

Los gehen die Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag bereits am 4. Januar mit einem Neujahrsempfang in der Kirche. Dazu sind neben den Einwohnern auch ehemalige Grünlichtenberger oder Leute, die sich mit dem Ort verbunden fühlen, eingeladen. Und neben dem Fest-Wochenende zu Pfingsten sind im nächsten Jahr noch mehrere kulturelle Höhepunkte geplant. „So macht der Besiedlungszug des Mittelsächsischen Kultursommers Station bei uns, und Gerhard Schöne wird ein Konzert geben“, zählt Kreskowsky auf. An den Festtagen zu Pfingsten gibt es einen Pfingst-Jahrmarkt, der bis vor 20 Jahren noch jährlich Tradition in dem Dorf war. Auch ein Festumzug mit mehr als 100 Beteiligten ist für Pfingstsonntag geplant.

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