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Einsatz für den Bärentöter

Der Waschbärenfang ist ein blühender Geschäftszweig bei City-Trapper Thomas Schröder, auch in Freital.

Er fällt gern auf: Dresdens City-Trapper Thomas Schröder (54) in vollem Ornat beim Außendienst am Sauberg in Freital. Immer mit dabei: seine beiden Deutschen Jagdterrier Jessi und Acky.
Er fällt gern auf: Dresdens City-Trapper Thomas Schröder (54) in vollem Ornat beim Außendienst am Sauberg in Freital. Immer mit dabei: seine beiden Deutschen Jagdterrier Jessi und Acky. © Egbert Kamprath

Ein bulliger Ford Ranger walzt in die Beschaulichkeit einer Freitaler Nebenstraße. Tonnenschwer und mit erdigen Tarnfarben bedeckt, sieht er aus wie ein Kriegsgerät. Es ist der Dienstwagen von Thomas Schröder: breitkrempiger Hut, Hundepfeife um den Hals, Pistole an der Hüfte. Nein, dass der City-Trapper sein Geschäft diskret betreibt, kann man nicht behaupten. Er legt es darauf an, aufzufallen. Auffallen ist die beste Reklame, sagt er. "Ich haue gern auf die Kacke."

Der Erbe von Sam Hawkens

Thomas Schröder, 54 Jahre alt, eigentlich Mechanikermeister, hat einen äußerst originellen Broterwerb: Er ist Fallensteller. Im Wilden Westen nannte man diese Art von Berufsjäger Trapper. Schröder hat diesen Titel adoptiert. Nur dass er nicht wie der Sam Hawkens Karl Mays durch die Wälder streift. Sein Jagdgebiet ist die Stadt. Hier stellt er Füchsen, Dachsen, Mardern und Waschbären nach. Seine Auftraggeber wollen keine Felle. Sie wollen Ruhe haben vor ihren ungebetenen Gästen.

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Andreas Reinert will die Waschbären aus seiner Kleingartenanlage "Sauberg" in Freital vertreiben. Hier bestückt er eine Waschbärenfalle mit Ködern.
Andreas Reinert will die Waschbären aus seiner Kleingartenanlage "Sauberg" in Freital vertreiben. Hier bestückt er eine Waschbärenfalle mit Ködern. © Egbert Kamprath

Andreas Reinert ist so ein Auftraggeber. Als Bereichsleiter des Freitaler Kleingartenvereins "Sauberg" wacht er über das Wohl und Wehe von über hundert Parzellen. Und diese Parzellen haben ein Problem: Waschbären. Im vorigen Jahr ging es los. Mit kleinen Löchern in den Wiesen hier und da. Doch bald begannen die Tiere, auf der Suche nach Insektenlarven und Würmern einzelne Gärten regelrecht umzupflügen. Inzwischen agieren die Bären nicht mehr nur im Schutz der Nacht. Einen sah Reinert zur besten Kaffeezeit über den Gartenzaun blinzeln.

Daheim Fallen stellen darf jeder, töten nicht

Der Gartenchef fürchtet nun, dass sich die Waschbären breit machen, in die Lauben eindringen, vielleicht sogar in die Garagen und Wohngrundstücke jenseits der Straße. So hat er den City-Trapper gerufen. Thomas Schröder kommt gern. Man soll nicht warten, bis der Schaden da ist, sagt er, sondern den Anfängen wehren. "Bei einigen ist das noch nicht in den Köpfen angekommen."

Die mit Lockmitteln präparierte Kastenfalle: Waschbären stehen nicht nur auf Eier, sondern auch auf Maiskörner, Hundefutter und Gummibärchen.
Die mit Lockmitteln präparierte Kastenfalle: Waschbären stehen nicht nur auf Eier, sondern auch auf Maiskörner, Hundefutter und Gummibärchen. © Egbert Kamprath

Fallen aufstellen und Kleinräuber wie Waschbär, Fuchs oder Marder fangen, darf, in seinem umfriedeten Eigentum, eigentlich jeder. Aber erstens hat man eine Falle für den Lebendfang - nichts anderes ist erlaubt - schwerlich auf Lager. Und zweitens darf man ein Wildtier, einmal gefangen, nicht einfach anderswo wieder aussetzen. Bleibt nur das Töten. Wer keinen Sachkundenachweis dafür hat, etwa einen Jagdschein, muss sich einen Fachmann besorgen.

Waschbärenbestand wächst immer schneller

Thomas Schröder ist seit 1998 Jäger. Immer wieder sprachen ihn Leute an, wenn Wildtiere ihre Grundstücke besetzten. Sie waren ratlos, weil Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr die Hände hoben. So entwickelte er seine Geschäftsidee: Er vermietet Fallen, stellt sie auf, tötet die gefangenen Tiere und entsorgt die Kadaver. Anfangs wurde er für diesen Einfall ausgelacht. Heute lacht keiner mehr. "Ich kann mehr recht als schlecht davon leben." 

