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Steigende Preise durch Mindestlohn in Dresden?

Ab 2021 sollen Servicekräfte und Küchenhelfer besser bezahlt werden. Wird der Restaurant-Besuch dann teurer? Das sagen Dresdner Gastronomen.

Daniel Fischer ist Chef im Restaurant "Daniel" und fordert, dass der Mindestlohn dann flächendeckend kontrolliert wird.
Daniel Fischer ist Chef im Restaurant "Daniel" und fordert, dass der Mindestlohn dann flächendeckend kontrolliert wird. © Sven Ellger

Dresden. Der Mindestlohn in Deutschland soll bis zum 1. Juli 2022 in vier Stufen von aktuell 9,35 Euro auf 10,45 Euro steigen. Das hat die dafür zuständige Kommission aus Vertreter von Gewerkschaften, Wissenschaft und Arbeitgebern empfohlen. Die Bundesregierung muss die Höhe des Lohnes noch umsetzen, in der Regel richtet sie sich aber nach den Empfehlungen der Kommission.

Erstmal soll der Mindestlohn zum 1. Januar 2021 auf 9,50 Euro steigen. Zum 1. Juli 2021 soll eine zweite Anhebung auf 9,60 Euro folgen, zum 1. Januar 2022 eine dritte auf 9,82 Euro. Die vierte Stufe am 1. Juli 2022 soll auf 10,45 Euro gehen.

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Die Branche, die das neben vielen anderen in Dresden am meisten betrifft, ist die Gastronomie. Denn hier arbeiten Küchenhelfer oder Servicekräfte oft zum Mindestlohn. Bei der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 kritisierten viele Gastronomen, dass sie das wirtschaftlich nicht schaffen würden. Zahlten sie früher einem Küchenhelfer nur fünf Euro in der Stunde, mussten sie sich dann an die festgelegte Lohnuntergrenze halten. Diese wurden in den vergangenen Jahren immer wieder angehoben. 

"Höherer Mindestlohn geht nur mit höheren Preisen"

Wie stehen die Dresdner Gastronomen nun zur erneuten Erhöhung des Mindestlohns? "Ich bin für faire Entlohnung, doch es gibt eben auch Menschen, die diesen Lohn nicht in der Lage sind zu erwirtschaften. Damit meine ich nicht nur Berufsanfänger", sagt Daniel Fischer, der in Dresden sein Restaurant Daniel betreibt. Wenn die Erhebung kommt, werde er sie kalkulieren und bezahlen. "Durch die aktuelle Reduzierung der Steuer ist es kein Problem, interessant wird es, wenn der alte Steuersatz wiederkommt, dann werden die Preise wohl steigen müssen", so Fischer. Das müsse dann aber auch in Dresden flächendeckend kontrolliert werden, fordert der Koch.

"Wir zahlen schon länger mehr als Mindestlohn. Innerhalb der stufenweisen Erhöhung erhöhe ich dann entsprechend auch unsere internen Basislöhne", sagt Sasha Reiher, Chef des Madness in der Neustadt. Das werde unter anderem auch zu Preiserhöhungen führen müssen. "Meiner Meinung nach müsste der Mindestlohn viel höher sein. Da die Kalkulation in der Gastronomie allgemein gesehen sehr knapp ist, auch wenn es gut läuft, ginge das nur über höhere Preise", so der Wirt. Dafür müsste aber die Kundschaft allgemein bereit sein.

Luisenhof-Wirt Carsten Rühle sagt: "Wir zahlen unseren Mitarbeitern ohnehin schon mehr als den Mindestlohn." Wie viel genau, verrät er nicht. Er stellt aber klar, dass eine Erhöhung der Preise in diesem und auch im nächsten Jahr nicht geplant sei.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) begrüßt die geplante Anhebung. "Das Problem, dass der gesetzliche Mindestlohn seit seiner Einführung zu niedrig war, ist aber nicht beseitigt", so der Vorsitzende Guido Zeitler. Vor allem für die Beschäftigten im Niedriglohnbereich wie dem Gastgewerbe, die aufgrund von Kurzarbeit nach wie vor besonders unter der Coronavirus-Pandemie leiden und dramatische Einkommensverluste verkraften müssen, sei dies ein Signal, das in die richtige Richtung geht. Die Mitarbeiter seien dringend auf die Erhöhung des Mindestlohns angewiesen. Er müsse schrittweise, aber schnellstmöglich auf mindestens 12 Euro steigen, fordert Zeitler.

"In dieser Phase haben wir andere Sorgen"

Massive Kritik an der Erhöhung des Mindestlohns äußert Axel Klein, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen und Regionalbereichsleiter für Dresden. "In dieser Phase haben wir ganz andere Sorgen", sagt Klein mit Blick auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen für die Wirtschaft. "Jetzt geht es ums Überleben." Er kritisiert den Zeitpunkt der Mindestlohnanpassung scharf. Es gebe viele Arbeitslose und Arbeitssuchende in der Branche - das scheine nicht jedem Politiker klar zu sein. 

"Mit dem Mindestlohn wird keine neue Arbeitsstelle geschaffen." Vielmehr gehe es jetzt darum, Arbeitsplätze zu sichern, da sei für die Unternehmen in der Gastronomie und Hotelbranche jeder Cent wichtig. "Es nutzt niemandem, wenn jetzt viele Unternehmen pleite gehen." Deshalb habe der Verband gehofft, dass dieses Thema verschoben wird. Auch, um in der Corona-Krise ein Kneipensterben, vor allem im ländlichen Raum, zu verhindern. 

"Wir begrüßen es natürlich, wenn Arbeitnehmer in der Gastronomie ordentlich bezahlt werden, aber das wird nicht mit dem Mindestlohn geregelt." Und Axel Klein benennt zwei weitere Nachteile, die die Erhöhung des Mindestlohns mit sich bringe: Zum einen würde das nicht dazu führen, dass die Tarifbindung in der Branche steigt. Zum anderen werde der Unterschied zwischen einem gelernten Facharbeiter und einem ungelernten Quereinsteiger immer geringer. Das sei nicht der richtige Weg, Fachkräfte für die Branche zu gewinnen. 

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