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Sicher baden an der Talsperre Kriebstein

Die DRK-Wasserwacht gibt Touristen an der Talsperre Kriebstein ein sicheres Gefühl. Mindestens von Ostern bis Oktober. Der letzte Teil unserer Sommerserie.

Jens Krause (rechts) ist Rettungsschwimmer und Rettungsassistent bei der Wasserwacht des DRK Döbeln-Hainichen - im Ehrenamt. Mit seinen Kollegen Rene Illig sorgt er für schnelle Hilfe im Bedarfsfall im Wasser wie auch zu Land.
Jens Krause (rechts) ist Rettungsschwimmer und Rettungsassistent bei der Wasserwacht des DRK Döbeln-Hainichen - im Ehrenamt. Mit seinen Kollegen Rene Illig sorgt er für schnelle Hilfe im Bedarfsfall im Wasser wie auch zu Land. © Dietmar Thomas

Talsperre Kriebstein. Jens Krause zeigt Flagge. „Das ist in der Regel der erste Akt des Tages, um zu zeigen, dass die Wasserwacht besetzt ist“, sagt der 39-Jährige und lächelt verschmitzt. Am kleinen Bootshaus der DRK-Wasserwacht Döbeln-Hainichen in Höfchen, direkt am Ufer des Kriebsteinsees geht er ohne Umschweife zum nächsten Routine-Schritt über: Der Notfallkoffer wird auf Vollständigkeit geprüft inklusive des Defibrillators.

„Den habe ich zum Glück noch nie gebraucht“, erzählt der Rettungsschwimmer und Rettungsassistent. Vor gut einem Jahr ist er beim DRK eingestiegen, bei der Wasserwacht arbeitet er ehrenamtlich. Sein Auftrag: Wenn Menschen in Not geraten, gehört er am Kriebsteinsee zu den Rettern im Wasser wie auch zu Lande. Eigentlich arbeitet Jens Krause bei der HSG Hainichener Service GmbH als Fahrer im Fahrdienst.

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Wasserwacht von Frühjahr bis Herbst am Kriebsteinsee

Dafür hat er seinen Job bei Edeka aufgegeben. „Wenn man so etwas macht, dann sollte man es auch richtig machen. Es ist einfach der Spaß an der Freude, Menschen zu helfen“, plaudert Jens Krause zu den Gründen für den ungewöhnlichen Schritt.

„Es gibt nicht viele Leute, die so denken“, sagt Rene Illig, Leiter Soziale Dienste beim DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen. Die Floskel, dass es ihnen ein Helfersyndrom innewohnt, will der 48-Jährige so nicht stehen lassen. „Es ist eher die soziale Ader“, sagt er nach einigem Nachdenken.

Schnell haben Rene Illig und Jens Krause das Rettungsboot flottgemacht. Von O bis O, also Ostern bis Oktober ist der Standort der Wasserwacht besetzt. Auch am Wochenende und je nach Witterung. Denn: „Der Sachse macht seinen Tagesplan am Frühstückstisch und ändert ihn danach nicht mehr“, sagt Rene Illig und lacht vielsagend. Dennoch seien die Retter vorsorglich da.

Augenmerk gilt nicht nur dem Badebetrieb

An der Talsperre Kriebstein gehört ihr Augenmerk aber nicht ausschließlich - wie ein Außenstehender vermuten mag - dem Badebetrieb. Denn Baden im See ist eigentlich nicht erwünscht und auch nur an einigen wenigen Standorten möglich. 

Dagegen müssen die Einsatzkräfte aus Erfahrung mehr Segler, Bootfahrende und Kanuten aus misslichen Situationen befreien. Dazu Wanderer, die die rund 18 Kilometer Strecke um den See absolvieren und dabei manche Gefahrenstelle passieren.

Gerade nahe Lauenhain passiert es immer wieder einmal, dass Wanderer am Hang stürzen. „Unser Einzugsgebiet ist das gesamte Naherholungszentrum“, beschreibt Rene Illig. Innerhalb weniger Minuten können die Kräfte der DRK-Wasserwacht an jedem Ort rund um den See sein, „weil wir ein schnelles Boot haben“, so Illig schmunzelnd.

Die Idylle trügt ein wenig: Am Standort der Wasserwacht in Höfchen herrscht stets Hochspannung für den "Fall der Fälle". Die gehisste Flagge zeigt an, dass die Wache besetzt ist.
Die Idylle trügt ein wenig: Am Standort der Wasserwacht in Höfchen herrscht stets Hochspannung für den "Fall der Fälle". Die gehisste Flagge zeigt an, dass die Wache besetzt ist. © Dietmar Thomas

Am 8. Mai 1999 wurde in Höfchen ein Boot in Dienst gestellt. Rettung mit motorisierter Hilfe - das gab es vorher nicht immer. Zwar existierte bis 1956 am Kriebsteinsee bereits eine Wasserwacht. Doch zu DDR-Zeiten sorgten lediglich Rettungsschwimmer ohne Boot für die Ordnung und Sicherheit. Mit der „Zschopau“ wurde das leidige Kapitel beendet.

