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Wenn das Baby die Partnerschaft gefährdet

Manche Familien geraten in Lebenslagen, die sie überfordern. Ein neues Projekt soll ihnen helfen, die schwierigen Situationen zu meistern.

© -Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das junge Paar hat sich auf das Baby gefreut. Davon, wie beide den Alltag mit dem Nachwuchs meistern, haben die Eltern genaue Vorstellungen. Doch dann kommt alles ganz anders.

Babyschock nennt Marie Dietrich-Streubel den Zustand, in den Paare nach der Geburt ihres Kindes geraten können. „Viele finden den Weg nicht, Eltern zu sein und gleichzeitig ein Paar zu bleiben“, sagt sie.“ Der veränderte Alltag verunsichert die Paare und gefährdet manchmal sogar die Partnerschaft. 

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In dieser Situation könnte Marie Dietrich-Streubel den Eltern beratend zur Seite stehen. Denn die Systemische Familientherapeutin ist seit einigen Wochen als sogenannte aufsuchende Familienbegleiterin im Altkreis Döbeln unterwegs.

Für das Landratsamt Mittelsachsen wurde das Projekt vier Jahre lang beim Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) Mittweida getestet. „Nachdem sich der Bedarf bestätigt hat, gibt es das Angebot jetzt auch in Freiberg und Döbeln“, sagt Mandy Gausche vom Awo-Familienzentrum. Dort ist das Projekt in Döbeln angegliedert. In Freiberg gehört es zum Kinderschutzbund.

„Es ist ein präventives Angebot für Eltern mit Kindern ab der Geburt bis zum Schuleintritt“, erklärt Marie Dietrich-Streubel. Und es soll eine Lücke füllen. In der ersten Tagen werden die Eltern von einer Hebamme begleitet. Sind die Kinder älter, gibt es viele verschiedene Unterstützungssysteme. Aber in der frühen Prägephase des Kindes fehlen die Hilfsangebote.

Die aufsuchende Familienbegleitung ist freiwillig, kostenfrei und für alle gedacht, die ein Kind betreuen, egal ob Mutter, Vater, Oma, Opa, Tante, Onkel oder Pflegeeltern. Die Initiative, sich Unterstützung ins Haus zu holen, sollte von ihnen ausgehen. Denn die Gespräche erfolgen immer in der gewohnten Umgebung der Ratsuchenden. Damit soll eine gewisse Hemmschwelle ausgeschlossen werden.

Eltern stoßen oft an Grenzen

Es gibt viele Situationen, in denen Eltern an ihre Grenzen stoßen: Der Sohn hört nicht, was die Eltern auch versuchen. Oder die Trotzphase der Tochter will kein Ende nehmen. Marie Dietrich-Streubel erklärt, was in einem bestimmten Alter normal ist und gibt Tipps, wie die Erwachsenen damit umgehen können.

„Ich begleite die Familien auch beim Übergang des Kindes in die Kita oder zu Behörden, helfe, Anträge auszufüllen oder vermittle den Kontakt zur Erziehungsberatungsstelle“, beschreibt Marie Dietrich-Streubel das Spektrum ihrer Arbeit.

Wie oft sie die Familien aufsucht, sei sehr individuell. Wichtig sei es, Vertrauen aufzubauen. Manchmal reiche ein einziger Besuch. Manchmal seien auch monatliche oder wöchentliche Treffen vorteilhaft, um die jeweilige Situation in de griff zu bekommen.

Ausschlusskriterien gebe es für niemanden. „Außer, wenn schon eine Unterstützung durch das Jugendamt erfolgt“, so die Familienbegleiterin. Für die Hausbesuche ist sie flexibel und kommt auch abends vorbei. Damit das Angebot im Altkreis Döbeln bekannter wird, stellt sich Marie Dietrich-Streubel derzeit in der Krabbelgruppen vor, die sich in fast allen Städten regelmäßig treffen.

Der Landkreis Mittelsachsen fördert die Familienbildung mit 460.000 Euro. Neben der Familienbegleitung werden mit dem Geld auch Eltern-Kind-Kurse, Elternseminare, Familienbildungswochenenden, Treffen für Alleinerziehende und Elterncafés finanziert.

Kontakt: Telefon 03431 601817, 0157 83844417 oder 0163 1620137; 
E-Mail: [email protected]

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