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Was wird mit den Friedhöfen?

Die Cunnersdorfer Pfarrerin sieht den geplanten Bestattungswald in Brauna kritisch. Sie warnt vor den möglichen Folgen.

© Matthias Schumann

Von Nicole Preuß

Cunnersdorf. Die Bäume auf dem Friedhof in Cunnersdorf haben schon eine leichte Herbstfärbung angenommen. Gelbe Blätter liegen zwischen den teils alten Einfassungen der Gräber. Die Grabsteine erzählen Geschichten von Menschen, die einmal das Dorf geprägt haben. Mitglieder der ehemaligen Gutsherrenfamilie fanden zum Beispiel ihre letzte Ruhe zwischen den Bäumen. Landwirte wurden auf dem Gottesacker bestattet und einstige Pfarrer.

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Claudia Wolf kann viele der Namen zumindest in eine bestimmte Familienrichtung einordnen. Die Pfarrerin kümmert sich neben ihrer Arbeit in der Kirchgemeinde Kamenz um die Kirchgemeinde in Cunnersdorf, zu der auch die Dörfer Hausdorf, Biehla und Schönbach gehören. Sie beobachtet, wie der Friedhof an den Vormittagen und Nachmittagen zu einem Begegnungsort wird. Wie sich Leute aus den Dörfern treffen, sich austauschen und die Gräber ihrer Angehörigen pflegen.

Finanzielle Probleme befürchtet

Die Kirchgemeinde betreut den Friedhof, sie lässt Wege instand setzen, kümmert sich in Abstimmung mit der Gemeinde ums Beschneiden der Bäume, stellt Wasser bereit, übernimmt das Schneeräumen und stellt eine gepflasterte Zufahrt und einen Parkplatz zur Verfügung. Sie befürchtet aber, dass sich das mit dem geplanten Bestattungswald am Vogelberg ändern könnte. Ein Waldeigentümer will dort gemeinsam mit der Friedwald GmbH einen Bestattungswald einrichten.

Claudia Wolf sieht das kritisch. „Der Bestattungswald wird den Friedhöfen finanzielle Probleme bereiten“, sagt sie. Die Pfarrerin geht davon aus, dass die Kirchgemeinde Cunnersdorf den Friedhof dann über kurz oder lang nicht mehr halten kann und er dann an die Gemeinde fallen wird. „Ein Friedhof muss sich allein tragen“, sagt sie.

Und das tut er auf der Einnahmenseite vor allem über die Nutzungsgebühr und die Friedhofunterhaltungsgebühr, die Angehörige für die Gräber zahlen. Spenden kommen dazu, doch nicht in Größenordnungen. Dieses Geld wird dann für die nötigen Arbeiten ausgegeben. „Die Baumpflege schlägt in Cunnersdorf zum Beispiel stärker zu Buche als bei anderen Friedhöfen, weil es einfach viele Bäume gibt“, sagt sie. Erst in den vergangenen Jahren musste die Kirchgemeinde zudem für 4 500 Euro die Wege erneuern. „Wir sind immer am Kämpfen, dass am Ende auch eine schwarze Null rauskommt“, sagt die Pfarrerin.

Die Anreize sind bekannt

Der Planer des Unternehmens Friedwald sieht keine mögliche Konkurrenz. Er betont, dass nur 1,5 Prozent der Menschen sich tatsächlich für den Bestattungswald entscheiden. Das wäre bei fünf bis zehn Beerdigungen im Jahr in Cunnersdorf und etwa 120 bis 130 Bestattungen auf den evangelischen Friedhöfen in Kamenz kaum zu merken. Die hessische Gemeinde Gelnhausen, in der der Friedwald gut angenommen wurde, hat jedoch andere Erfahrungen gemacht. Dort ging die Bestattungszahl auf den Friedhöfen um 20 Prozent zurück.

Die Anreize sind bekannt. Viele Menschen entscheiden sich für einen Bestattungswald, weil sie die Ruhe und die Pflegefreiheit suchen. Ein weiteres Argument sind aber auch die Kosten. Ein Platz an einem Gemeinschaftsbaum mit zehn Plätzen kostet bei Friedwald mit Reservierung und Bestattungsgebühr ab 1. Januar ab 840 Euro, heißt es. Die Kosten für den Bestatter kommen noch oben drauf. Die Kirchgemeinde Cunnersdorf bietet seit Kurzem ebenfalls Baumbestattungen auf dem Friedhof an. Die Gräber bekommen eine Steinplatte und werden 20 Jahre lang gepflegt. Diese Vorsorge kostet rund 2000 Euro. „Und das ist schon äußerst knapp kalkuliert“, sagt Claudia Wolf. Jeder Baum bekommt nur ein Grab. Ein eigener Baum kostet bei Friedwald auch ab 2 840 Euro.

Die finanziellen Verantwortungsaspekte sind aber nur eine Seite für die Pfarrerin. Sie findet es aus ihrer Erfahrung her wichtig, dass die Gräber im Sommer und auch im Winter zugänglich sind. Das sei für die Trauerarbeit wichtig, im Bestattungswald ist das aber nur eingeschränkt gegeben. Menschen mit Gehproblemen kommen dort nur schwer an die Gräber. Blumen sind selbst bei der Beerdigung nicht vorgesehen. Zehn Prozent der Urnen werden anonym bestattet. Insgesamt sind laut Bestatterverband fünf Prozent der Bestattungen anonym.

Grundsätzliche Erwägungen

In Kamenz und Cunnersdorf gibt es diese Bestattungsform noch gar nicht. „Vielfach wollen die bescheidenen Eltern ihren Kindern nach dem Tod nicht zur Last fallen. Erst später merkt man, wie schwierig ist es, wenn man nicht weiß, wo die Angehörigen bestattet sind. Das sieht man dann an den Versuchen, Blumen auf der Grünen Wiese abzulegen, die dann natürlich wieder entfernt werden, weil das in der Kalkulation nicht mit drin ist.“

Die katholische Kirchgemeinde in Kamenz lehnt den Bestattungswald ebenfalls ab. Pfarrer Steffen Börner verweist unter anderem auf geschichtliche und praktische Gründe. „Es geht dabei auch um grundsätzliche Erwägungen über die Bedeutung des Todes.“

Die Kirchgemeinde in Cunnersdorf hat bei der neuen Urnengemeinschaftsanlage und auch bei den Baumbestattungen darauf geachtet, dass es Steinplatten mit Namen und Lebensdaten geben wird. Vier Bäume wurden dafür erst einmal ausgewählt. Es könnten allerdings auch andere Bäume ausgewählt werden.

Die Kirchgemeinde will damit dem Wunsch vieler entsprechen, unter einem Baum begraben zu werden und den Pflegeaufwand andere tragen zu lassen, wenn die Kinder nicht vor Ort sind. „Ich habe den Eindruck, dass man damit etwas in die Wege leitet, das nicht nötig ist und die Kommune, langfristig gesehen, wahrscheinlich belasten wird“, sagt Claudia Wolf. Die Gemeinde Schönteichen hat sich noch nicht entschieden. Die Verwaltung möchte zunächst einmal einen Grundsatzbeschluss in die Wege leiten. Wenn sich der Gemeinderat dafür entscheidet, geht es an die Genehmigung.