Elf Jahre war die „Zschopau“ im Dienst, dann wurde sie durch die „Mittelsachsen“ abgelöst. Das neue, bis heute genutzte Motorboot ist zwar nicht schneller als sein Vorgänger. Aber praktischer. So muss der Rettungsschwimmer prinzipiell gar nicht ins Wasser, sondern kann einen Verletzten über eine Bugklappe an Bord ziehen.

Schlimmster Fall im Jahr 1999: Vermisster Jetskifahrer

Rene Illig lässt den Motor mal kurz „hochfahren“. Bis zu Tempo 60 sind möglich, um auf schnellstem Wege zum eventuellen Rettungspunkt zu gelangen. Zwölf Kilometer pro Stunde sind es, wenn die Besatzung auf Kontrollfahrt geht. Zwei oder drei Mal pro Tag passiert das.

Und dann haben Jens Krause und seine Kollegen auch mal den Blick frei für die Schönheit der Gegend. Natürlich immer unter dem Aspekt, den laufenden Verkehr auf dem Kriebsteinsee zu beachten. Der fällt in dieser Saison etwas bescheidener als sonst aus – ein Grund zur Entspannung ist das für die Wasserwachtler indes nicht.

Einrücken nach einer Routine-Kontrollfahrt: Mit der "Mittelsachsen" kann jeder Ort rund um den See in etwa zwölf Minuten erreicht werden.
Einrücken nach einer Routine-Kontrollfahrt: Mit der "Mittelsachsen" kann jeder Ort rund um den See in etwa zwölf Minuten erreicht werden. © Dietmar Thomas
Schichtbeginn: Jens Krause kontrolliert Notfallkoffer und Defibrillator auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit.
Schichtbeginn: Jens Krause kontrolliert Notfallkoffer und Defibrillator auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit. © Dietmar Thomas
Historisches: Die "Zschopau" war das erste Rettungsboot nach der Wende in Höfchen.
Historisches: Die "Zschopau" war das erste Rettungsboot nach der Wende in Höfchen. © Dietmar Thomas

Alarmiert werden sie in der Regel über die Rettungsleitstelle, wenn ihr Einsatz gefragt ist. Nur ein paar Anrainer haben auch die direkte Durchwahl zu dem kleinen Stützpunkt in Höfchen. 

Mindestens zwei, meist aber vier Leute stehen zur Hilfe bereit – darunter stets mindestens ein Bootsführer. Teamwork steht weit oben – und an Wochenenden wird oftmals auch gleich im Stützpunkt übernachtet, der mit Küche, Schlafzimmer, Dusche und Erstversorgungsraum ausgestattet ist.

Jens Krause kann sich nicht an einen Rettungsfall erinnern, den er womöglich niemals vergessen wird. Zum Glück. Aber es gab und gibt schon atemberaubende Einsätze in den letzten Jahren. Rene Illig fällt ein tragischer Unfall zum Talsperrenfest 1999 ein. „Stundenlang wurde nach einem vermissten Jetskifahrer gesucht. Dann wurde er tot geborgen“, erzählt er.

Solche Ereignisse würden natürlich den jeweiligen Beteiligten im Kopf bleiben. Da sei viel Kraft und eine gute Psyche gefragt, um sich bei nachfolgenden Einsätzen auf jegliche Möglichkeiten einstellen zu können. So viel, so Illig, sei klar: „Man hat die Bilder im Kopf, wenn man zum nächsten Einsatz gerufen wird.“

Corona sorgt für Besonderheiten

2020 ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr für die DRK-Wasserwacht Döbeln-Hainichen. Denn sie ist ja nicht nur für die Sicherheit am Kriebsteinsee zuständig, sondern auch für einige Bäder der Region. 

Jens Krause war zum Beispiel als Rettungsschwimmer in Leisnig im Einsatz. Hat Corona-Abstriche gemacht, „wenn grad nix zu tun war“, schmunzelt Rene Illig. Dass in diesem Jahr so gut wie keine Ausbildung von Nachwuchskräften möglich war, treibt ein paar Sorgenfalten auf seine Stirn.

Er lässt die „Mittelsachsen“ gemächlich über den See tuckern. Normalerweise überlässt er das den angestammten Bootsführern. Doch den Augenblick genießt er sichtlich. Den Bau des neuen Hafens nahe der Seebrücke nimmt er von der See-Seite unter die Lupe. Und wenn aus Sicht der Retter alles ruhig ist, dann ist die Welt in Ordnung. „Es ist einfach so schön hier“, sagt Rene Illig.

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Die bisher erschienen Folgen unserer Sommerserie lesen Sie auf Sächsische.de.

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