"Größere Flächen ramponiert." Ein Stück Wiese der Gartenanlage, das Waschbären auf Nahrungssuche umgepflügt haben.
"Größere Flächen ramponiert." Ein Stück Wiese der Gartenanlage, das Waschbären auf Nahrungssuche umgepflügt haben. © privat

In Dresden und Umgebung hat Thomas Schröder inzwischen 180 Fallen in Betrieb. Der Waschbär ist ein wachsender Geschäftszweig. 2011 fing Schröder seine ersten vier Exemplare. 2012 waren es 72 und 2013 schon 123. Heute kommt er jährlich auf 250 bis 300 Tiere. Die steigende Tendenz korrespondiert mit den Abschusszahlen im freien Gelände. Wurden der Jagdbehörde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Jagdjahr 2015/16 noch 168 erlegte Bären gemeldet, waren es 2019/20 bereit über fünfhundert.

Eigene Katze geht in die Falle

Am Sauberg hat Thomas Schröder zwei Fallen stehen, die er heute inspiziert. Das müsste er nicht, denn per Vertag ist der Mieter fürs Kontrollieren zuständig. Andreas Reinert ist ein guter Mieter. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Schröder. Zweimal täglich kontrolliert der Gartenchef die Fangvorrichtungen, säubert sie, legt Köder nach oder befreit Tiere, die ungewollt hinein gerieten, darunter Igel und Katzen. Seine eigene Katze saß auch schon mal in der Falle fest.

Für einmal gefangene Waschbären gibt es kein Happy End. Außer in Kindergärten erschießt der City-Trapper die Tiere noch an Ort und Stelle.
Für einmal gefangene Waschbären gibt es kein Happy End. Außer in Kindergärten erschießt der City-Trapper die Tiere noch an Ort und Stelle. © Egbert Kamprath

Bevor er zur ersten Falle geht, greift sich Thomas Schröder sein Gewehr, einen Repetierer aus Amerika, Kleinkaliber. Für Waschbären völlig ausreichend, sagt er. Die braune Holzkiste, einen guten Meter lang, steht nahe bei einer Brombeerhecke. Schröder tritt heran und öffnet die Kontrollklappe. Nichts drin. Nur der Köder, ein Hühnerei, und diverse Beilagen sind zu sehen, darunter Gummibärchen und Trockenfutter für Hunde.

Die Notlüge vom Umzug in den Zoo

Gefangene Waschbären verhalten sich sehr unterschiedlich. Manche wüten wie toll, andere rollen sich einfach zusammen und harren der Dinge, die da kommen. Wenn der Trapper Einsatz im Kindergarten hat, erzählt er den Kleinen, dass er die Tiere in den Zoo bringt. Tatsächlich gibt es nie ein Happy End. Das Ende kommt immer aus Schröders Gewehrmündung. Die Waschbären, von Natur aus neugierig, schauen oft sogar direkt hinein, bevor der Schuss bricht.

Das Geheimnis der Wendigkeit: Waschbären besitzen feingliedrige Hände und Füße. Das macht sie zu Meistern im Klettern und Nahrung aufspüren.
Das Geheimnis der Wendigkeit: Waschbären besitzen feingliedrige Hände und Füße. Das macht sie zu Meistern im Klettern und Nahrung aufspüren. © Egbert Kamprath

Bisher hat Thomas Schröder am Sauberg ein halbes Dutzend Bären gefangen. Solange der Jagderfolg anhält, werden die Fallen wohl bleiben, sagt Gartenchef Reinert, jedenfalls bis zum Winter. Wie es dann weitergeht, entscheiden die Gartenfreunde. Sie tragen die Kosten gemeinsam. Ein Trapper ist kein Schnäppchen. Eine Falle installieren kostet inklusive Steuern gute 70 Euro, Miete pro Monat knapp zwölf Euro, einen Fang erlegen und entsorgen wiederum reichlich siebzig Euro. Die meisten Anrufer, denen Schröder seine Konditionen nennt, melden sich nie wieder.

Hassbotschaften gehören zum Geschäft

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Dafür melden sich andere Leute, diejenigen, die Schröder dafür hassen, was er macht. Mehrfach hat er Morddrohungen erhalten. Und Dresche wird ihm sowieso öfters angeboten. Ihn hebt das nicht mehr an, sagt er. Er hat seine massige Statur, seine Hunde, er ist stets bewaffnet. Ein Facebook-Konto, um sich ins rechte Licht zu rücken, besitzt Schröder nicht. Es ist ihm einerlei, was man im Netz über ihn redet. "Hauptsache, man redet über mich."

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